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Trump hat Leandra Columberg politisiert

Dübendorferin im «Lunch Talk»

Trump hat Leandra Columberg politisiert

Leandra Columberg aus Dübendorf ist mit 19 Jahren die jüngste Kantonsrätin. Im Lunch Talk zumindest zeigte sie sich genau so diplomatisch wie ihre älteren Kollegen.

Lukas
Elser
Montag, 03. Juni 2019, 18:23 Uhr Dübendorferin im «Lunch Talk»

Fragen wie «Sollte man Politik sexy machen?» oder der Hinweis auf den Frauenstreik-Button auf dem Kleid des Gasts hätten sie aus der Reserve locken sollen. Doch Leandra Columberg (SP) liess sich im heutigen Lunch Talk von Tele Top und züriost nicht mit solchen Lockrufen aus ihrem Gewand der sachlichen Politikerin bringen.

Nur etwas nervös

Obwohl sie mit 19 Jahren noch als Teenager bezeichnet werden kann, verhielt sich die am 24. März zur jüngsten Kantonsrätin von Zürich gewählte Dübendorferin bereits wie ihre Ratskollegen, die bereits ein paar Jahre im Amt hinter sich haben: Zwar trat sie noch ein bisschen von einem Bein aufs andere während sie sprach. Sie wählte ihre Worte aber mit Bedacht und betonte immer wieder, wie wichtig ihr bei ihrer Politik der Einbezug eines möglichst breiten Teils der Bevölkerung sei.

Selbst als Tele-Top-Moderatorin Elena Wagen Columberg auf einen ihrer Tweets ansprach, blieb sie verhältnismässig diplomatisch. In einer Twitter-Meldung forderte Columberg ihre Ratskollegin Claudia Wyssen wegen ihres Überlaufens von der SP zur GLP kurz nach ihrer Wiederwahl in den Kantonsrat zum Rücktritt auf. Im Lunch Talk wiederholte sie diese Forderung nicht mehr explizit. Sie sagte nur: «Viele Leute, die für die Werte der SP einstehen, haben für Wyssen Wahlkampf betrieben. Wenn sie dann aber zwei Monaten nach ihrer Wahl die Partei wechselt, finde ich das demokratisch schwierig.»

Wird sie belächelt?

Auch bei der Frage, ob sie als junge Frau im Kantonsrat etwas belächelt wird, blieb Columberg zurückhaltend: Teilweise komme es vor, dass manche Kollegen etwas auf sie hinunterschauen würden. «Grundsätzlich findet aber eine konstruktive Debatte statt.»

Der Lunchtalk mit Leandra Columberg (Teil 1)

Der Grossteil der Sendung war ein klassischer Talk. In einer Bar des Einkaufszentrums Uschter 77 wurde ein Gast vor zum grossen Teil ergrautem Publikum zu verschiedensten Themen befragt. Angesprochen wurde beispielsweise Columbergs Motivation, als so junge Frau in die Politik einzusteigen. Columberg erzählte ihre Geschichte so: Mit 15 oder 16 Jahren machte sie einen Aufenthalt im Süden der USA. Der Staat Georgia stand damals mitten im Trump-Wahlkampf. Währenddessen kämpfte die SVP in der Heimat für die Durchsetzungsinitiative. Columberg ging es an beiden Enden der Welt zu populistisch zu und her – und sie dachte sich: «Jetzt will ich auch mitreden.»

Moderatorin Wagen fragte, ob ihre Eltern ihr die Bewältigung ihrer neuen Aufgabe auch zutrauen. Columberg weiss, dass ihr Wahlsieg «nicht sicher gewesen ist». Auf ihre Ängste angesprochen, sagt sie nur, dass ihre grösste Sorge gewesen sei, bei der offiziellen Amtsübergabe nicht aufs Podest hinaufzustolpern. Columberg scheint mit einer gesunden Portion Selbstvertrauen an die neue Herausforderung heranzugehen: «Man muss Diskurse mit Verbündeten suchen, lernen und zuhören», sagte sie.

Der Lunchtalk mit Leandra Columberg (Teil 2)

Wagen gab ihrem Gast auch Gelegenheit, über ihre politischen Ziele zu sprechen. So erfuhr man, dass Columberg sich für ein Stimmrecht für Ausländer und Jugendliche ab 16 einsetzen will. Dass ihr gleiche Löhne für Männer und Frauen sowie ein starker Sozialstaat wichtig sind. Oder dass sie die Jugend für Politik begeistern will, etwa indem sie vermehrt auch die sozialen Medien in die politische Werbung miteinbezieht oder an Podien in Berufs- und Kantonsschulen auf ihr Programm aufmerksam macht.

Columberg hält den Klimanotstand, den der Kantonsrat ausrufen will, für mehr als blosse Symbolpolitik: «Er zeigt, dass man die Verantwortung annimmt und die Notlage wahrnimmt.» Viel konkreter wurde sie nicht. Aber Columberg erwartet, dass in den nächsten Wochen diesbezüglich «noch etwas kommt.»

Keine kritischen Fragen

Fragen im Anschluss an die Sendung gab es keine. Moderatorin Wagen deutete das so: «Offensichtlich ist Frau Columberg so gut beim Publikum angekommen, dass es gar keine kritischen Fragen gibt.» Das Publikum verabschiedete Columberg mit dem kräftigen Applaus, den es vor der Sendung geprobt hat.

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