×

«Viele Kleinbetriebe sind eingegangen»

Geschichte der Fischenthaler Bauern

«Viele Kleinbetriebe sind eingegangen»

Ortschronist Werner Rellstab hat das neueste Kapitel der Fischenthaler Dorfchronik vollendet. Es beleuchtet die Entwicklung der hiesigen Landwirtschaft der letzten 40 Jahre.

Fabio
Lüdi
Montag, 15. April 2019, 11:00 Uhr Geschichte der Fischenthaler Bauern
Willi Baumann von der Widenreiti (am Steuer) und Franz Nyffenegger vom Tanzplatz (Mitte) 1947.
Sammlung Ortsmuseum Fischenthal

«Arbeiten und überleben» heisst das neueste Kapitel der Fischenthaler Dorfchronik. Darin wirft Dorfchronist Werner Rellstab einen genauen Blick auf die Entwicklung der Fischenthaler Landwirtschaft der letzten 40 Jahre. Rellstab widmet sich im Auftrag der Gemeinde dem dritten Teil von Fischenthals Dorfchronik, die kapitelweise verschiedene Themen der Ortsgeschichte aus dem Zeitraum von 1978 bis 2018 beleuchtet. Vor zwei Jahren veröffentlichte er das Kapitel über die Gasthäuser der Gemeinde, vor einem Jahr zur Entwicklung des Gewerbes und der Industrie.

Herr Rellstab, diesmal haben Sie sich als Chronist der Fischenthaler Landwirtschaft gewidmet. Wie hat sich diese entwickelt?
Es gab eine Konzentration, vor allem viele Kleinbetriebe sind eingegangen. Die dazugehörigen Ländereien aber blieben erhalten und Fischenthal hat heute so viel landwirtschaftliche Nutzfläche wie 1975.

Wodurch unterscheidet sich die heutige Landwirtschaft am meisten von derjenigen vor 40 Jahren?
Die verbliebenen Betriebe sind viel grösser. Und sie sind mechanisiert und automatisiert. Man könnte es sich für die zum Teil beachtlichen Flächen überhaupt nicht leisten, zusätzliches Personal zu beschäftigen, wie das ohne Mechanisierung und Automatisierung nötig wäre. Früher spielte zudem die Holzwirtschaft eine wichtige Rolle. Aber Holz erzielt heute keinen Preis mehr, der die Mühen deckt.

Wo blieb sich das Bauern in Fischenthal gleich?
Bei den Produkten. Nach wie vor wird Milchwirtschaft betrieben und Fleisch produziert. Ackerbau funktioniert auf 900 Meter über Meer einfach nicht. Das ist die Krux an der Sache: Die Bauern der Region können nicht einfach mal etwas Spezielles anpflanzen, es wächst nur Gras.

Welche aktuellen Entwicklungen beschäftigen die Bauern heute am meisten?
Sie können heute ohne Subventionen, also Direktzahlungen von Kanton und Bund, nicht mehr überleben. Um Zahlungen zu erhalten, müssen sie Auflagen erfüllen und Investitionen tätigen. Aber alle vier Jahre wird aufs Neue überprüft, ob die Direktzahlungen noch im gleichen Mass gesprochen werden. Die Bauern wissen nie, ob sich ihre Investitionen auch längerfristig auszahlen. Die Behörden kontrollieren ausserdem, ob sie die Auflagen einhalten. Viele stören sich aber an der Abhängigkeit und den Einschränkungen ihrer unternehmerischen Freiheit durch solche Kontrollen.

Wie lange schrieben Sie an diesem Teil der Dorfchronik?
Ich habe über ein Jahr daran gearbeitet. Nicht jeden Tag , selbstverständlich. Ich wollte auch etwas vom schönen Sommer haben. Trotzdem stecken zwischen 250 bis 400 Arbeitsstunden drin.

Dorfchronik gratis beziehen
Alle Kapitel des dritten Teils der Fischenthaler Dorfchronik sind in digitaler Form auf der Gemeindewebseite oder in gedruckter Form im Gemeindehaus gratis zu beziehen.

Kommentar schreiben

Kommentar senden