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Ein Bus für Seegräben gegen den Ausflugsverkehr

Zweijähriger Versuch

Ein Bus für Seegräben gegen den Ausflugsverkehr

Die Gemeinde Seegräben soll einen Bus erhalten. Allerdings nur am Wochenende und auch dann nicht das ganze Jahr hindurch. Hauptsache, der Ausflugsverkehr nimmt ab, ist die Devise.

David
Kilchör
Mittwoch, 17. April 2019, 15:14 Uhr Zweijähriger Versuch

Seit vielen Jahren träumen die Seegräbner von einem eigenen Bus ins Dorfzentrum. Der Wunsch soll sich nun erfüllen. Allerdings hat er einen Haken. Er ist nicht direkt für die Seegräbner vorgesehen, sondern für die Ausflügler. Deshalb fährt er auch nur am Wochenende, so die Seegräbner zustimmen.

Die Ausgangslage ist klar. Die einzige Haltestelle eines öffentlichen Verkehrsmittels auf dem gesamten Seegräbner Gemeindegebiet ist der Bahnhof Aathal. Der ist allerdings nur im Halbstundentakt mit dem Bummler S14 erschlossen und liegt weit entfernt von der schönsten und beliebtesten Ecke Seegräbens am Pfäffikersee und beim Juckerhof.

Eine Verlagerung

Der Gemeinderat schreibt, dass dieser Umstand einen sehr hohen Anteil an motorisiertem Individualverkehr an schönen Wochenenden während der Sommermonate generiere. Nun soll das Busexperiment während zweier Jahren im Pilotbetrieb Abhilfe schaffen – in Form einer Verlagerung auf den öffentlichen Verkehr.

Das Projekt sei im Rahmen des Projekts «Mobilitätskonzept Pfäffikersee» gemeinsam mit den kantonalen Ämtern für Raumentwicklung und für Verkehr entwickelt worden, schreibt der Gemeinderat.

Gemeindepräsident Marco Pezzatti (FDP) ergänzt: «Es ist zudem Teil eines Gesamtkonzeptes zum Erholungs- und Freizeitverkehr in Seegräben.»

Zwischentakt

Das geplante Busangebot beschränke sich auf den Ausflugsverkehr und soll zwischen Mai und Ende Oktober jeweils an den Wochenenden im Zwischentakt angeboten werden.

«Das Ziel ist die Verlagerung des Verkehrs. Eine Zunahme des Zulaufs wollen wir nicht», so Pezzatti. Während der Testphase gelte deshalb das Augenmerk insbesondere dieser Frage.

«Wir wissen nicht, ob es funktioniert - aber wir müssen es zwingend einmal probieren. Falls die Stimmberechtigtem dem Kredit zustimmen würden, bietet sich die einmalige und verhältnismässig kostengünstige Gelegenheit für einen Testlauf». Finanziert würde der Anteil von Seegräben aus den Einnahmen für die Parkierung auf dem Gemeindeparkplatz.

Ab Uster

Laut einer Analyse und Fahrversuchen der VZO zeige sich, dass eine Schnelllinie zwischen Bahnhof Uster und Seegräben am meisten Sinn mache. Zum einen, weil in Uster auch über das Wochenende ein 15-Minuten-Takt im Bahnverkehr aufrechterhalten wird.

Zum anderen zeigten Besucheranalysen von Juckerhof und Pfäffikersee, dass ein wesentlicher Teil der Touristen aus dem Glattal und dem Raum Zürich stammten, was den Bahnhof Uster als Umsteigeort prädestiniere.

Joe Schmid von den VZO sagt, man habe auch Wetzikon getestet, Aathal aber nicht. «Der Bahnhof Aathal eignet sich nicht, weil die S14 für Zürcher keine attraktive Anbindung ist und weil wir mit Gelenkbussen dort ohnehin nicht halten können.»

Ohne Zwischenhalt

Für den Halteort Uster habe man sich insbesondere entschieden, weil die Gemeinde dies bevorzugt habe - insbesondere aufgrund der kürzeren Fahrzeit als zum Bahnhof Wetzikon, wo mehrere Rotlichter die Fahrt verlängern. «Allerdings eignet sich der Bahnhof ohnehin besser wegen der Ankunftszeiten der Züge – und weil Erholungssuchende aus dem Glatttal und dem Raum Zürich den Umweg via Wetzikon wohl nicht unbedingt machen wollen.»

Die richtige Anbindung zu entwickeln, sei ein Puzzlespiel gewesen. «Wir mussten etwa schauen, dass die Busse nicht jedes Mal vor der Barriere beim Bahnübergang eingangs Aathal hängen bleiben», sagt Schmid. Deswegen verlaufe die Fahrt nun komplett ohne Zwischenhalte und werde elf bis zwölf Minuten dauern.

«Das geht gerade für unsere Gelenkbusse.»

Joe Schmid, VZO

Abfahrt in Uster soll jeweils um .08 und .38 sein, in Seegräben kommt er dann um .19 respektive .49 an. Der Bus soll zwischen 10 und 19 Uhr fahren. In Seegräben soll er auf dem Wendeplatz nahe des Gemeindeparkplatzes halten. «Das geht gerade für unsere Gelenkbusse.»

Das Projekt soll in den Jahren 2020 und 2021 getestet werden. Die kantonalen Amtsstellen werden es eng begleiten und nach zwei Jahren eine umfassende Bilanz ziehen, um das weitere Vorgehen festzulegen.

Nur 85'000 Franken

Kostentechnisch schlägt der Pilot mit Gesamtkosten über beide Jahre von 85'000 Franken zu Buche, wie der Gemeinderat schreibt. Die tiefen Kosten begründet er mit der Mitfinanzierung von Kanton und Juckerhof. Laut Pezzatti beträgt die Gesamtofferte des Zürcher Verkehrsverbundes rund 180'000 Franken. Kanton und Gemeinde teilten sich je 85'000 Franken, die Juckers übernähmen den Rest.

Laut dem Gemeindepräsidenten habe die Gemeinde zäh verhandeln müssen, um diesen Kostenschlüssel zu erzielen. «Aber wir hatten eine gute Ausgangslage.» Eine Umfrage vor einigen Jahren unter Ausflugstouristen hatte ergeben, dass etwa die Hälfte der Erholungsdurstigen wegen des Juckerhofs komme, die andere wegen des Naherholunggebiets.

«Für letzteres ist der Kanton zuständig, also ist er Mitverursacher des Verkehrsproblems und muss sich auch an Massnahmen finanziell beteiligen.» Selbiges gelte natürlich für die Juckers.

Joe Schmid bestätigt, dass eine Offerte gemacht wurde, allerdings gebe es noch keine Bestellung. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass die Kosten des Projekts die Kompetenzen des Gemeinderats knapp sprengen und deshalb einen Volksentscheid nötig machen. Der Gemeinderat beantragt an der Gemeindeversammlung im Juni den entsprechenden Kredit.

Am 21. Mai findet um 19.30 Uhr im Buechwäidsaal eine Infoveranstaltung zum geplanten Gesamtkonzept für die künftige Bewältigung des Erholungs- und Freizeitverkehrs in Seegräben statt.

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