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Bedrohte Schwertlilien blühen im Moorgebiet

Zwischen Bubikon und Wetzikon

Bedrohte Schwertlilien blühen im Moorgebiet

In der Drumlinlandschaft südöstlich von Wetzikon blühen derzeit die Schwertlilien. Diese auffälligen violettblauen Blumen zählen zu den bedrohten Arten. In der Moorlandschaft konnte sich eine ansehnliche Population halten – dies dank Schutz und Pflege.

Redaktion
Züriost
Sonntag, 02. Juni 2019, 19:39 Uhr Zwischen Bubikon und Wetzikon

Wer mit dem Zug von Wetzikon nach Bubikon fährt, kann linkerhand blaue Blütenbestände erkennen. Es sind dieses Jahr jedoch weit weniger als üblich. Die Schwertlilien hätten vielleicht wegen des letzten, aussergewöhnlich trockenen Sommers gelitten und weniger Reservestoffe gebildet, vermutet der Biologe Hansruedi Wildermuth aus Rüti. Er kennt die Drumlinlandschaft wie seine Westentasche (siehe Box). Wildermuth hat das Moorgebiet 45 Jahre lang für Pro Natura ehrenamtlich betreut und ist immer noch auf der Pirsch nach seltenen Tier- und Pflanzenarten.

Die Sibirische Schwertlilie Iris sibirica fasziniert auch ihn. «Sehen Sie, auf den unteren Hängeblättern sind eine blaue Äderung und gelbe Saftmale zu erkennen. Diese leiten die Hummeln zum Nektar», erklärt Wildermuth. Beim Hineinkriechen würden die Hummeln mitgebrachten Pollen an der Narbe abstreifen und Pollen dieser Pflanze mitnehmen, ohne dass die Gefahr einer Selbstbestäubung besteht. Ihren Namen hat die Schwertlilie übrigens von den schwertförmigen Blättern.

Anspruchsvolle Seltenheit

Die bis zu einem Meter hohen Blumen stehen oft dicht an dicht und bilden unterirdisch Rhizome; Knollen, die zur vegetativen Vermehrung und Überwinterung dienen, denn die Iris sibirica ist geschaffen fürs kontinentale Klima – heisse Sommer und kalte Winter. Sie kommt ausser in Europa auch in Westsibirien vor. «Bei uns ist die Schwertlilie eine Seltenheit geworden, auch wenn es hier scheint, dass es noch viele hat», so der 78-jährige Biologe. Sie steht auf der roten Liste der bedrohten Arten der Schweiz.

Nächste beachtliche Populationen gibt es am Zusammenfluss von Lorze und Reuss oder in der Scharenwies im Kanton Schaffhausen. «Am Pfäffiker- und Greifensee gibt es nur verstreute Exemplare», sagt Wildermuth. Diese Schwertlilie habe eben bestimmte Ansprüche. «Sie braucht feuchten, schwach basischen, mageren Boden und viel Licht.» Düngung und Frühschnitt vor dem September würden sie auslöschen.

Vergängliche Schönheit

Die zweite bei uns heimische Art neben der Iris sibirica, von weltweit gegen 300 bekannten Schwertlilien, ist gelb und kommt in der Drumlinlandschaft ebenso vor. Die Sumpf-Schwertlilie oder Iris pseudacorus leuchtet einem schon von weitem entgegen. Sie ist in der Schweiz weiter verbreitet, hier aber gegenüber ihrem blauen Pendant in der Minderzahl. Sie gedeiht an Gräben und Weihern auf etwas nährstoffreicherem Grund.

Bald, in etwa drei Wochen, wird das Blüten-Feuerwerk vorbei sein. Von dieser vergänglichen Schönheit sagt schon das Matthäusevangelium: «Betrachtet die Lilien des Feldes…ich aber sage euch, dass auch Salomo in all seiner Pracht nicht gekleidet war wie eine von diesen.» Es könnten tatsächlich Schwertlilien gemeint sein. Allein in Israel kommen etwa 15 Arten vor, und in Halbwüsten schiessen sie nach Regen örtlich regelrecht aus dem Boden. Das ergibt ein wunderschönes Bild. (Urs Attinger)

Drumlinlandschaft

Die «Drumlinlandschaft Zürcher Oberland» hat ihren Namen von den langgezogenen Hügeln aus den Eiszeiten (Drumlins) erhalten. Sie erstreckt sich über neun Quadratkilometer auf dem Gebiet der Gemeinden Wetzikon, Hinwil, Dürnten, Bubikon und Gossau. Die flachen Hügel sind meist bewaldet, während in den Tälchen offene Moore liegen. Die Drumlinlandschaft ist von nationaler Bedeutung und ein regionaler Hotspot der Biodiversität. Von rund 3000 in der «Flora Helvetica» beschriebenen Pflanzenarten der Schweiz finden sich hier rund 500. Die Sibirische Schwertlilie hat einen seltenen Rückzugsort gefunden. Sie gedeiht unter anderem so gut, weil die Streue im Herbst jährlich gemäht wird. Aufkommende Büsche würden sie rasch verdrängen.

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