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Maurmer Fundbüro als «Abbild der Wohlstandsgesellschaft»

Nicht abgeholte Sachen

Maurmer Fundbüro als «Abbild der Wohlstandsgesellschaft»

Die Gemeinde Maur publizierte kürzlich Fundgegenstände, die nicht abgeholt wurden. Darunter sind wertvolle Gegenstände, die ein Abbild der Gemeinde mit den besten Steuerzahlern im Oberland ergibt.

David
Marti
Donnerstag, 06. Juni 2019, 07:00 Uhr Nicht abgeholte Sachen

In der Gemeinde Maur wohnen die Krösusse des Zürcher Oberlands, zumindest wenn man die Steuerkraft pro Kopf betrachtet. In keiner Oberländer Gemeinde ist diese höher. Dieser Reichtum macht die Maurmer offenbar auch nachlässig – oder gleichgültig. So veröffentlichte die Einwohnerkontrolle in der «Maurmer Post» eine Liste von liegengebliebenen Fundgegenständen (siehe Box). Das macht die Behörde jährlich so.

«Das sind heute eben Sachen, die die Leute so liegen lassen.»

Markus Gossweiler, Gemeindeschreiber Maur

Die aktuelle Liste beinhaltet Gegenstände, die bis Ende April nicht abgeholt wurden. Darunter ist ein Portemonnaie mit Bargeld und Bankkarte, zwei Smartphones, Uhren, ein Hörgerät oder eine Drohne. Allein das Hörgerät der Marke Oticon Agil kostete vor einiger Zeit noch über 2000 Franken. Gemeindeschreiber Markus Gossweiler sagt zu den Funden: «Das sind heute eben Sachen, die die Leute so liegen lassen – ein Abbild der Wohlstandsgesellschaft.»

Heikle Smartphones

Die rechtmässigen Besitzer könnten die Gegenstände bis zum 31. Juli im Fundbüro bei der Einwohnerkontrolle abholen, teilt die Gemeinde mit. Nach diesem Datum würden die Fundgegenstände dem Finder ausgehändigt. Ausgenommen davon sind Schlüssel und Smartphones. «Schlüssel werden wenn möglich direkt an den Schlüsselhersteller weitergeleitet. Diese werden dann an den rechtmässigen Eigentümer zurückgegeben», sagt Gossweiler. Bei den Smartphones ist das heikler. «Darauf dürfen die Gemeindemitarbeiter nicht zugreifen. Das ist der Polizei im Rahmen eines Strafverfahrens vorbehalten.»

Auch wenn Gegenstände an die Finder übergehen, können die ursprünglichen Eigentümer bis fünf Jahre nach dem Verlust ihrer verlorenen Sachen, auf deren Rückgabe pochen. Diese ist im Recht so verankert. 

Gold-Ohrstecker

In der Publikation der Gegenstände in der «Maurmer Post» werden die Gegenstände teilweise sehr detailliert beschrieben. So ist etwa ein «Gold-Ohrstecker mit Quarz und Weissgold mit Brillanten» aufgelistet. Dass eine Person sich den Schmuck dank der genauen Beschreibung im Fundbüro unter den Nagel reissen könnte, hält Markus Gossweiler für unwahrscheinlich: «Beschrieben wird nur das Material. Will jemand seinen Anspruch auf den Ohrstecker geltend machen, muss er auch Besonderheiten wie beispielsweise die Form des Schmucks kennen.» Zudem werde auch dokumentiert, wo der Gegenstand gefunden wurde. «Will jemand einen Gegenstand zurück, muss er den Fundort angeben können», so Gossweiler.

Aussergewöhnlich sind die wertvollen Funde in der Gemeinde nicht. Wie Gemeindeschreiber Gossweiler sagt: «Es werden immer wieder Schmuck und Handys beim Fundbüro abgegeben.»

Liste der gefundenen Gegenstände in Maur 

• Weisse iPhone-Kopfhörer
• Autoschlüssel Mitsubishi
• Schwarze Velohose, Marke Assos
• Blaue Armbanduhr, Marke Suunto
• Graue Wintermütze mit Aufschrift «Love»
• Portemonnaie mit Bargeld und Bankkarte Viva Kids
• Rot-orange Fleecejacke, Marke Northland
• Silberner Frauenring mit Gravur «Timo 17.05.15»
• Schwarz/grün/graue Brille
• Weisse Kopfhörer
• Schwarzes Samsung Galaxy S5 mit dunkelgrüner Handyhülle (Hartschale)
• Hörgerät, Marke Oticon Agil
• Schwarzer Fitbit, Marke newgen medicals
• Schwarzes Samsung Galaxy A5, zersplitterte Rückseite
• Schwarz-silberne Armbanduhr, Marke Boccia
• Schwarze Drohne, Z5 Quadcopter
• Gold-Ohrstecker mit Quarz und Weissgold mit Brillanten

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