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«Die Fahrt war schön, aber gefährlich»

Bubiker Frauenchor feiert Mega-Jubiläum

Der Frauenchor Bubikon feiert heuer sein 140-jähriges Bestehen. Im Laufe seiner Geschichte musste er sich immer wieder verändern. Sein Jubiläumsjahr begeht der Chor mit einem ganz speziellen Programm.

Fabio
Lüdi
Donnerstag, 09. Mai 2019, 13:15 Uhr «Die Fahrt war schön, aber gefährlich»
Zu Beginn durften nur unverheiratete «Fräulein» mitsingen. Heute steht der Chor jederfrau offen.
PD

Zu seiner Gründungszeit gab es den Bubiker Frauenchor so überhaupt nicht. Er wurde ins Leben gerufen als Töchterchor und war ganz Produkt seiner Zeit: Heiratete eine junge Frau, wars das mit ihrem Engagement im Chor. Ihr wurde der Abschied gesungen.

Die Bubikerinnen verstanden es allerdings immer mit der Zeit zu gehen und entwickelten sich stetig weiter. Bald stand das Ensemble allen singbegeisterten Frauen offen. «Man muss sich immer wieder neu erfinden», ist Chorpräsidentin Gabriela Gasser überzeugt.

Sie singen auch Filmmusik

Heute beherrscht der Frauenchor Bubikon ein Repertoire aus sowohl kirchlicher als auch weltlicher Musik, aus Klassik und zeitgenössischem Schaffen. Das reicht von «La Traviata» bis hin zu Jazz, Pop und Filmmusik. «Wir wollen zeitgemäss bleiben», sagt Gasser.

«Merken wir, dass die Sängerinnen und das Publikum etwas begeistert, setzten wir dort an.» Das zeigt sich auch ausserhalb der Musik: Der 140-jährige Verein hat heute einen Facebook-, Youtube- und Instagram-Account.

Was Gasser und ihre Sängerinnen besonders schätzen, ist die Herausforderung. In der Regel hat der Frauenchor im Jahr zwei grosse Auftritte, einen im Frühling und einen im Herbst. «Da fordern wir uns, wir haben Ansprüche an uns», sagt Gasser.

Beim letzten Herbstkonzert etwa hätten sie drei- bis achtstimmige Lieder gesungen. «Das war irrsinnig», schwärmt die Präsidentin. Vor zwei Jahren traten die Bubikerinnen gar an einem Chorfestival in Barcelona auf. Ein für die «Töchter» aus der Gründungszeit wohl unvorstellbares Ereignis (siehe Box).

Am 11. Mai 2004 schrieb der «Zürcher Oberländer» zum 125-Jahr-Jubiläum des Chors: «Um den Kontakt unter den Mitsängerinnen zu pflegen, wurden fast jährlich Reisen unternommen. Im Jahre 1897 unternahm der Töchterchor eine Reise nach Thusis. Die Reiseberichterstatterin schrieb: «Das Dampfross führte uns dem Walensee entlang. Die Fahrt war sehr schön, aber auch gefährlich, denn an vielen Stellen fuhr die Bahn auf den kahlen Felsen, und senkrecht unter uns rauschte der Rhein.» Das zeigt auch, dass man dazumal noch nicht so weit gereist war. Anfänglich musste man, der Bahnanschlüsse wegen, zu Fuss nach Rapperswil marschieren, und erst von dort konnte die Reise angetreten werden.»

Trotz eigenen Ansprüchen komme aber das Gesellige nicht zu kurz. «Auch diesen Aspekt schätzen wir», sagt Gasser. Dabei kann sie bei ihren Sängerinnen auf eine breite Basis zählen. Die 33 Mitglieder sind zwischen Mitte 20 und Mitte 70. Eine Sängerin ist gar seit über 50 Jahren dabei.

Der Töchterchor im Jahre 1890. (Bild: PD)

Neben den Sängerinnen hatten die jeweiligen Dirigenten einen grossen Einfluss auf die Entwicklung des Chors, erzählt die Präsidentin. So sei das auch heute noch unter Chorleiter Roger Widmer. Gemeinsam mit ihm habe sich der Chor immer grösseren Herausforderungen gestellt.

«Das  Geheimnis heisst: Fordern ohne zu überfordern», sagt Widmer. «In der Chorarbeit ist es wichtig, immer einen Schritt nach dem anderen zu tun und sich so zu entwickeln.» So hätte der Chor einige gelungene und interessante Projekte umsetzten können. «Ich bin fasziniert vom Repertoire, das der Frauenchor heute beherrscht», so Widmer.

Vollgepacktes Jubiläumsjahr

Für das Jubiläumsjahr ziehen die Bubikerinnen denn auch alle Register, die Sängerinnen feiern mit einem ganz speziellen Programm. Am Samstag, 11. Mai, geben sie ihr erstes Jubiläumskonzert in Rüti: Zusammen mit einem von Widmer zusammengestellten Barockorchester singt der Chor den «Himmlischen Gesang».

Das sind Stücke, die Komponisten wie Vivaldi im Venedig des 18. Jahrhunderts für Mädchenchöre der Waisenhäuser schrieben. «Das war ungewöhnlich für diese Zeit», weiss Widmer. Die sakrale Musik sei damals Männern vorbehalten gewesen – auch die hohen Noten. «Frauen hatten damals nicht viel zu schaffen in der Musik.» Das Konzert sei besonders, weil die Musik auch im Original von Frauenchören uraufgeführt wurde.

Das Meisterstück kommt im November

Im November folgt schliesslich der bisherige Höhepunkt für den Chor: Er führt das Stück «Gate 140» in Hombrechtikon auf, ein Opernstück. «Das ist etwas Neues für den Frauenchor», sagt Widmer. Denn die Sängerinnen müssen nicht nur musikalische Stücke einüben, sondern sich dazu bewegen. «Es ist eben ein Musiktheater», sagt der Dirigent.

Für Präsidentin Gasser genau das Richtige: «Das ist genau die Herausforderung, die wir suchen, das haben wir noch nie gemacht.» Um die beiden Auftritte zu finanzieren, veranstaltet der Frauenchor im Juni ein Jubiläumsbingo in Wolfhausen. Der Erlös daraus fliesst vollumfänglich in die zwei Jubiläumskonzerte.

Jubiläumskonzert: Sa, 11. Mai, 19.30 Uhr, Ref. Kirche Rüti. Bingo: Sa, 15. Juni, 19 Uhr, Geissbergsaal Wolfhausen. FrauenChorOper: Fr, 15. November, 19.30 Uhr und So, 17. November, 17 Uhr, Gemeindesaal Hombrechtikon. Mehr Infos unter: www.frauenchor-bubikon.ch.

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