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Das ist das zweitgrösste Schweizer Tabu

Sternenberger im «Lunchtalk»

Das ist das zweitgrösste Schweizer Tabu

Am «Lunchtalk» sprach der Sternenberger Roger Staub, Geschäftsführer von Pro Mente Sana, über die psychische Gesundheit der Schweizer.

Mirja
Keller
Montag, 06. Mai 2019, 18:00 Uhr Sternenberger im «Lunchtalk»

Ein Drittel der Schweizer sagt auf die Frage «Wie geht es Dir?» nicht die Wahrheit. Das fand die Stiftung Pro Mente Sana in einer Umfrage heraus. «Es gibt eigentlich nur eine Frage, die Schweizer mehr tabuisieren», sagt Geschäftsführer Roger Staub.

Das Publikum, das sich am Montagmittag zum Lunchtalk von Tele Top und den Zürcher Oberland Medien eingefunden hat, kannte die Antwort darauf. Staub erntete einige anerkennende Lacher, jemand flüsterte: «Die Frage nach dem Lohn!»

Der Lunch-Talk im Video

Roger Staub, in Sternenberg aufgewachsen, wirkte über 30 Jahre lang an den Aidsprävention-Kampagnen des Bundes mit. Vor zwei Jahren fand er zu Pro Mente Sana. Beim Lunchtalk sprach er über sein Engagement für Menschen mit psychisch angeschlagener Gesundheit. Er sagte: «Wenn man wirklich wissen will, wie es einem Menschen geht, muss man ihn zwei Mal fragen.» Noch immer werde die psychische Gesundheit in der Gesellschaft zu wenig offen behandelt. Dabei sei der erste Schritt zur Heilung, dass man lerne, darüber zu sprechen.

Hilfe aus dem Umfeld

«Meist merkt das eigene Umfeld ziemlich schnell, wenn jemand psychische Hilfe benötigt», so Staub. Viele hätten jedoch Hemmungen, die Betroffenen direkt anzusprechen. Pro Mente Sana habe sich als Stiftung zur Aufgabe gemacht, Hilfestellungen zu bieten. Ein Kurs leite beispielsweise Angehörige, Freunde oder Arbeitskollegen an, wie bei psychischen Problemen Erste Hilfe geleistet werden könne. 

Je früher man als Betroffener diese Hilfe annehmen, umso besser: «Zum einen fällt die Heilung natürlich leichter, wenn das eigene Leiden noch nicht so weit fortgeschritten ist», so Staub. Ein soziales Auffangnetz entlaste aber auch die Gesundheitskosten. Tele Top-Moderator Stefan Nägeli beliess es nicht bei der Volksgesundheit und wollte von Staub wissen, wie es denn um sein Befinden stehe.

Dieser machte seine Herkunft für eine stabile Psyche verantwortlich: «Mit Sternenberg bin ich gut gerüstet.» Er sei ein unverbesserlicher Optimist. Das äussere sich auch im Geschäftsleben: So habe Pro Mente Sana zu Anfang ein Millionen-Defizit geschrieben. Heute befinde man sich aber auf gutem Weg. «Ich bin überzeugt, dass die Leute die Wichtigkeit unserer Arbeit erkennen.»

Ziele nicht aufgeben

In seinen Arbeitszeugnissen sei immer wieder die Formulierung «verfolgt seine Ziele hartnäckig» aufgetaucht, erzählt Roger Staub. Dass er nicht so schnell aufgibt, zeigt der Sternenberger auch in seiner Freizeit: Als Präsident der Stiftung «Historische Zürichsee Boote» (HZB) setzte er sich während Jahren für die Restaurierung eines der ältesten Motorboote des Pfäffikersees ein.

Teil zwei des Lunch-Talks

Während der Aufzeichnung: Der Lunchtalk mit Roger Staub fand im Zürcher Oberländer in Wetzikon statt. (Foto: Seraina Boner)

Jetzt im Juni soll der «Hecht», mittlerweile über 100 Jahre alt, gewassert werden. Am Lunchtalk ebenfalls zu Wort kam die Tochter des Werftmanns und Erbauers Emil Leemann. Margareta Zöller, selbst 98-jährig, arbeitete als Schülerin auf dem Passagierbot als Kassiererin. Im Juni soll sie als Ehrengast bei der Jungfernfahrt mit von Partie sein.

Bis heute kann sich Roger Staub die Leidenschaft zu den Booten nicht recht erklären. In dieser Hinsicht würde auch ein Verweis auf den Herkunftsort nicht weiterhelfen: «Das grösste Gewässer in Sternenberg war der Feuerwehrteich», scherzte er. Um ihn geschehen sei es wohl nach dem ersten Segelturn in Schweden. Danach habe er ein altes Schiff gekauft. Ein Liebhaberstück.

Als Präsident der HZB-Stiftung konnte Roger Staub in zwölf Jahren rund acht alte Boote sammeln und restaurieren lassen. Alte Kulturgüter soweit wieder herzustellen, dass man sie wieder in Betrieb nehmen könne, ist ihm noch heute ein Anliegen. «Es ist das Beste, was einem Denkmal passieren kann.»

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