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Der geschwungene Damm der Wetzikon-Meilen-Bahn ist noch heute gut zu erkennen. Bild: Moritz Hager

Kanton hat keine Verwendung für Bahntrassee

Der Kanton übergibt der Gemeinde Männedorf kostenlos ein Stück Bahngeschichte. Er braucht das ehemalige Trassee der Wetzikon-Meilen-Bahn nicht mehr.

Der geschwungene Damm der Wetzikon-Meilen-Bahn ist noch heute gut zu erkennen. Bild: Moritz Hager

Veröffentlicht am: 14.10.2019 – 11.39 Uhr

Das Weglein beschreibt hinter dem ehemaligen Männedörfler Restaurant Frohsinn einen grossen Bogen und steigt dann unterhalb der Sportanlage Widenbad sanft an. Etwas unnatürlich wirkt der Wall, auf dem die Kurve verläuft – und tatsächlich: Er wurde künstlich geschaffen. Es handelt sich um den einstigen Damm der Wetzikon-Meilen-Bahn, die sich am Männedörfler Allenberg den Hang hochschraubte, an der Grenze zu Stäfa über ein Viadukt ratterte und anschliessend bis ins Stäfner Mühlehölzli und weiter ins Zürcher Oberland fuhr. Von den Schienen sieht man zwar auf dem noch heute bestehenden Trassee nichts mehr, doch vielen Einheimischen ist bekannt, dass hier früher eine Bahnlinie vorbeiführte.

Was hingegen die meisten nicht gewusst haben dürften: Das Überbleibsel, ein schmaler Wegstreifen, ist grösstenteils im Besitz des Kantons. Nun aber will das Immobilienamt der Baudirektion das rund 900 Meter lange Stück ab der Wendeschleife bis zur Grenze zu Stäfa der Gemeinde Männedorf schenken. Der südliche Teil unterhalb der Oberallenbergstrasse befindet sich bereits in deren Besitz.

Für den Kanton, heisst es in einem öffentlich zugänglichen Protokoll des Männedörfler Gemeinderats, möge der Weg- und Strassenstreifen keinerlei Nutzen darstellen. Für die Gemeinde jedoch befinde er sich an bevorzugter Aussichtslage mitten in der Natur in einem der beliebtesten Naherholungsgebiete. «Mit Blick auf den historischen Verkehrsweg ist die Strecke zudem ein interessanter Teil der Männedörfler Geschichte.»

Wurst mit Brot

Die Wetzikon-Meilen-Bahn, abgekürzt WMB und im Volksmund liebevoll «Wurst-mit-Brot-Bahn» genannt, ist denn auch vielen Leuten in der Region ans Herz gewachsen. Sie verkehrte während verhältnismässig kurzer Zeit, von 1903 bis 1950. Die WMB entstand wie andere mittlerweile eingestellte Linien, etwa die Uerikon-Bauma-Bahn, im Zuge der Bahneuphorie um die Jahrhundertwende. Die 22,5 Kilometer lange Strecke führte von der Schiffstation in Meilen über Obermeilen, das Uetiker Grossdorf und Kleindorf, Männedorf, Oetwil und Grüningen nach Wetzikon. Die Fahrt mit Halt an 20 Stationen dauerte 77 Minuten.

Mancherorts sind die Strassen noch nach der elektrischen Schmalspurbahn benannt: etwa die Tramstrasse in Uetikon und Männedorf sowie besagter Trämliweg in Männedorf, der nun vollständig in den Besitz der Gemeinde übergehen soll. Wie die Namen dieser Strassen nahelegen, war das Züglein eher Tram als Bahn. Die Wagen waren blau-weiss und ähnelten dem alten Züri-Tram. Im besten Jahr, 1920, transportierte es über eine halbe Million Passagiere und 11000 Tonnen Güter, unter anderem auch Briefe und Pakete der Post.

Die Wetzikon-Meilen-Bahn in Zahlen

Streckenlänge: 22,5 Kilometer
Spurweite: 1000 Milimeter
Stromsystem: 750 Volt
Maximale Neigung: 65 Promille
Minimaler Radius: 25 Meter

 

Wegen des zunehmenden Strassenverkehrs und des technisch veralteten Zustands der Bahn geriet die WMB aber schliesslich ins Hintertreffen. 1946 entschied das Zürcher Stimmvolk, sie aufzuheben. Am 13. Mai 1950 verkehrte die Bahn schliesslich zum letzten Mal. Sie wurde durch den Busverkehr der Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) ersetzt. Das schnurgerade Trassee am Allenberg und das Viadukt an der Grenze zwischen Männedorf und Stäfa gehören zu den am besten sichtbaren Überbleibseln. Hier entstand auch ein Bahnlehrpfad.

Ein Weg für Spaziergänger

Was aber kann die Gemeinde nun mit dem neu gewonnenen Stück Land anfangen? Im Grunde genommen nicht viel. Männedorf hat für den Kanton den Abschnitt schon immer auf eigene Kosten unterhalten, wie aus dem Protokoll des Gemeinderats hervorgeht. Die Gemeinde wird dies auch weiterhin tun.

Zwei Abschnitte der geschenkten Strecke – die Kurve mit zahlreichen Hecken sowie der Hohlweg Richtung Stäfa – stehen überdies unter kommunalem Natur- und Landschaftsschutz. Für den Gemeinderat steht denn auch der Erhalt des Erholungsraums im Vordergrund. Viel ändern wird sich somit nicht. Zwar sind die Zeiten, als hier noch ein Bähnlein hochrumpelte, vorbei. Dafür werden aber wie in den vergangenen Jahren auch künftig noch manche Spaziergänger den Weg hochschnaufen. (Michel Wenzler)

Stationen

    • Kempten Ochsen
    • Kempten SBB
    • Oberwetzikon
    • Wetzikon SBB
    • Grüt
    • Gossau
    • Ottikon
    • Grüningen Itzikon
    • Grüningen Städtli
    • Grüningen
    • Grüningen Binzikon
    • Grüningen Holzhausen
    • Oetwil am See Willikon
    • Langholz
    • Stäfa Mühlehölzli
    • Männedorf Auf Dorf
    • Männedorf Allmend
    • Männedorf Büelen
    • Uetikon Kleindorf
    • Uetikon Grossdorf
    • Dollikon
    • Obermeilen
    • Meilen SBB
    • Meilen Schiffstation

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