×

Alles Wissenswerte zur «Unteren Farb»

Uster

Alles Wissenswerte zur «Unteren Farb»

Am 19. Mai stimmen die Ustermer zum zweiten Mal über den Gestaltungsplan «Untere Farb» ab. Wie es so weit kommen konnte und worum es bei der Abstimmung geht, zeigt ein Überblick.

David
Marti
Samstag, 11. Mai 2019, 11:35 Uhr Uster
  • Was ist die Untere Farb?

Die über 300­jährige ehemalige Blaufärberei «Untere Farb» ist im Eigentum der Stadt Uster und steht unter Denkmalschutz. Gemäss der Stadt ist das Gebäude ein wichtiges Überbleibsel der Industrielandschaft entlang des Aabachs. Heute wird die Liegenschaft kaum genutzt; der Wohnteil ist in einem schlechten baulichen Zustand, die Scheune dient als Lager.

 

  • Was hat der Stadtrat mit der «Unteren Farb» vor?

Der Stadtrat will in der «Untere Farb» das Stadtarchiv, die Paul Kläui-Bibliothek, die städtische Kunstsammlung und eine Schenke  einrichten. Zudem soll die «Farbwiese» als erweiterter Stadtpark der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Dies im Nutzungskonzept festgehalten. Dazu braucht es aber ein Ja an der Urne zum Gestaltungsplan «Untere Farb». Die Ustermer entscheiden am 19. Mai darüber.

An den Plänen der Stadt dürfte sich nach einem Ja an der Urne nicht mehr viel ändern. (Graphik: PD)
  • Wurde über die «Untere Farb» nicht schon mal abgestimmt?

Eine erste Volksabstimmung wurde im Mai 2017 durchgeführt. Der Gestaltungsplan kam zur Abstimmung, weil das Referendum gegen den Gemeinderatsbeschluss ergriffen wurde. Beim Urnengang genehmigte das Stimmvolk den Gestaltungsplan mit 59 Prozent Ja-Stimmen. Doch Heinrich Grob (SVP), Ustermer Finanzvorstand von 1974 bis 86, reichte eine Beschwerde dagegen ein: Der Stadtrat habe die Stimmberechtigten in der Abstimmungsweisung «falsch und unvollständig» informiert. Die erste Abstimmung sei zu sistieren. Der Bezirksrat hiess die Beschwerde gut. Darum wird die Abstimmung nun wiederholt.

 

  • Welche Informationen waren falsch?

In der Abstimmungsweisung zum Gestaltungsplan von 2017 sei fälschlicherweise festgehalten worden, dass Grundstücke der «Unteren Farb» in einer so genannten Reservezone liege. Dabei befinde sich das Land in einer Bauzone mit Gestaltungsplanpflicht, hiess es in der Beschwerde, die im Kern vom Bezirksrat gutgeheissen wurde. Der Unterschied hat finanzielle Auswirkungen. Zudem hat auch die Umbuchung der Liegenschaft vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen folgen. Beide Punkte mussten laut Bezirksrat in der neuen Abstimmungsweisung dem Volk klar gemacht werden.

 

  • Was hat sich nun im Vergleich zur ersten Abstimmung geändert?

Der Stadtrat musste seine Information in der neuen Abstimmungsweisung anpassen. Der Unterschied  ist vor allem in buchhalterischer Sicht auszumachen. So stieg der Wert der «Unteren Farb» aufgrund der Zonenänderung auf dem Papier um rund 3,4 Millionen Franken und beträgt neu 4,4 Millionen. Mit der Festsetzung des Gestaltungsplans wird die «Untere Farb» ins Verwaltungsvermögen transferiert. Die Konsequenz daraus: Die Grundstücke der «Unteren Farb» können nicht einfach mehr verkauft oder verpfändet werden.  

 

  • Wie viel kostet das Projekt?

Die zuständige Abteilung Finanzen geht zurzeit von Gesamtkosten von rund 8 Millionen Franken aus. Darin enthalten seien unumgängliche Sanierungsmassnahmen.

 

  • Was passiert bei einem Ja zur «Unteren Farb»?

Dann muss der Stadtrat die Detailplanung an die Hand nehmen und für den Umbau der Liegenschaft sowie die Neugestaltung der Parkanlage entsprechende Bauprojekte samt Kreditvorlage ausarbeiten. Zudem soll die «Farbwiese» der Freihaltezone zugewiesen werden. Somit kann diese in Zukunft nicht überbaut werden und das Grundstück verliert 2,9 Millionen Franken an Wert. Insgesamt beträgt die Aufwertung des Gebietes der «Unteren Farb» bei einem Ja, zum Stand vor der ersten Abstimmung, aber immer noch rund eine halbe Million Franken.

 

  • Und was bei einem Nein?

Dann ist die Politik ist erneut gefordert. Stadtschreiber Daniel Stein sagt, das in diesem Fall gelte: «Zurück auf Feld eins.» Einen Plan B gibt es aber nicht.

 

  • Wie ist die Haltung des Ustermer Parlaments?

Die Mehrheit des Gemeinderates empfiehlt den Stimmberechtigten, die Vorlage des Stadtrates anzunehmen. Zu dieser Mehrheit gehören die Fraktionen der FDP, SP, SVP/EDU und der Grünen. Dagegen ist die Mitte-Fraktion und die BPU.

Gemeinderat Ivo Koller (BDP) und Gemeinderat Balthasar Thalmann (SP). Die Mitte-Fraktion (inkl BDP) ist dagegen – die SP dafür.
  • Was sind die Argumente der Befürworter?

Richard Sägesser, Fraktionspräsident der FDP, sagt: «Die ‹Untere Farb› ist ein sinnvoller Standort für die Archivnutzung und somit eine gute Lösung, das Gebäude einem neuen Zweck zuzuführen.»
Bei der SP sagt Fraktionspräsident Markus Wanner: «Das Stadtarchiv in der ‹Unteren Farb› ist eine Lösung, die überzeugt.  So kommt das Gedächtnis von Uster mitten in die Stadt, direkt beim Stadtpark neben den Aabach in ein geschichtsträchtiges Haus.»

 

  • Was sagen die Gegner?

Dagegen ist die Mittefraktion der Parteien Grünliberale, EVP, CVP und BDP. Fraktionspräsidentin Beatrice Caviezel (GLP) sagt: «Um Bahnen von Akten zu lagern, dafür ist die ‹Untere Farb› zu schade. Wir wünschten uns dort ein Familienzentrum oder ein Lokal, das von Vereinen gemietet werden kann.» Als Einzelkämpfer stellt sich schon seit langem Gemeinderat Paul Stopper (BPU) gegen diesen Gestaltungsplan. Er sagt: «Mit dem Gestaltungsplan wird schon festgelegt, was in die ‹Untere Farb› kommt, anstatt wie üblich erst über die Einzonung zu entscheiden. Ein Archiv mit unersetzbaren historischen Dokumenten in einer Holzscheune zu platzieren, halte ich für fahrlässig.»

Kommentar schreiben

Kommentar senden