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«Ob mich jemand beeindruckt oder nicht, hängt nicht von seinem Erfolg ab»

Sportjournalistin Annette Fetscherin aus Uster

«Ob mich jemand beeindruckt oder nicht, hängt nicht von seinem Erfolg ab»

Sie ist auf den Sportplätzen der Schweiz zu Hause, interviewt Stars wie Cristiano Ronaldo und Roger Federer. Privat lebt die Sportjournalistin Annette Fetscherin in Uster.

Annette
Saloma
Freitag, 19. April 2019, 10:20 Uhr Sportjournalistin Annette Fetscherin aus Uster
Sitzt beruflich nicht auf der Ersatzbank: Annette Fetscherin auf der Sportanlage Buchholz in Uster.
Bild: Christian Merz

Sie wirkt etwas schüchtern und zurückhaltend. Auf den ersten Blick ist es schwer zu glauben, dass diese Frau Abend für Abend Eishockey- und Fussballspiele schaut und darüber berichtet, Sportler interviewt und regelmässig als Moderatorin von Sportaktuell auf SRF zwei vor der Kamera steht.

«Sport ist unterhaltend und bewegt die Leute. Es geht aber nicht um Leben und Tod»

Doch genau mit dieser Art   interessiert, aber nicht aufdringlich; kompetent, aber nicht besserwisserisch; selbstbewusst, aber nicht überheblich  hat sich die 35-Jährige im Schweizer Sportjournalismus einen Namen gemacht.

Von Aadorf nach Zürich

«Über Sport zu berichten, machte mir schon immer am meisten Spass», sagt sie. «Es ist unterhaltend und bewegt die Leute. Es geht aber nicht um Leben und Tod.»

Schon ihr Vater und Grossvater seien grosse Fussballfans gewesen und während der Skisaison lief zu Hause am Fernsehen Skirennen . Aufgewachsen ist Annette Schwager, wie sie ledig hiess, als jüngstes von vier Kindern im thurgauischen Aadorf. Nach der Matura studierte sie Publizistik an der Universität Zürich. «Ich habe sehr gerne geschrieben», erzählt sie. «Am liebsten wäre ich Buchautorin geworden.»

Annette Fetscherin im Videointerview. (Video: Annette Saloma)

Noch während dem Gymnasium machte sie ein Praktikum bei TeleTop. «Da habe ich gemerkt, dass auch Fernsehen sehr faszinierend ist.» Während ihres Studiums arbeitete sie sechs Jahre lang 50 Prozent beim Regionalsender, war als Videojournalistin mit der Kamera unterwegs, moderierte die Nachrichten und Talksendungen.

«Es ist ein Privileg, dass ich diesen Job machen darf»

Immer wieder war sie als Mitglied der Sport-Redaktion auch bei Sportveranstaltungen im Einsatz. Dort lernte sie auf der Medientribüne Adrian Fetscherin kennen, auch er war damals Sportjournalist, arbeitete beim Teleclub.

Abwechslungsreich und lässig

Die beiden wurden ein Paar, heirateten 2009, später wechselte auch Annette Fetscherin zum Teleclub. 2017 bewarb sie sich dann bei SRF Sport als Produzentin und bekam die Stelle. Seit anfangs diesen Jahres ist sie im Moderationsteam von Sportaktuell. «Es ist ein Privileg, dass ich diesen Job machen darf», sagt sie. «Er ist abwechslungsreich und lässig.» Keine Woche sei wie die andere.

Seit sie bei SRF arbeitet, ist sie noch mehr unter Beobachtung, wird auch vermehrt auf der Strasse erkannt. «Mittlerweile überlege ich mir schon zweimal, ob ich in Trainerhosen und ungeschminkt aus dem Haus gehe», sagt sie. «Auch ein wenig wegen meiner eigenen Eitelkeit.» 

