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Mit fünf Tipps zur packenden Kurzgeschichte

Schreibstar 2019

Mit fünf Tipps zur packenden Kurzgeschichte

Spannende und kurze Horrorgeschichten sind bei der diesjährigen Ausgabe des «Schreibstar»-Wettbewerbs gesucht. Was aber macht eine gute Kurzgeschichte aus? Jurymitglied Silvana Jecklin vom Atelier Schreibimpuls in Uster hilft weiter.

Lennart
Langer
Dienstag, 20. August 2019, 07:00 Uhr Schreibstar 2019
Silvana Jecklin gibt Tipps für eine gelungene Kurzgeschichte. (Realisierung: Simon Grässle/Chiara Coniglio)

Kennen Sie dieses Gefühl? Eine gute Themenidee ist da, aber Sie wissen einfach nicht, wie Sie Ihre Geschichte zu Papier bringen wollen? Dann sind Sie nicht allein. Gerade Kurzgeschichten, wie sie beim «Schreibstar» gefragt sind, gelten als hohe Kunst des Schreibens und stellen an die Autorinnen und Autoren grosse Ansprüche.

«Horror» ist zwar das Thema des «Schreibstar»-Wettbewerbs in diesem Jahr, der Schreibprozess sollte dabei allerdings keine Furcht einflössen. Das findet auch Silvana Jecklin. Sie betreibt das Atelier Schreibimpuls in Uster und beschäftigt sich täglich mit den kleineren und grösseren Hürden des Schreibens. Interessierte Neo-Autoren holen sich in ihren literarischen Schreibkursen den letzten Schliff, um selbst packende Geschichten verfassen zu können.

Wie schon in den vergangenen Jahren sitzt Jecklin in der Jury des «Schreibstars» und hat wertvolle Tipps, wie auch Sie eine spannende Kurzgeschichte verfassen können:

Knackiger Beginn
Steigen Sie ohne Umschweife in die Geschichte ein. Verzichten Sie auf langfädige Einführungen der Figuren, sondern kommen Sie gleich zur Sache. Dadurch erzeugen Sie von Beginn weg Spannung und ziehen den Leser sofort in die Handlung hinein. So werden die Leser für die Geschichte gewonnen. Dank dem geweckten Interesse wollen die Leser nun wissen, wie es weiter geht.

Die Figur durch ihr Verhalten beschreiben
Eine Figur nur anhand ihrer physischen Eigenschaften zu beschreiben, kann schnell langweilig wirken. Füllen Sie die Figur mit Leben. Was denkt Sie? Was fühlt Sie? Was sagt sie? So können sich die Leserinnen und Leser viel schneller mit einer Figur identifizieren und ihre Gefühle und ihr Handeln nachvollziehen.

Die Grundabsicht der Figur definieren
In einer Kurzgeschichte bleibt – wie es die Bezeichnung schon verrät – nur wenig Platz, um eine spannende und interessante Handlung abzubauen. Deshalb sollte auch die Grundabsicht der Figur und damit der Handlungsstrang der Geschichte eindeutig definiert werden. So verliert sich die Geschichte nicht in verschiedenen Nebenhandlungen. Folgende Grundabsichten können verfolgt werden:

  • Schuld: Die Hauptfigur beschuldigt jemanden, oder sie wird von jemandem einer Tat beschuldigt.  
  • Bedrohung: Die Hauptfigur ist einer Bedrohungslage ausgesetzt, oder sie bedroht eine andere Figur.
  • Verlust: Die Figur hat einen Verlust erlitten und versucht im Verlauf der Kurzgeschichte diesen zu überwinden.
  • Begehren: Die Figur hat ein Verlangen nach einer Sache oder einer Person, oder sie verfolgt sonst ein bestimmtes Ziel.

Durch den Schreibstil Atmosphäre schaffen
Der Schreibstil kann entscheidend dafür sein, ob die Leserinnen und Leser von einer Geschichte gepackt werden. Binden Sie die Beschreibung einer Figur aktiv in die Handlung mit ein. «Sie hat langes schwarzes Haar.» Diese Beschreibung sagt zwar etwas über das Äussere der Person aus, macht die Geschichte aber nicht spannend. Die Formulierung «Sie fährt mit ihren Fingern nervös durch ihre langen schwarzen Haare» schafft hingegen gleich eine angespannte Atmosphäre. Die Fantasie der Leser wird dadurch angeregt, und sie können sich die entsprechende Szene gleich viel besser vorstellen. 

Offener/Spannender Schluss
Ein Happy End gibt es meistens nur im Märchen. Eine gute Kurzgeschichte lebt hingegen von der Spannung – und das bis zum Schluss und darüber hinaus. Lassen Sie am Ende auch mal etwas offen und Freiraum für die Fantasie der Leserinnen und Leser.

Silvana Jecklin verabreicht Schreibimpulse

Seit etwas mehr als einem Jahr betreibt Silvana Jecklin ihr Atelier Schreibimpuls in Uster. Sie schloss 2012 den Lehrgang «Literarisches Schreiben» an der Schule für Angewandte Linguistik in Zürich ab und vermittelt nun ihr Wissen weiter an ihre Kursteilnehmer.

An Kurzgeschichten fasziniert sie vor allem die Dichte. Die Leser sind sofort in der Geschichte drin. Noch lieber hat Jecklin allerdings Romane. Dort könne eine Figur viel ausführlicher beschrieben werden. «Man lernt eine Figur noch besser kennen als die beste Freundin oder den besten Freund», erklärt sie.

Das Rezept zu einer guten Geschichte beginnt für Jecklin ganz einfach. Ihren Kursteilnehmern gibt sie jeweils ein Thema vor und einen klaren Auftrag: «Schreibt! Egal, was es wird.»

Das hohe Schreibniveau, das ihre Kursteilnehmer häufig an den Tag legen, überrascht Jecklin zuweilen. Es sei viel sprachliches Talent vorhanden, Geschichten so zu schreiben, dass man sie richtig erleben könne und das Geschehen vor sich sehe. Der Schreibstil habe sich insgesamt verändert: «Die Geschichten kommen heute viel peppiger daher, wohingegen früher eher langatmiger erzählt wurde», sagt Jecklin. Der entscheidende Impuls zum Schreiben sollte aber vor allem durch etwas ausgelöst werden: Den  Spass daran

 

Schreibstar 2019

Schreiben Sie Ihre eigene Horror-Kurzgeschichte! Die Geschichte darf inklusive Leerschläge und Titel maximal 5‘000 Zeichen umfassen. Ein Onlineformular sowie weitere Informationen finden Sie unter zueriost.ch/schreibstar. Sie können ihre Kurzgeschichte auch unter Angabe ihrer vollständigen Adresse und Ihrem Geburtsdatum bis spätestens am 9. September 2019 an schreibstar@zol.ch schicken.

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