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Wetziker Burgerladen schliesst nach nur knapp zwei Monaten

Angestellte warten auf Lohn

Wetziker Burgerladen schliesst nach nur knapp zwei Monaten

Es war nur ein kurzes Gastspiel von «Burgers & Shakes» in Wetzikon. Zurück bleiben unzufriedene Angestellte mit ausstehenden Lohnzahlungen. Nun muss der Geschäftsführer vor den Friedensrichter.

Annette
Saloma
Donnerstag, 11. April 2019, 05:30 Uhr Angestellte warten auf Lohn
Shuna Diggelmann arbeitete als Köchin bei «Burgers & Shakes» - Geld habe sie dafür keines bekommen.
Bild: Christian Merz
Shuna Diggelmann ist enttäuscht und wütend. Seit über drei Monaten wartet die 36-jährige auf ihren Lohn. Sie hatte als Köchin bei «Burgers & Shakes» in Wetzikon gearbeitet. «Ich finde das Ganze eine bodenlose Frechheit», sagt sie. Am 1. Januar hatte der Lieferdienst und Take Away an der Hofstrasse eröffnet.
 
Wie der Geschäftsführer erzählte, betrieb er bereits ein Restaurant im Glattpark und eines in der Stadt Zürich. Mit der Filiale in Wetzikon wollte er seinem Traum einer Burger-Kette näher kommen. 
«Ich finde das Ganze eine bodenlose Frechheit.»
Shuna Diggelmann, Köchin
Über ein Stelleninserat im «regio» war Diggelmann Ende letzten Jahres auf die Stelle als Köchin aufmerksam geworden. Am 1. Januar begann sie für «Burgers & Shakes» in Wetzikon zu arbeiten, am 9. Januar stand die Köchin bereits wieder auf der Strasse, nachdem ein Streit eskaliert war.
 
«Angefangen hat alles ganz gut», erzählt sie. «Der Geschäftsführer war zufrieden mit meiner Arbeit, das Geschäft lief.» Doch dann habe es im Internet schlechte Bewertungen gegeben. «Und an diesen war angeblich ich schuld», sagt die Pfäffikerin. 
 
Dazu sei gekommen, dass sie täglich 15 Stunden habe arbeiten müssen, acht Tage am Stück. «Ich hatte zwar in der Bewerbung geschrieben, dass ich mir lange Tage gewohnt sei», sagt sie. «Aber als Ausnahme, nicht als Regel.» 
Roland R. im Januar 2019: Euphorisch bei der Eröffnung von «Burgers & Shakes» in Wetzikon. (Bild: Christian Merz)
Als der Chef dann eines Tages gekommen sei und ihr sagte, sie müsse auf Youtube schauen, wie Burgerpatties geklopft würden, habe es ihr den Rest gegeben. «Ich bin gelernter Koch, habe 16 Jahre Berufserfahrung, so etwas lasse ich mir nicht bieten», sagt sie.
 
Sie habe sofort mündlich gekündigt und sei davongelaufen, woraufhin er ihr Hausverbot erteilt habe. Von ihrem Lohn – rund 1700 Franken, habe sie bis heute keinen Rappen gesehen. 
 
Wie verschiedene ehemalige Angestellte und Geschäftspartner auf Anfrage sagen, sei dies ein Muster von Geschäftsführer Roland R. Er eröffne ein Restaurant nach dem anderen, gebe es weiter oder verkaufe es, lasse Angestellte mit Lohnforderungen zurück. 
 
Über bestehende Restaurants gelogen
 
Er sei bei ihm als Geschäftspartner eingestiegen, aber er habe ihm in der ganzen Zeit nie etwas gezahlt, ihn immer wieder vertröstet, erzählt der Wirt vom Restaurant im Glattpark. Als er mitbekommen habe, dass er auch die Mitarbeiter nicht zahlt, habe er ihn rausgeworfen. Das Restaurant an der Birmensdorferstrasse hat R. verkauft  an einen Türken, der daraus einen Kebap-Laden gemacht hat.
 
Als nach dem Erscheinen des Artikels über die Eröffnung in Wetzikon auf «Züriost» eine kritische Stimme laut wurde, verlangte Roland R. die Löschung des Kommentars. 
Nach knapp zwei Monaten verkaufte Roland R. seinen Laden an Burgermaster Wetzikon. (Bild: Christian Merz)
Roland R. sagt, es stimme, dass er Shuna Diggelmann noch Lohn schulde. Die anderen Vorwürfe bestreitet er. Diggelmann habe täglich drei Stunden Zimmerstunde gehabt und nicht 15 Stunden gearbeitet. Sie habe ihm damit gedroht, gewalttätige Geldeintreiber vorbei zu schicken, woraufhin er das Hausverbot ausgesprochen habe. Ausstehende Lohnzahlungen kämen in jedem Gastrobetrieb vor, von einem Muster könne kein Rede sein. Und im Restaurant im Glattpark sei er immer noch als Geschäftspartner eingetragen. 
 
Aber er gebe zu, dass er sich mit dem Betrieb in Wetzikon übernommen habe. Die Filiale in Wetzikon hat R. mittlerweile an Burgermaster Wetzikon übergeben und sich aus der Gastronomie komplett zurückgezogen. «Es wurde einfach zuviel.»
 
Termin beim Friedensrichter
 
Ein weiterer Vorwurf von Diggelmann: Im Gebäude an der Hofstrasse hat es eine Moschee. «Burgers & Shakes» hatte die Auflage, dass kein Schweinefleisch verarbeitet werden darf. Daran habe sich Roland R. nie gehalten, sagt die Köchin. Er habe ihr jeweils aufgetragen, den Speck zu verstecken.
 
Dieser widerspricht. Nur an einem Wochenende sei ihm der Rinderspeck ausgegangen, deshalb habe er Schweinefleisch genommen. Er habe dies den Verantwortlichen der Moschee gesagt und es sei nicht mehr vorgekommen. 
«Ich hoffe, dass ihm das Handwerk gelegt wird.»
Shuna Diggelmann, Köchin
Die Wut von Shuna Diggelmann verstehe er. Er sei mit der Schuldenhilfe in Kontakt, um alle ausstehenden Forderungen zurückzahlen zu können. Es handle sich um Lohnforderungen in der Höhe von 4'500 Franken. In Russikon eröffnete erst kürzlich eine neue Filiale von «Burgers & Shakes», mit ihm hat das Ganze nichts zu tun.
 
Shuna Diggelmann hat am 18. April einen Termin vor dem Friedensrichter. Hoffnung, dass R. auftauchen wird, hat sie keine. «Aber ich hoffe, dass ich zu meinem Lohn komme und ihm das Handwerk gelegt wird.» Sie hat mittlerweile einen neuen Job als Köchin gefunden. 

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