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«Ich hätte Bryan Adams‘ Handynummer»

Päde Hofstetter im Lunchtalk

«Ich hätte Bryan Adams‘ Handynummer»

Der Gossauer Rock-the-Ring-Veranstalter Päde Hofstetter erzählt im Lunch-Talk über die Schwierigkeiten des Hinwiler Festivals. Und was Bryan Adams für Sonderwünsche hatte.

David
Kilchör
Montag, 02. September 2019, 17:22 Uhr Päde Hofstetter im Lunchtalk

Man nenne ihn den Partykönig des Oberlands, sagt Moderator Stefan Nägeli über seinen Lunch-Talk-Gast. Neben ihm steht Päde Hofstetter, Inhaber des «Pirates» und Veranstalter des Rock the Ring – nebst vielem anderem. Und der wiegelt ab. Er veranstalte zwar Partys, doch das bedeute nicht, dass sein Leben eine grosse Party sei.

Eigentlich eher im Gegenteil. «Meine Work-Life-Balance habe ich nicht im Griff», räumt er offenherzig ein. Sein bester Trick – und offenbar funktioniert nicht mal der: «Das Handy abschalten». Er besitze ein kleines Alphüttli mit Handy- und Internetverbot. «Jeder Mensch braucht diese Zeit. Ich respektiere das auch bei meinen Mitarbeitern.»

«Die Zeit mit den Kindern ist mir sehr wichtig.»

Päde Hofstetter, Rock-the-Ring-Veranstalter

In der Fragerunde nach dem Lunch-Talk verrät er dem Publikum auch, dass er morgens um 5 Uhr aufsteht, damit er abends um 18 Uhr am Znachttisch der Familie sitzen kann, bevor er anschliessend nochmals ein paar Stunden weiterarbeitet. Work-Life-Balance ist wohl tatsächlich ein bisschen anders. «Aber die Zeit mit den Kindern ist mir sehr wichtig.»

Per Google Earth zu Rock the Ring

Nägeli befragt Hofstetter zur Entstehung des Festivals Rock the Ring. «Ich hatte schon länger gesagt, dass das Oberland mal etwas richtig Grosses braucht», antwortet der. Und um die Wo-Frage zu klären sei er auf dem Computer über Google Earth geflitzt und am Betzholzkreisel hängen geblieben. «Das ist abseits vom Siedlungsgebiet und von der Grösse her ideal», sagt er.

«Meist sind nicht die Künstler mühsam, sondern ihre Tourmanager.»

Päde Hofstetter

So habe er ein Konzept geschrieben und sei beim Hinwiler Gemeinderat vorstellig geworden. «Die kannten mich schon und waren recht offen für meine Idee. Sie sagten: Wenn nicht dort, wo denn sonst?» Die Bewilligung hätte er schon 2013 im Sack gehabt, doch die Bands hätten gefehlt – so startete er halt ein Jahr später.

Queen hatten den giftigsten Manager

Nägeli will nun wissen, wie das mit dem Booking geht. Ob er den Bryan Adams einfach anrufe und frage, ob er kommen wolle. Hofstetter witzelt: «Seine Handynummer hätte ich tatsächlich. Aber das läuft natürlich nicht so.» Er erörtert den Prozess über Booking-Agenten in London, was Nägeli zur Frage bringt, wer denn der bislang mühsamste Künstler war.

Hofstetter plaudert nun ein bisschen aus dem Nähkästchen. «Meist sind nicht die Künstler mühsam, sondern ihre Tourmanager.» Der giftigste sei eindeutig jener der Band Queen gewesen. Manche Künstler hätten halt Extrawünsche.

«Ein Dauerbrenner ist Fidschiwasser. Aber im Ernst: Wasser aus Fidschi zu importieren ist ziemlich blöd. Wir versuchen die Künstler von den hiesigen Produkten zu überzeugen, das funktioniert meist.» Bryan Adams habe spezielle Linsen gewünscht. «Also mussten wir halt diesen Sch…-Linsen nachseckeln», sagt Hofstetter und grinst.

«Dieses Jahr war das Line-up etwas zu homogen.»

Päde Hofstetter

Nun stellt Nägeli die Frage bezüglich des Wachstumspotenzials des Festivals. Hofstetter sagt, die Kapazitätsgrenze liege eigentlich bei 15‘000 Besuchern pro Abend, was 45‘000 über drei Tage hinweg wären. Momentan würde man sich aber wünschen, man käme zumindest jedes Mal an die 10‘000er Grenze ran.

Dem Rock treu

Ob denn die Pop-Abende vergangener Jahre ein Fehler waren, will Nägeli wissen – und Hofstetter räumt ein, dass vor allem das letzte Jahr mit Bligg und Jan Delay total in die Hose ging. Der Abend mit den Fantastischen Vier im Jahr zuvor sei indes nicht so schlecht gelaufen – die Rockfans hätten einfach stilistische Kritik geäussert. Künftig werde er dem Rock aber treu bleiben.

Das geschah allerdings auch dieses Jahr, als Hofstetter primär Hardrockbands nach Hinwil holte. Hofstetter räumt ein: «Dieses Jahr war das Line-Up etwas zu homogen.» Es gebe auch andere Richtungen im Rock, die er künftig berücksichtigen wolle – etwa den Classic Rock. Doch was nächstes Jahr kommen wird, kann er noch nicht sagen. Die Offerten liefen jetzt erst.

«Ein Festival ist kein lukratives Geschäft.»

Päde Hofstetter

Zum Schluss will Nägeli die finanzielle Seite des Rock the Rings beleuchten. Hofstetter sagt, dass das Festival kommerziell über seine gesamte Laufdauer bislang defizitär gewesen sei. Die Bandgagen würden auch immer teurer und man könne nicht alles auf den Besucher abwälzen – eine Band etwa habe heuer zweieinhalb Mal so viel verlangt wie noch vor vier Jahren. «Ein Festival ist kein lukratives Geschäft. Und es wird immer schwieriger.»

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