Fühlt sich in Uster wohl: Annette Fetscherin wohnt seit fünf Jahren in Niederuster. (Bild: Christian Merz)

Gross beeindrucken lässt sich die 35-Jährige auch von Weltstars wie Cristiano Ronaldo nicht, den sie interviewte, als er 2016 zum Weltfussballer des Jahres gekürt wurde. «Das sind Menschen wie du und ich», sagt sie. «Ob mich jemand beeindruckt oder nicht, hängt nicht von seinem Erfolg ab.» 

Anspannung bei Live-Situationen

Bei Live-Situationen sei schon immer eine Grundanspannung da.  «Vor allem, wenn es sich um eine Sportart handelt, über die ich noch nicht oft berichtete.» Eine gute Vorbereitung sei das Wichtigste.

«Mittlerweile überlege ich mir schon zweimal, ob ich in Trainerhosen und ungeschminkt aus dem Haus gehe.»

Sie möge Leute, die sagen, was sie denken. «Es gibt so viele standardisierte Aussagen, gerade im Sport. Mir gefällt, wenn jemand offen sagt, was er fühlt oder was ihm durch den Kopf geht.» So wie der Musiker Büne Huber, der vor drei Jahren bei einem Eishockeyspiel von Fetscherin interviewt wurde und über Fussballer ablästerte. Das Interview ging viral. 

Immer wieder wird sie in Interviews darauf angesprochen, wie das sei, so als Frau im männlich dominierten Sportbusiness. Das geht ihr manchmal etwas auf die Nerven.

«In meiner täglichen Arbeit ist das überhaupt kein Thema», sagt sie. «Sowohl für meine Arbeitskollegen, als auch für die Sportler und Zuschauer ist es heutzutage völlig normal, dass auch Frauen über Sport berichten.» Auch dass die Kinderfrage immer wieder auftaucht, empfinde sie als rückschrittlich. «Einem Mann stellt man diese Frage auch nicht.»

«Sowohl für meine Arbeitskollegen, als auch für die Sportler und Zuschauer ist es heutzutage völlig normal, dass auch Frauen über Sport berichten.»

War sie früher «die Frau von Adrian Fetscherin», hat sich das mittlerweile geändert. Ihr Mann ist inzwischen Geschäftsführer des EHC Arosa und deshalb oft im Bündnerland, wo das Paar eine Zweitwohnung hat.

Es gibt Zeiten, in denen sie sich nicht so oft sehen. «Aber das war schon immer so», sagt Fetscherin. «Wir kennen es nicht anders und für uns stimmt es so.» Sie würden sich dafür um so mehr darüber freuen, Zeit miteinander zu verbringen.

Annette Fetscherin am Schnittplatz im SRF. (Bild: SRF/Oscar Alessio)

Bei SRF ist sie zu 80 Prozent angestellt. Wenn sie nicht gerade beruflich unterwegs ist, sitzt sie auf dem Pferd. Schon immer hat sie geritten, übte sich in Dressur- und Springreiten.

Seit ihrer ersten Pololektion vor zwei Jahren, betreibt sie auch Polo. Dazu hat sie vor einem Jahr ein Pferd gekauft, ein zweites kam vor kurzem dazu. «Ich bin während der Saison im Sommer jede freie Minute am Spielen», sagt sie. «Da ich viel am Abend arbeite, kann ich am Morgen trainieren gehen.»

Joggen am Greifensee

Seit fünf Jahren wohnt Fetscherin in Uster. «Wir haben uns eine Wohnung angeschaut und wussten, die ist es», erinnert sie sich. «Wir wohnen am Stadtrand, wo es grün, ländlich und sehr idyllisch ist.» Am Greifensee geht sie oft joggen.

Über die Zukunft macht sie sich kaum Gedanken. «Ich hatte nie konkrete Karrierepläne», sagt sie. Sie habe einfach immer gemacht, was ihr Freude bereitet habe. «Und wenn ich keine Freude mehr hatte, suchte ich mir etwas anderes. Momentan gibt es aber nichts, was ich lieber machen will.»

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