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«Meine Freunde sagten, du spinnst doch»

In 30 Tagen zum Nordkap

«Meine Freunde sagten, du spinnst doch»

Der Ex-Bahnrennfahrer Michael Alborn radelt von Uster bis ans Nordkap – in 30 Tagen und mit nur einem Gang. Mit seiner Spendentour will der Adetswiler Menschen mit Behinderung ermöglichen, Sport im Ausland zu treiben. Seit Donnerstag ist er unterwegs.

Jasmina
Henggeler
Freitag, 31. Mai 2019, 19:00 Uhr In 30 Tagen zum Nordkap

Nicht nur für herausfordernd, sondern auch für total wahnsinnig befinden die Freunde von Michael Alborn das Vorhaben. «In 30 Tagen zum Nordkap? Du spinnst doch», hätten die Reaktionen aus dem Umfeld gelautet. Seine Familie habe ihm zumindest zu einem «normalen» Fahrrad oder einem E-Bike geraten. Der 32-Jährige jedoch «will etwas Verrücktes tun», und entschied sich, die 3500 Kilometer von Uster bis ans Nordkap auf einem Velo mit einem fixen Gang – einem Fixie – zu absolvieren.

Mehr als 100 Kilometer täglich

Gerade in zweierlei Hinsicht erschwere ihm das Fixie die Fahrt. Einerseits sei es sehr anstrengend, mit dem rund 60 Kilogramm schweren Anhänger bergauf zu fahren. Andererseits muss Alborn beim Hinunterfahren stetig mittreten, weil das Fahrrad keinen Freilauf hat. «Für die Beine ist das eine enorme Herausforderung.»

«Wenn es am Morgen beim Aufstehen wie aus allen Kübeln schüttet, wird es mich viel Überwindung kosten loszufahren.»
Michael Alborn, ehemaliger Bahnrennfahrer

Die Tour absolviert Alborn in Tagesetappen von 100 bis 150 Kilometern. Dabei sammelt er Spenden für den Verein Insieme Zürcher Oberland, der sich für Menschen mit Behinderung einsetzt (siehe Box).

Der erste Kontakt zwischen dem Ex-Bahnrennfahrer und Insieme Zürcher Oberland liegt vier Jahre zurück. Auf den Verein aufmerksam geworden sei er, als er mit seinem Bruder eine Sportveranstaltung für Menschen mit Behinderung besuchte. «Es hat mich beeindruckt, wie diese Leute trotz Einschränkung alles geben und sich über jeden Wettkampf freuen», so Alborn.

Diese Freude will Alborn mit seinem Projekt weiter ankurbeln. Das Geld soll eine Velowoche für Menschen mit Behinderung in Kopenhagen ermöglichen, sagt der gelernte Schreiner. Aktuell arbeitet er im Aussendienst im Verkauf.

Michael Alborn bei seinen Vorbereitungen zur Reise: Gaskocher und Regenjacke werden im Rucksack verstaut. (Foto: Bikefreaks.ch)

Vor dem Vater ans Nordkap

Dass die Reise den Adetswiler ans Nordkap führt, ist kein Zufall. «Meine Grosseltern bereisten während 40 Jahren Skandinavien.» Ihre Erzählungen von den Expeditionen zum Nordkap hätten seine Neugier geweckt. Zusätzlich habe Alborn angespornt, dass auch sein Vater plant, zum Nordkap zu radeln. «Ich will vor ihm dort sein.»

Doch beinahe hätte sich die Abfahrt verzögert: «Ich hatte ein Problem mit dem Velo. Der Rahmen ist gebrochen.» Aber pünktlich um 9 Uhr startete der Adetswiler mit dem Ersatzvelo in Uster. Im Gepäck eine Regenjacke, warme Kleidung, ein Zelt und einen Gaskocher. Das regnerische und kühle Klima des Nordens stellt Alborn vor eine mentale Herausforderung: «Wenn es am Morgen beim Aufstehen wie aus allen Kübeln schüttet, wird es mich viel Überwindung kosten loszufahren.»

«Früchte für den Blutzucker, Nüsse für die Muskeln, Bouillon gegen die Kälte – und Brot mit Nutella.»
Michael Alborn zu seiner Ernährung auf der Tour

Körperlich auf den Trip vorbereitet habe sich Alborn nicht. Er vertraut auf seinen Fundus an Erfahrungen, den er aus seiner Zeit als Profisportler mitbringt. Um genügend Energie für die Reise zu haben, setzt er auf «Früchte für den Blutzucker, Nüsse für die Muskeln, Bouillon gegen die Kälte – und Brot mit Nutella».

Es ist nicht die erste Reise für Alborn. Vor einem Jahr durchquerte er Australien von Perth bis nach Melbourne und legte auf dem Velo rund 5000 Kilometer zurück. Wohin ihn sein nächster Trip führen wird, weiss der 32-Jährige noch nicht. «Vielleicht kommt mir während meiner Tour eine neue Destination in den Sinn, die ich erkunden möchte. Jetzt freue ich mich aber zuerst auf die Landschaften Skandinaviens.»

Radeln für einen guten Zweck

Michael Alborn sammelt auf seiner Tour von Uster bis ans Nordkap Spenden für Menschen mit Behinderung. Dadurch will er ihnen eine Velowoche in Kopenhagen ermöglichen. Wer Alborn bei seinem Vorhaben unterstützen will, kann sich eine Etappe aussuchen und einen bestimmten Betrag pro geradelten Kilometer spenden. Das gesamte Geld werde direkt auf das Konto von Insieme Zürcher Oberland überwiesen, sagt der Sportler. «Ich habe keinen Profit.» Weitere Informationen zur Spendentour hier.

Seit Donnerstag ist Michael Alborn unterwegs. Mitverfolgen kann man seine Tour zum Nordkap während den folgenden 30 Tagen auf Facebook oder unter www.michaelalborn.ch.

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