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«Du hast die Arschkarte gezogen, weil dein Mann kein Koch ist»

Restauranttester in Dübendorf

«Du hast die Arschkarte gezogen, weil dein Mann kein Koch ist»

Restauranttester Daniel Bumann will das «Ristorante Bacco» in Dübendorf aus den roten Zahlen führen. Gelingen soll das mit einem Besuch bei den Gastronomen des «Gasthof Sternen» im Nachbardorf Wangen.

Alice
Küng
Mittwoch, 06. November 2019, 08:20 Uhr Restauranttester in Dübendorf

Das Wichtigste in Kürze

  • Eliana Ioanna vom «Ristorante Bacco» macht seit der Eröffnung ihres Betriebs Verlust
  • Der Restauranttester Daniel Bumann greift der Gastronomin jetzt unter die Arme
  • Bumann besucht am Drehtag mit ihr den «Gasthof Sternen»

Als sich die Türe zum «Gasthof Sternen» in Wangen abrupt öffnet, kniet sich Ingrid Bumann flink auf den Boden. So begibt sich die Ehefrau von Daniel Bumann aus dem Sichtfeld der Kamera.
Dieser betritt begleitet von einem dreiköpfigen Filmteam die Gaststube. «Hör genau zu!», sagt Daniel Bumann mit eindringlichem Blick zu Eliana Ioanna. «Jetzt musst du profitieren!»
Lernen soll die Wirtin vom «Ristorante Bacco» in Dübendorf von den erfahrenen Gastronomen Bettina und Mathias Brunner. Das Paar führt seit mehreren Jahren den «Gasthof Sternen». «Wir freuen uns, wenn wir helfen können», sagt Bettina Brunner abseits der Kamera.

Daniel Bumann erzählt von seiner schweren Aufgabe als Restauranttester. (Video: Alice Küng)

Rote Zahlen
Nach dem Besuch des Restaurants «Rusticana» im Aathaler kehrt der Walliser mit der Sendung von 3+ ins Züricher Oberland zurück. Nach zwei Drehtagen im «Ristorante Bacco» ist der «Gasthof Sternen» heute Schauplatz der Fernsehsendung «Bumann der Restauranttester».
Ioanna hat sich mit ihrem Betrieb selbst beworben und wurde von der Sendung nach einem Casting ausgewählt, so Ingrid Bumann, die als Back Office Managerin für die Sendung verantwortlich ist.

«Verhalte dich ganz normal. So wie immer. Richte deinen Blick nicht in die Kamera.»
Daniel Bumann, Restauranttester

Daniel Bumann sagt auf Nachfrage: «Die miserable Wirtschaftslage vom ‹Ristorante Bacco› hat mich schockiert. Seit der Eröffnung vor einem Jahr schreibt Eliana rote Zahlen.» Das will der erfahrene Restaurantkritiker ändern.

Scheinwelt im Fernseher
Bumann will Ioanna einen erfolgreichen Betrieb zeigen und nimmt sie zu alten Bekannten in der Region mit. Bettina und Mathias Brunner haben sich im ehemaligen Restaurant von Ingrid und Daniel Bumann im Engadin kennen gelernt und führen heute gemeinsam den «Gasthof Sternen». «Wir sind sehr stolz auf sie», sagt Ingrid Bumann.
Als Ioanna und Bettina Brunner mit dem Kameramann und einer Person mit dem Mikrofon in der Hand durch die Küche spazieren, interveniert Bumann und wendet sich an Brunner: «Verhalte dich ganz normal. So wie immer. Richte deinen Blick nicht in die Kamera.»

Eliana Ioanna weiss jetzt, wie sie ihr Restaurant besser führen kann. (Video: Alice Küng)

Kritik führt zum Ziel
Bumann ist für seine unverfrorenen Aussagen bekannt. «Die direkte Kritik ist der schnellste und radikalste Weg, der zu einer Veränderung führt», sagt der Restauranttester. Auch bei Ioanna nimmt er kein Blatt vor den Mund: «Du hast die Arschkarte gezogen, weil dein Mann kein Koch ist.»

«Ich muss aber noch viel mit ihm schimpfen.»
Eliana Ioanna, Wirtin des «Ristorante Bacco»

Wie das Ehepaar Brunner führt auch Ioanna ihr Betrieb mit ihrem Lebensgefährten. Dieser ist schon immer in der Gastronomiebranche tätig, hat aber nie eine gastronomische Ausbildung gemacht. Ioanna selbst hat bis vor einem Jahr in einem Büro gearbeitet.
Ihr Partner fehlt bis zum vorletzten Drehtag in der Sendung. Das hat seinen Grund. «Er ist sehr stolz und kann nicht gut mit Kritik umgehen», sagt sie. Deshalb wolle er nicht vor die Kamera treten.

Wenig Einnahmen, kein Fachwissen und fehlende Kritikfähigkeit. Das ist wohl eine schwierige Voraussetzung für einen baldigen Erfolg für das «Ristorante Bacco». Ein eigenes Restaurant zu führen, sei aber schon immer der Lebenstraum ihres Partners gewesen, sagt Ioanna. Und diesen will sie jetzt auch weiter mit ihm verfolgen. «Ich muss aber noch viel mit ihm schimpfen», sagt sie.

Die Aufnahme läuft ununterbrochen weiter, bis plötzlich einer aus dem Filmteam das Zeichen zum Schnitt gibt. Das Gespräch unter den Gastronomen bricht ab. Szenenwechsel. Es ist Viertel vor zwölf. Einige Gäste löffeln bereits ihre Tagessuppe. Jetzt wird der Umgang mit den Gästen geübt.

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