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Pfefferspray statt Cumuluskarte

Züriost-Blog

Pfefferspray statt Cumuluskarte

Lea
Chiapolini
Mittwoch, 08. Mai 2019, 13:52 Uhr Züriost-Blog

Piips – Käse. Piips – Joghurt. Piips – piips – piips drei Mal Mehl für den Vorrat. Ich liebe Self-Scanning. Einkaufen ist um einiges lustiger und entspannter geworden, seitdem man wie ein Cowboy-Ninja durch den Laden wuseln und selber die Barcodes der Produkte erfassen kann. Ich fühle mich nicht nur ziemlich cool, wenn ich aus über einem Meter Entfernung den Code der Mango «abschiesse». Es ist auch so viel einfacher, die Produkte nur einmal in die Hand nehmen zu müssen, bevor sie in der Tasche landen. Den Umweg über die Kasse spare ich mir.

Ich gehöre zur Sorte Mensch, die einmal pro Woche die Futterreserven auffüllt und dafür jeweils mit drei bis vier vollen Einkaufstaschen nach Hause kommt. Mittlerweile erledige ich die Tour mit dem neuen Auto, vorher musste ich, egal ob schwere Milch oder heikle Tomaten, noch alles mit dem Velo transportieren. Da war es unglaublich wichtig, die Tasche auf den Millimeter genau so zu packen, dass sie perfekt in den Velokorb passt. Dieses Training hat mich wohl mehr geprägt, als ich damals gedacht hätte. Denn nach wie vor spiele ich im Supermarkt jedes Mal hochkonzentriert Tetris, wenn ich Bananen auf Nusskäse auf Mandelsplitter staple. Ist irgendwie Ehrensache.

Bezahlen Sie noch an der klassischen Kasse? Wenn ja, werden Sie sich wohl oft einsam fühlen. (Archivbild: James D. Walder)

Aber zurück zum Self-Scanning. Dieses Prinzip gibt es ja nicht nur mit meiner «Laserpistole», sondern auch in Form der Selbstbedienungskasse. Da muss man Brötli und Gürkli zwar nach wie vor zweimal in die Hand nehmen, der direkte Kontakt mit dem Verkaufspersonal entfällt gleichwohl. Und – oh Wunder – das Selbstscannen gefällt auch in dieser Form. Mittlerweile stehen die Leute lieber dort Schlange, während an den bedienten Fliessbändern gähnende Leere herrscht.  

Ist uns der Umgang mit Menschen bereits vollkommen abtrainiert worden? Das ging nun doch schneller als gedacht. Sie kennen diese drei Affen, die sich Ohren, Mund und Augen zuhalten? Nach den Ohren, in denen heutzutage jederzeit irgendwelche weissen Stöpsel stecken, ist uns also nun als nächstes der Mund abhandengekommen.

Welche Kassenart bevorzugen Sie?

Die klassische Kasse mit netter Verkäuferin
65%
Self-Scanning mit der Laserpistole
20%
Self-Scanning an der Selbstbedienungskasse
13%
Onlinebestellungen mit Direktlieferung nach Hause
3%
Total votes: 40

Vielleicht sehnen wir uns ja irgendwann nach den Zeiten zurück, als die aufmerksame Dame an der Kasse uns noch mit unserem Namen angesprochen hat, da sie diesen beim Scannen der Cumuluskarte gelesen hatte. Bleibt abzuwarten, wann der erste Vorfall  Schlagzeilen macht, bei dem sich eine arme Migrosverkäuferin gezwungen sieht, einer Kundin, die auf dem Weg zur Selbstbedienungskasse den falschen Abzweiger genommen hat, «CUMULUSKARTE?!?» entgegenzuschreien und sich diese derart erschreckt, dass ihr die Musikstecker aus den Ohren kullern. Bei Leib und Leben bedroht, würde sie bestimmt instinktiv zu ihrem Pfefferspray in der Tasche greifen. Man muss sich ja schliesslich verteidigen können in dieser bösen, asozialen Welt.

Lea Chiapolini will doch eigentlich gar nicht so viel. Nur ein schönes Leben, gutes Essen, viel zu lachen und ab und zu etwas zu motzen. Und natürlich immer Recht haben. Aber dies ist ihr erstes Leben. Sie übt noch.

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