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So kunstvoll kann ein Gesicht sein

Ausstellung in Uster

So kunstvoll kann ein Gesicht sein

In einer Ausstellung in Uster zeigen zehn Künstler, wie sie sich mit dem Menschen auseinandersetzen.

Eduard
Gautschi
Samstag, 11. Mai 2019, 09:46 Uhr Ausstellung in Uster

«Es ist ein schöner Raum für eine Ausstellung», sagt Giampaolo Russo anlässlich der Vernissage vom Freitagabend. Russo ist Künstler und Initiator der Ausstellung in den Räumen des Gebäude K2 auf dem Zeughausareal in Uster.

Er ist auch Initiator oder Gründungsmitglied der Gruppe Salon der Gegenwart, die vor fünf Jahren gebildet wurde; eine lose Gruppierung von Künstlern, die sich der figurativen Malerei widmen. Die acht Künstler stammen ausnahmslos aus der Stadt und der Region Zürich. Zu den Ausstellungen werden immer auch Künstler aus der Region des Ausstellungsortes eingeladen. Zur laufenden Ausstellung zum Beispiel die Ustermerin Martina von Schulthess, die mit vier mannshohen Porträts ihrer Familienmitglieder vertreten ist.

Zweite Ausstellung im K2

Auf den Raum im Gebäude K2 aufmerksam geworden ist Russo dank der ersten Kunstausstellung, die dort stattfand. Sie lief unter dem Titel «MK2 – zwölf Positionen zeitgenössischer Malerei» und wurde vor einem knappen Jahr eröffnet. Organisiert wurde sie von den Ustermer Künstlern Martin Reukauf und Jan Czerwinski.

«Das grösste Bild in der heutigen Ausstellung stammt von mir», witzelte Czerwinski am Freitag und spielte damit auf die Wände an, die er vor einem Jahr weiss gestrichen hatte. Was heute an diesen Wänden hängt, kann sich sehen lassen und ist – wie bei der Ausstellung vor einem Jahr - geprägt von hoher künstlerischer Qualität.

Drei Kuratoren

Kuratiert wird die Ausstellung von Rosina Kuhn, Dieter Hall und Ercan Richter. Alle drei stellen selber Werke aus. Wie Richter erklärt, war anfänglich geplant, mit den Exponaten einen Werdegang der insgesamt zehn Ausstellenden aufzuzeigen. «Bedingt durch die Platzverhältnisse war das aber fast unmöglich», sagt Richter.

Reduzieren war angesagt. Weniger ist mehr, sagte sich Richter und so blieb schliesslich nur noch das übrig, was «die Künstler gerne zeigen». «Unsere Ansprüche blieben trotzdem hoch und wir waren bei der Auswahl wählerisch.» Das hat sich gelohnt.

Unter einem Hut

Kuratorin Rosina Kuhn ist geradezu begeistert von der Arbeit als Kuratorin. «Bei den bisherigen vier Ausstellungen wurde immer ein Kurator von Aussen beigezogen», sagt sie. «Doch diesmal war alles anders. Drei aus der Gruppe übernahmen die Aufgabe.» Dadurch mussten drei unterschiedliche Haltungen unter einen Hut gebracht werden, was auch zu Auseinandersetzungen geführt habe.

«Wir waren aber schlau genug, das Ganze nicht aus den Augen zu verlieren und so konnte ein gemeinsamer Nenner gefunden und umgesetzt werden.» Durch die Zusammenarbeit sei man zusammengewachsen. «Wir verstehen uns nun noch besser», sagt Kuhn.

Zahlreiche Porträts

Ausgestellt sind ausschliesslich Bilder, die der gegenständlichen Malerei zugeordnet werden können. Dass dabei Porträts einen wichtigen Platz einnehmen, versteht sich von selbst und ist in der Ausstellung auch unübersehbar. Schon beim Betreten der Halle fallen einem 40 relativ kleinformatige Bilder auf. Mit Öl auf Holz hat Corinne Güdemann aus Zürich, 79 Jahre alt, hat vierzigmal das gleiche Gesicht festgehalten - es sind Selbstportraits.
 

40 Selbstportraits: Die Künstlerin Corinne Güdemann zeigt sie. (Carole Fleischmann)

Begonnen hat sie damit 1997. In 22 Jahren hat sie sich immer wieder porträtiert. Sie sieht immer etwas ernst aus. Das komme daher, dass sie sich im Spiegel betrachtet habe, während sie sich malte. «Da war nicht viel Platz zum Lachen, da waren eher Ernst und Konzentration gefragt», erklärt sie.

Berglandschaften

Zu den eher ernsthaften Menschen in der Gruppe zählt auch Ercan Richter. Das hängt nicht mit seiner Malerei zusammen - er hat Bilder von Berglandschaften mit Schnee und von Birkenstämmen ausgestellt - sondern mit seiner Herkunft. Der 1961 in Ankara Geborene ist 1986 aus der Türkei in die Schweiz geflohen, bezeichnet sich als Aktivist und ist wohl der einzige wirkliche Autodidakt in dieser Ausstellung.

Dick aufgetragen

Als eher aussergewöhnlich darf man die Porträts bezeichnen, die Giampaolo Russo zeigt. Am faszinierendsten sind zwei Porträts, die er mit Ölfarben auf Leinwand gemalt hat. «Es hat endlos gedauert. Über 40 Sitzungen waren nötig», erzählt er.

Das Gesicht zeigt sich erst mit der Distanz. (Foto: Carole Fleischmann)

Niedergeschlagen hat sich dies auch im dicken Farbaufstrichs. Die Ölfarbe ist an einigen Stellen mehrere Zentimeter dick. Aus der Nähe ist das porträtierte Gesicht praktisch nicht erkennbar, geht man einige Schritte zurück, taucht der Porträtierte langsam auf und sein Kopf kommt schon fast plastisch daher «Allein die Farbe dürfte gegen 2000 Franken wert sein.»

Besuchen kann man die Ausstellung bis zur Finissage am 26. Mai.

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Tja, ein bedenklich schlechter Artikel, der eigentlich das hoffentlich kommende Zeitalter des Zeughauses als Kulturort und die lokale Künstlerschaft als Trägerinnen und Träger einläuten könnte. Befragt werden jedoch Zürcher Künstler und Herr Jan Czerwinski, der gar nicht ausstellt. Die Ustermer Künstlerin Martina von Schulthess bleibt stumm... Und: Die Künstlerin Corinne Güdemann ist im Artikel 79 Jahre alt und demzufolge in den letzten Stunden (Foto) und Jahren (Portraits) stark gealtert... plus sprachlicher Fehler "Mit Öl auf Holz hat Corinne Güdemann aus Zürich, 79 Jahre alt, hat vierzigmal das gleiche Gesicht festgehalten - es sind Selbstportraits."