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Raupenzucht im Restaurant

Pilotprojekt in Egg

Raupenzucht im Restaurant

Das Restaurant Grütli in Hinteregg züchtet neu Schmetterlinge. Die Idee für das ungewöhnliche Projekt sei am Stammtisch entstanden.

Jasmina
Henggeler
Freitag, 24. Mai 2019, 11:52 Uhr Pilotprojekt in Egg

Das Restaurant Grütli hat seit Sonntag neue Gäste – die Grütli Wanderfalter. «Wir wollen damit der aussterbenden Flora und Fauna entgegenwirken», sagt Jörg Moll. Er ist Assistent und Gastgeber im «Grütli». Die Idee, Falter auf der Terrasse zu züchten, entstamme einem Gespräch über Naturschutz am Stammtisch.

«In Egg unproblematisch»

Der ausgesuchte Schmetterling gehört zur Art der Distelfalter (Vanessa cardui) und damit zur Familie der Edelfalter. «Der Grütli Wanderfalter ist eine regionale Unterart dieser Edelfalter», sagt Moll. Zusammen mit dem «Grütli»-Team installierte er bis zur Taufe der Insekten ein Aerarium, einen transparenten und luftdurchlässigen Behälter, auf der Terrasse des Restaurants. Dabei erhielten sie professionelle Unterstützung vom Schmetterlingszüchter «Papa Papillon» Marc de Roche. «Er konnte uns bestätigen, dass es in Hinteregg unproblematisch für die Tiere ist.»

An dieser Stelle war früher eine Wiese mit einem Spielgerät. (Foto: PD)

Bei der Aufzucht von Schmetterlingsraupen sei es wichtig, dass das Aerarium geschlossen und fixiert ist. «Wir setzten das Heim für die Wanderfalter in das Loch eines Baumes», so Moll. «So sind sie optimal vor Fressfeinden geschützt.»

Nicht nur die Falter und das Aerarium sind neu im «Grütli». «Unsere Terrasse ist ein Neubau», sagt Gilles Moser, Geschäftsführer des Restaurants. «Früher war hier eine Wiese mit einem alten und defekten Spielgerät.» Diese sei nun dem «mediterran gestalteten» Anbau gewichen.

Gemeinde erfreut über Projekt

Aktuell bewohnen das Aerarium Raupen, die sich vorwiegend von Brennnesseln ernähren. In spätestens zwei Monaten werden sie sich verpuppt haben. Nach der Metamorphose im September lässt das «Grütli»-Team die Distelfalter frei.

Einem solchen Schmetterling wurde bereits am vergangenen Sonntag die Freiheit geschenkt. Tobias Bolliger, Gemeindepräsident von Egg, übernimmt die Patenschaft der Falter und ist gegenüber dem Pilotprojekt positiv eingestellt. «Die Patenschaft freut mich. Auch ich habe früher Raupen beobachtet und gehofft, dass sie nicht gefressen werden», sagt Bolliger. Dies werde nun ebenfalls für die Gäste im «Grütli» möglich. «Es ist schön, dass das Restaurant etwas unternimmt, um die Leute aufs Thema Naturschutz aufmerksam zu machen.»

Diese Raupe verwandelt sich bis im September in einen Distelfalter. (Foto: Harald Süpfle CC BY-SA 3.0)

Das Restaurant plant, auch in den Folgejahren den einheimischen Falter zu züchten: «Wir möchten, dass diese Schmetterlinge in der Region aufwachsen», sagt Moll. Wenn sie flügge sind, fliegen sie nämlich bis nach Marokko, Algerien oder Tunesien. «Die Grütli Wanderfalter tragen ein Stück Hinteregg in die ganze Welt hinaus.»

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