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Tanzchoreo mit Ballett und ein bisschen Beyoncé

Am Illnauer Freilichtspiel

Tanzchoreo mit Ballett und ein bisschen Beyoncé

Die Vorbereitungen für das Illnauer Freilichtspiel «Fernweh», das in Kürze Premiere feiert, laufen auf Hochtouren. Involviert sind zahlreiche Parteien, unter anderem die Choreographin Cécile Lehner.

Mirja
Keller
Freitag, 02. August 2019, 11:23 Uhr Am Illnauer Freilichtspiel

Cécile Lehner tanzt seit sie fünf Jahre alt ist. Erst Ballett und Stepp-, später auch Jazztanz. «Alles auf der Bühne und an den Auftritten hat mich fasziniert, die Kostüme, die Schminke, das Schauspiel», erinnert sich die 33-Jährige an ihre Anfänge. Diese führen sie zurück in die Vereinigten Staaten: Als kleines Mädchen hat Lehner während drei Jahren in New Jersey gelebt. Aber auch zurück in der Schweiz liess Lehner das Tanzen nicht los. Sie nahm weiter Kurse, bis sie sich nach ihrer KV-Lehre dazu entschloss, eine Tanzausbildung zu absolvieren. Heute führt sie in Effretikon eine Tanzschule.

Grosser Konkurrenzkampf in der Branche

Über Jahre hinweg ist sie selbst regelmässig aufgetreten. Bis ihr der Konkurrenzkampf in der Branche zu viel wurde. «Ich wollte mir nicht ständig Gedanken zu meinem Äussern machen, ob ich genug schlank bin zum Beispiel.» Der ständige Druck, an den Castings genügen zu müssen, habe sie dazu gebracht, sich innerhalb der Tanzwelt neu zu orientieren. So hat sie begonnen, ihre eigenen Bühnenshows auf die Beine zu stellen. Wenn sie heute an einem Casting anzutreffen ist, dann als Jurymitglied.

Zuletzt war dies für die Umsetzung des Illnauer Freilichtspiels «Fernweh» der Fall. Vor über einem Jahr hat Cécile Lehner die Arbeit für das Theaterstück, das in Kürze Premiere feiert, aufgenommen. Für die Tanzeinlagen der Schauspieler hat sie zusammen mit der Zürcher Tänzerin Houefa Phillip die Choreographie entwickelt und diese mit den Artisten eingeübt.

Ein Eindruck von den Proben in Illnau im Video:

Vor der Premiere laufen die Proben auf Hochtouren. Cécile Lehner geht mit den Darstellern die Schritte durch. (Video:kel)

Klassischer Tanz in der Choreographie

Inspirieren lassen hat sie sich hauptsächlich von der Musik zum Theaterstück, wobei sie Elemente aus unterschiedlichen Tanzstilen einbezogen hat, darunter auch vom Ballett. Diese Technik erfordere jedoch Bewegungen, die nicht allen Schauspielern gleich leicht falle. Etwa das konsequente Strecken der Gliedmassen. «Das Spezielle hier war, dass ich mit Laien zusammengearbeitet habe. Die wenigsten haben Erfahrung mit dem klassischen Tanz», so Lehner. Wichtig sei deshalb auch, spontan und flexibel zu bleiben. Lehner, die sich gerne akribisch vorbereitet, musste ihre gewohnte Herangehensweise überdenken. Nicht alles, was sie sich vorgestellt hat, liess sich auch in die Tat umsetzen.

Zur Person

Cécile Lehner (33) ist in New Jersey und Dornach aufgewachsen. Heute lebt sie mit ihrem Sohn und Mann in Brüttisellen. Seit fünf Jahren führt sie in Effretikon die Tanzschule Dance Gallery.


Etwa aufgrund der Kulisse. So habe die Bodenbeschaffenheit des Piratenschiffes, wo das Theaterstück spielt, die Darsteller vor Herausforderungen gestellt: «Eine Tanzeinlage funktioniert mit Bewegungen, die am Boden ausgeführt werden», sagt Lehner. Um die Tänzer vor Holzspiessen zu schützen, muss die Choreographie deshalb auf einem grossen Tuch gezeigt werden.

Musicals und Bollywood

Die Arbeit am Set des Freilichtspiels schätzt Lehner besonders aufgrund der Vielseitigkeit. «Hier habe ich mit den unterschiedlichsten Altersgruppen zu tun.» In ihrer bisherigen Arbeit trainierte die Choreographin mit zumeist jungen Tänzern. Zuletzt ein Musical für die Kantonsschule Rämibühl in Zürich. Mit professionellen Tänzern arbeitete sie hingegen beim Oberthurgauer Musical «Heicho». Und eine internationale Kooperation brachte sie ins englische Birmingham, wo sie an einer Bollywood-Bühnenshow mitwirkte.

Nach eineinhalb Jahren Vorbereitungszeit wird Cécile Lehner ihre Arbeit am Illnauer Freilichtspiel ad acta legen. «Mit der Premiere endet die Arbeit der Choreographin.» Neue Herausforderungen sind bereits in Sicht. Im November plant die Tanzlehrerin eine Grossaufführung mit ihrer Effretiker Schule. Unabhängig von der Produktion beeinflussen Lehner ihre amerikanischen Lebensjahre bis heute. Inspiration findet sie unter anderen in der Arbeit von Dona Foglia – die Choreographin der amerikanischen R&B- und Soulsängerin Beyoncé Knowles.

Das Illnauer Freilichtspiel findet alle vier Jahre statt. Mit der Piratengeschichte «Fernweh» bringt der Verein Freilichtspiele Illnau bereits die siebte Produktion auf die Bühne. Premiere feiert das Theaterstück am Mittwoch, 7. August, um 20 Uhr bei der Kiesgrube Punt. Die letzte Vorstellung findet am Samstag, 31. August, statt. Weitere Informationen unter: www.fernweh19.ch

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