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Totalrevision der Ju-52 blockiert: Unterhaltsbetriebe verlieren Zulassung

Schlechte Nachrichten aus Bern

Totalrevision der Ju-52 blockiert: Unterhaltsbetriebe verlieren Zulassung

Die in Dübendorf stationierte Ju-Air muss einen Rückschlag verkraften. Den beiden Betrieben, die bisher die Oldtimerflieger reparierten, hat der Bund die Bewilligung entzogen.

Agentur
sda
Sonntag, 05. Mai 2019, 09:11 Uhr Schlechte Nachrichten aus Bern

Der Bund hat die Totalrevision der Oldtimerflieger Ju-52 blockiert. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) entzog den beiden Betrieben, die bisher die Maschinen reparierten und instand hielten, die Bewilligung dafür, wie die «SonntagsZeitung» berichtet.

Gemäss einem Bazl-Sprecher dürfen momentan weder Betriebe noch Einzelpersonen an den Maschinen Wartungen durchführen. Betroffen sind sowohl die beiden Flugzeuge der Ju-Air in Dübendorf als auch die dritte Maschine, die derzeit im deutschen Mönchengladbach im Museum steht. Die Zulassungen liefen auf die Ju-Air selbst und die Firma Naef Flugmotoren in Dübendorf.

«Die Anforderungen an einen zertifizierten Unterhaltsbetrieb sind nicht erfüllt.»

Bazl

Im Rahmen regelmässiger Inspektionen habe das Bazl im Frühling bei der Ju-Air «drei tiefer gehende Kontrollen» durchgeführt. Wie das Amt mitteilte, haben die Experten dabei festgestellt, dass «die Anforderungen an einen zertifizierten Unterhaltsbetrieb nicht erfüllt sind». Details gibt die Behörde nicht bekannt. Nur, dass mehrere «Verstösse der Stufe 1» registriert worden seien, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Damit sind Mängel gemeint, die den «Sicherheitsstandard eines Flugzeugs herabsetzen und eine ernsthafte Gefährdung der Flugsicherheit darstellen».

Die Vorgaben für eine erfolgreiche Zertifizierung sind von der europäischen Agentur für Flugsicherheit definiert und regeln sämtliche Tätigkeiten rund um die Wartung und die Überholung von Flugzeugen.

«Wegen des bis 2021 ruhenden Flugbetriebs muss keine laufende Wartung stattfinden.»

Christian Gartmann, Ju-Air-Sprecher

Ju-Air-Sprecher Christian Gartmann erklärte der Zeitung, die Zulassungen seien «lediglich sistiert, also ausgesetzt». Die Mängel würden nun behoben, damit das Amt die Sistierung aufhebe. Nach den Plänen der Ju-Air sollen die Maschinen 2021 wieder abheben. «Wegen des bis 2021 ruhenden Flugbetriebs muss keine laufende Wartung stattfinden», relativiert er die Situation. Die Totalrevision der Flugzeuge werde mit dem Bundesamt eng koordiniert und notwendige Arbeiten könnten mit Einzelbewilligungen durchgeführt werden.

Nur noch für Vereinsmitglieder in der Luft

Nach dem Absturz einer Ju-52 beim Piz Segnas GR am 4. August 2018 mit 20 Todesopfern hatte das Bazl der Ju-Air die Genehmigung für kommerzielle Passagierflüge entzogen. Dafür erfüllten die Oldtimer die heutigen Sicherheitsanforderungen nicht mehr. Künftig darf die Ju-Air nur noch bezahlte Passagierflüge für Vereinsmitglieder anbieten.

 

Der Fall Ju-Air – Chronologie der wichtigsten Ereignisse

- 4. August 2018: Beim Absturz einer Ju52 am Piz Segnas (Graubünden) sterben 20 Personen, darunter zwei Piloten, eine Flugbegleiterin und 17 Passagiere

- 17. August 2018: Rund zwei Wochen nach dem Absturz nimmt die JuAir den Flugbetrieb wieder auf. Dafür gibt es Zuspruch, aber auch Kritik. Der Vorwurf: Eine Rückkehr zum Tagesgeschäft so kurz nach dem Unglück sei pietätlos.

-20. November 2018: Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) verfügt auf unbestimmte Zeit ein Flugverbot für die zwei in Dübendorf stationierten Flugzeuge des Typs Ju52. Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hatte zuvor im Rahmen einer Untersuchung des Unfallwracks zwar technische Gründe als Absturzursache ausgeschlossen, jedoch auch Sicherheitsmängel festgestellt. Der Abschlussbericht der Sust wird in diesem Spätsommer erwartet.

-12. März 2019: Das Bazl untersagt der JuAir kommerzielle Passagierflüge. Rundflüge mit Ju-Air-Vereinsmitgliedern sollen aber weiterhin möglich sein. Kurz zuvor hatte die Ju-Air auf ihrer Website mitgeteilt, in diesem Frühling wieder Rundflüge durchführen zu wollen.

- 4. April 2019: Die JuAir teilt mit, dass sie sämtliche ihrer Flugzeuge eine Totalrevision unterziehen will. Diese soll mindestens 20 Monate dauern, was bedeutet, dass die Ju-Air frühestens im  Frühling 2021 wieder fliegen kann.

- 5. Mai 2019: Die
«SonntagsZeitung» berichtet, dass der Bund den beiden Betrieben, die bisher die Ju-Air-Oldtimer reparierten und instand hielten, die Bewilligung dafür entzogen hat.

 

Die Facts zu den drei Ju-52 Flugzeugen

HB-HOS: 
Sie steht derzeit in einem Hangar der Ju-Air in Dübendorf. Nach der Jahreswartung wurde die Maschine zusätzlich umfassend auf Korrosion untersucht. Laut der Ju-Air wurden für die Analysen und Untersuchungen auch externe Experten beigezogen.

HB-HOP: Die Maschine wurde im vergangenen November in ihre Baugruppen zerlegt. Im Sommer dieses Jahres werden die Flügel bei einem Spezialunternehmen generalüberholt. 

HB-HOY: Das in Mönchengladbach stationierte Flugzeug soll langfristig die durch den Absturz verlorene HB-HOT ersetzen. Gemäss der Ju-Air lassen momentan «vertragliche Vereinbarungen» einen Abzug der jüngsten Ju-52 der Ju-Air-Flotte nicht zu. Zudem bräuchte es für den Flug nach Dübendorf eine Überführungsgenehmigung des Bazl.

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