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Neuer Statusbericht der Untersuchungsbehörde veröffentlicht

Absturz einer Ju-52

Neuer Statusbericht der Untersuchungsbehörde veröffentlicht

Anlässlich des Jahrestages des Absturzes einer Ju-52 am Piz Segnas informiert die Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) über den Fortgang der Untersuchung.

Laurin
Eicher
Freitag, 02. August 2019, 15:00 Uhr Absturz einer Ju-52
Weil keinerlei Aufzeichnungsgeräte an Bord der Unglücksmaschine waren, sind die Untersuchungen sehr zeitintensiv.
Archivbild

Am Sonntag jährt sich der Absturz einer Ju-52 beim Piz Segnas nahe Flims, bei dem 20 Menschen ihr Leben verloren. Die Ermittlungen der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) dauern noch an. Heute veröffentlichte die Sust einen Statusbericht, der den Fortgang der Untersuchung beschreibt. Die Sust betont einleitend, dass die Untersuchungen so lange dauern würden, weil die Unglücksmaschine weder über einen Flugschreiber, noch einen Stimmenrekorder verfügte.

Ebenfalls wegen des hohen Zerstörungsgrad gestaltete sich die technische Untersuchung aufwändig. Parallel dazu wurden die technischen Akten der HB-HOT der letzten 40 Jahren gesichtet und mit dem tatsächlichen Zustand des Flugzeuges verglichen.

Weil keinerlei Aufzeichnungsgeräte an Bord waren, kann die Zusammenarbeit der Piloten während des Unfallfluges nur basierend auf allgemeinen Merkmalen der beiden Personen analysiert werden, schreibt die Sust. Aus diesem Grund wird die Vorgeschichte der Besatzung rekonstruiert. Daneben wird wie üblich eine Abklärung der unmittelbaren Vorgeschichte, der Flugvorbereitung und des Gesundheitszustandes der Besatzung vorgenommen.

Auch analysiert wurden die Betriebsgrundsätze des Unternehmens, die Ausbildung der Besatzungen und die Führungsinstrumente des Flugbetriebs. Des Weiteren wurden Radardaten von 218 Flügen mit Ju-52-Flugzeugen der Ju-Air sichergestellt, die zwischen April 2018 und August 2018 stattgefunden hatten.

Über 40 Datenspeicher ausgewertet

Gesamthaft wurden über 40 Mobiltelefone, Digitalkameras, Speicherkarten und andere Komponenten mit allfälligen Datenspeichern an der Unfallstelle sichergestellt. Bei einigen der beschädigten Komponenten gelang es durch aufwändige Verfahren, Bild- Tonaufnahmen des Unfallfluges und des Fluges am Vortag zu gewinnen, schreibt die Sust weiter.

Auch wurde der Talkessel mit einem dreidimensionalen Laserscan-Verfahren aufgenommen und mit dem Geländemodell des Bundesamtes für Landestopografie kombiniert.

Der Schlussbericht sollte im ersten Quartal des kommenden Jahres vorliegen, schreibt die Sust abschliessend.

Der Fall Ju-Air – Chronologie der wichtigsten Ereignisse

- 4. August 2018: Beim Absturz einer Ju-52 am Piz Segnas (Graubünden) sterben 20 Personen, darunter zwei Piloten, eine Flugbegleiterin und 17 Passagiere

- 17. August 2018: Rund zwei Wochen nach dem Absturz nimmt die Ju-Air den Flugbetrieb wieder auf. Dafür gibt es Zuspruch, aber auch Kritik. Der Vorwurf: Eine Rückkehr zum Tagesgeschäft so kurz nach dem Unglück sei pietätlos.

-20. November 2018: Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) verfügt auf unbestimmte Zeit ein Flugverbot für die zwei in Dübendorf stationierten Flugzeuge des Typs Ju-52. Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hatte zuvor im Rahmen einer Untersuchung des Unfallwracks zwar technische Gründe als Absturzursache ausgeschlossen, jedoch auch Sicherheitsmängel festgestellt.

-12. März 2019: Das Bazl untersagt der Ju-Air kommerzielle Passagierflüge. Rundflüge mit Ju-Air-Vereinsmitgliedern sollen aber weiterhin möglich sein. Kurz zuvor hatte die Ju-Air auf ihrer Website mitgeteilt, in diesem Frühling wieder Rundflüge durchführen zu wollen.

- 4. April 2019: Die Ju-Air teilt mit, dass sie sämtliche ihrer Flugzeuge eine Totalrevision unterziehen will. Diese soll mindestens 20 Monate dauern, was bedeutet, dass die Ju-Air frühestens im  Frühling 2021 wieder fliegen kann.

- 5. Mai 2019: Der Ju-Air wird die Zulassung für den Unterhalt der Ju-52-Maschinen entzogen. Dies nachdem bei drei tiefergehenden Kontrollen mehrere Verstösse registriert wurden, die eine ernsthafte Gefährdung der Flugsicherheit darstellten.

- 8.7.2019: Die Ju-Air teilt mit, dass CEO Kurt Waldmeier die operative Leitung der Ju-Air abgeben wird.  Zudem wird die Organisation komplett erneuert. Der eigene Wartungsbetrieb, der bisher für den Unterhalt, Reparaturen und Überholungen zuständig war, wird aufgelöst. Die technische Betreuung wird der Junkers Flugzeugwerke übergeben.

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