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Dieser Ustermer kennt die Geheimnisse jeder Gemeinde

Preisgekrönter Reiseführer

Dieser Ustermer kennt die Geheimnisse jeder Gemeinde

Er schaffte, was keinem zuvor gelang: Der Ustermer Reto Fehr durchquerte innerhalb von hundert Tagen die gesamte Schweiz. Seine Fahrradtour führte ihn in jede Gemeinde – und sogar zum Reisebuchpreis.

Jasmina
Henggeler
Freitag, 10. Mai 2019, 07:54 Uhr Preisgekrönter Reiseführer

2324 Gemeinden, 200‘000 Höhenmeter, 11‘000 Kilometer, 1 Fahrrad und 1 Mann. Reto Fehrs Vorhaben: Jede Schweizer Gemeinde im Zeitraum von vier Monaten mit dem Velo abzufahren. Nun erstellte der Ustermer einen Reiseführer. Damit gewann er im vergangenen Jahr an den ITB Berlin BuchAwards den Reisebuchpreis.

Distanz von Bern nach Peking geradelt

«Meine Freunde hielten mich für verrückt, als ich ihnen von meinem Plan erzählte», so Fehr. Aber auch sie konnten den Ustermer nicht von seinem Vorhaben abhalten und so startete die Velotour am 1. Juli 2015 in Samnaun (GR). 51 Passüberfahrten später endete die Reise auf der Älggi-Alp (OW). «Der letzte Anstieg war am anstrengendsten und ich fragte mich, warum ich mir das überhaupt antue.» Bereut habe er die Veloreise aber nicht. «Ich lernte die Schweiz neu kennen. Das Ortsbild meiner Heimatgemeinde Wald ist etwa von nationaler Bedeutung. Es ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) aufgelistet. Das wusste ich vorher nicht.»

«Ich bin gestürzt und die Bremse war anschliessend defekt.»
Reto Fehr zu Fahrradpannen auf seiner Tour

Ohne Hindernisse sei die Tour, die die Distanz von Bern nach Peking umfasst, aber nicht verlaufen: «Ich hatte Fahrradpannen ohne Ende: Sieben Mal ist mir die Speiche gebrochen, einmal ging das Hinterrad kaputt», sagt Fehr. «Ich bin gestürzt und die Bremse war anschliessend defekt.» Dagegen seien platte Reifen eine Kleinigkeit. «Dafür hatte ich mit dem Wetter grosses Glück.»

Oben auf der Ällgi-Alp angekommen – Reto Fehr legte bis hier her 11'000 Kilometer zurück. (Foto: PD)

Über seine Kondition sei Fehr selber überrascht gewesen: «Ich radelte 80 bis 100 Kilometer am Tag und hatte nur am Anfang leichten Muskelkater.» Nach der viermonatigen Reise sei die Rückkehr an den Büroschreibtisch schlimmer gewesen. Der 39-Jährige ist Datenjournalist bei Watson.

Das Flair für grössere Mengen von Daten hat Fehr auf der Tour aber nicht weitergeholfen. Unterwegs brauchte er neben Google Maps und Muskelkraft vor allem viel Energie – etwa in Form von Energie-Riegeln oder Brunnenwasser – sowie Durchhaltewillen. «Ich war zuvor noch nie auf dem Jungfraujoch. Das hat mich angespornt.»

Auf den Spuren vergessener Orte

Eine Lieblingsgemeinde hat Reto Fehr nicht. Als besonders schöne Orte seien ihm etwa Burg im Leimental (BL), Isérables (VS) oder St. Antönien (GR) in Erinnerung geblieben. «Natürlich ist es auch im Oberland schön, aber für mich hatte die Region den Reiz des Unbekannten nicht. Es gibt in der Schweiz so viele unentdeckte, unbekannte oder vergessene Orte», so Fehr.

Diese wolle er den Leuten näher bringen. Dazu zählt etwa Finsterhennen (BE). In dieser Gemeinde existierte Ende des 19. Jahrhunderts ein Schreiverbot, das Kindern untersagte, an Sonn- und Feiertagen auf den Strassen Lärm zu verursachen. Offiziell aufgehoben wurde dieses erst 2001. Und wer wusste etwa, dass Fischenthal prozentual zur Einwohnerzahl die meisten Olympiateilnehmer weltweit stellt?

Preisgekrönter Reiseführer: Fehr hält in 95 Reiseetappen seine Tour fest. (Foto: PD)

Reiseführer gewinnt Buchpreis

Diese Orte hätten Fehr schliesslich motiviert, einen Reiseführer zu verfassen – das sei «en riese Chrampf» gewesen. Die Arbeit machte sich aber bezahlt: «Aktuell produzieren wir die zweite Auflage, die ersten 1500 Exemplare verkauften sich gut.» Ebenfalls gewann Fehrs Reiseführer «Tour dur d’Schwiiz» im letzten Jahr den Reisebuchpreis in Berlin. Sein Verlag habe das Buch zur Nominierung vorgeschlagen, sagt Fehr.

Dem Velofahren will Fehr auch weiterhin treu bleiben. «Ich gehe oft mit dem Fahrrad zur Arbeit.» Als zweifacher Vater kommt zurzeit aber keine längere Tour in Frage. Die Hauptsache sei für ihn aber der Wissenszuwachs: «Jetzt kenne ich die Schweiz.»

Verlosung

Züriost verlost 5 x 1 Exemplar des Buches «Tour dur d’Schwiiz». Teilnehmen können Sie unter: https://zueriost.ch/TourSchwiiz.


Weitere Informationen zum Reiseführer «Tour dur d’Schwiiz» unter www.tourdurdschwiiz.ch.

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