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Experte zieht sich aus dem Fall der Morandi-Brücke zurück

Empa Dübendorf

Experte zieht sich aus dem Fall der Morandi-Brücke zurück

ETH-Professor und Rüeschliker Gemeindepräsident Bernhard Elsener hat an der Empa in Dübendorf Trümmerteile der eingestürzten Morandi-Brücke in Genua untersucht. Nach acht Monaten verkündete er nun seinen Rücktritt. Der Druck sei zu gross gewesen.

Redaktion
Züriost
Samstag, 04. Mai 2019, 14:40 Uhr Empa Dübendorf
Anfang November nahm Bernhard Elsener die Bruchstücke der Brücke in Dübendorf in Empfang.
EPA/Keystone

Im August kollabierte die Autobahnbrücke Ponte Morandi in Genua. 43 Menschen kamen ums Leben. Im Rahmen des Beweissicherungsverfahrens im Fall Ponte Morandi wurden 13 Brückenteile an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in Dübendorf untersucht. 

ETH-Professor und Rüeschliker Gemeindepräsident Bernhard Elsener ist einer der drei gerichtlich eingesetzte Experten. Der Korrosionsexperte sollte die Trägerteile untersuchen, um die Ursache für den verheerenden Einsturz zu ermitteln. Nun hat er seine Arbeit niedergelegt, wie das Nachrichtenportal Watson berichtet. 

«Das war zu viel für mich und meine Familie»

Hauptgrund sei sowohl die zeitliche als auch körperliche Belastung, welche die Arbeit mit sich gebracht habe. «Ich unterrichte Mitte Februar bis Ende Juni in Sardinien als Professor für Materialwissenschaften. Jede zweite Woche bin ich also in Sardinien. Den Rest des Monats habe ich in Genua verbracht. Das war zu viel für mich und meine Familie», sagt Elsener gegenüber Watson. Als er die Belastung auch körperlich gespürt habe, hätte er sich dafür entschieden, seinen Rücktritt einzureichen. 

Zudem habe sich die zuerst kollegiale und offene Atmosphäre verschlechtert habe und die Arbeitslast stetig zugenommen habe. Entscheidungen und Vorgehensweisen von den Experten seien zunehmend hinterfragt und kritisiert worden. «Das artete in ein stetiges Rechtfertigen aus und der ganze Prozess verzögerte sich enorm», sagt Elsener im Interview. 

Er und seine Kollegen hätten im September 2018 damit gerechnet, dass sie viele vorhandene Akten bekommen würden, die man untersuchen könne. Doch dies sei nicht geschehen. Da keine Unterlagen existierten, hätten sie auch vor Ort Brückenteile untersuchen müssen. «Man hat die Komplexität des Verfahrens unterschätzt», sagt Elsener. 

Der Druck sei nicht nur auf ihn, sondern auch auf seine Kollegen enorm gewesen – gerade wegen der vielen Opfer und des medialen Echos. Ein Kollege stehe ebenfalls kurz davor, die Arbeit aufzugeben. 

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