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Neugewählter SVP-Präsident Walder

«Ich traue mir zu, mich zu behaupten»

Unter Patrick Walder, dem neuen Präsidenten der Zürcher SVP, dürfte der Stil der Partei wieder ruppiger werden. Angst vor der Einflussnahme grosser Namen hat der 31-jährige Dübendorfer nicht.

Benjamin
Rothschild
Dienstag, 02. April 2019, 05:11 Uhr Neugewählter SVP-Präsident Walder
Soll die SVP an den eidgenössischen Wahlen auf die Erfolgsspur zurückbringen: Der Dübendorfer Patrick Walder.
Foto: Archiv Züriost

Patrick Walder aus Dübendorf ist das neue Gesicht an der Spitze der SVP des Kantons Zürich. Die Delegierten haben den 31-jährigen Treuhänder und Lokalpolitiker aus Dübendorf am Dienstagabend zum neuen Präsidenten gewählt.

Schatten und Licht folgen bei Patrick Walder (31) zurzeit Schlag auf Schlag: Vor eineinhalb Wochen war er noch eines der Gesichter der SVP-Wahlniederlage. Auf der Liste der Ustermer Bezirkspartei auf dem fünften Platz geführt, verpasste er den Sprung in den Kantonsrat aufgrund des SVP-Sitzverlustes in Uster knapp.

Nun kommt Walder zumindest parteiintern doch noch zu höheren Weihen: Nach dem geschlossenen Rücktritt der bisherigen Parteileitung hatte der Vorstand der SVP Zürich Walder am Montagabend als Interimspräsidenten vorgeschlagen (wir berichteten). Die Delegiertenversammlung der Kantonalpartei hat dem Vorschlag an ihrer gestrigen Sitzung zugestimmt.

Walders Mandat soll mindestens bis zu den eidgenössischen Wahlen im Herbst gelten. Auf den Dübendorfer Treuhänder wartet nun eine Herkulesaufgabe: Er soll die zuletzt arg gebeutelte SVP wieder auf Erfolgskurs bringen.

Herr Walder, eben noch verpassten Sie den Sprung in den Kantonsrat, gestern nun wurden Sie zum Interimspräsidenten der Zürcher SVP gewählt. Ist dieses Mandat für Sie eine Art Trostpreis?

Patrick Walder: Man kann diese beiden Aufgaben überhaupt nicht miteinander vergleichen. Das sind komplett verschiedene Funktionen, die ich nicht gegeneinander aufwiegen kann und will.

Bedeutet das Präsidium für Sie einen Karrieresprung – oder besteht vielmehr die Gefahr, dass Sie verheizt werden?

Die Verantwortung die ich in dieser Rolle habe, ist sicher sehr gross. Das neue Präsidium muss nun umgehend eine Wahlstrategie ausarbeiten. Der Aufwand wird nicht nur zu Beginn, sondern auch später, während des Wahlkampfs, immens sein. Aber nein, die Angst, verheizt zu werden, habe ich nicht.

Können Sie angesichts Ihres vergleichsweise jungen Alters und vor dem Hintergrund, dass es in der SVP erfahrene Polit-Schlachtrösser gibt, überhaupt ein unabhängiger Präsident sein?

Ja, ich traue mir zu, mich zu behaupten. In der Parteileitung sind neu ja auch noch Toni Bortoluzzi, Elisabeth Pflugshaupt und Orlando Wyss vertreten – das sind alles erfahrene Leute, von denen ich profitieren kann. Wir werden uns gut ergänzen.

Die Rede ist eher von altgedienten Grössen der Zürcher SVP um Übervater Christoph Blocher, die innerhalb der Partei immer noch viel Einfluss haben.  

Ich spüre eine solche Einflussnahme jedenfalls nicht. Aber wenn es nötig ist, werde ich mich nicht scheuen, auch solche Leute um Rat zu fragen. Ich bin keiner, der beratungsresistent ein Präsidium führt.

Die SVP verzeichnete jüngst nicht nur in Zürich, sondern auch in Basel und Luzern Verluste – was den Schluss nahelegt, dass die Probleme der Partei weniger personeller, als vielmehr thematischer Natur sind. Welchen Einfluss können Sie als Kantonalpräsident überhaupt nehmen?

Tatsächlich beeinflussten zuletzt auch externe Einflüsse unser Abschneiden bei Wahlen – aber eben nicht nur. Ich bin der Meinung, dass man immer etwas ändern kann. Wir müssen nun erst eine Analyse machen, dann eine Strategie und einen Zeitplan vorlegen. Dann wird feststehen, wie unsere Lösungsansätze aussehen.

Sie dürften dabei kaum an der Frage vorbeikommen, ob es sich die SVP wirklich leisten kann, das Klima-Thema fast schon demonstrativ zu ignorieren.

Unsere Analyse muss sich auf sämtliche politischen Themen beziehen. Was ich aber jetzt schon mit Sicherheit sagen kann: Es wird mit uns keine rot-grüne Verbotspolitik geben. Die SVP steht auf der Seite des Fortschritts und der Entwicklung.

Wie viel Entwicklung, sprich Professionalisierung, lassen Sie innerhalb der eigenen Partei zu? Kritiker monierten zuletzt, dass der Milizgedanke und die Ehrenamtlichkeit zeitgemässen Parteistrukturen mitunter im Weg stehen würden.

Im Parteisekretariat wird es bekanntlich zu personellen Änderungen kommen, und auch eine Weiterentwicklung des Sekreatariats ist ein Thema. Aber sämtliche durch Wahlen zu bestellende Ämter sollen bei uns auch weiterhin ehrenamtlich bleiben – und auch der Parteisekretär wird bei uns gewählt.

Ein weiteres heisses Eisen ist die Stilfrage. War die SVP in den letzten Jahren zu brav?

Wir waren zuletzt sicher eher ruhig, ja. Nun müssen wir wieder lauter werden und den Wählern klar aufzeigen, was sie an der SVP eigentlich haben.

SVP-Präsidium in Dübendorf würde sistiert

Patrick Walder (31) ist von Beruf Treuhänder und vertritt die SVP Dübendorf im Gemeinderat. Zudem präsidiert er die Lokalpartei. Dieses Präsidium wird Walder nun sistieren, solange er Interimspräsident der Zürcher SVP ist. Sein Mandat als Dübendorfer Gemeinderat und Mitglied der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission wird er demgegenüber behalten.

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Sehr aufschlussreich: die SVP Zürich macht genau da weiter, wo sie - mit kurzem stilistischem Unterbruch - aufgehört hat. Man wird wieder "laut". Sie ignoriert thematisch und offensichtlich auch stilistisch die Bedürfnisse eines sehr grossen Teils der Bevölkerung. Das kann allen anderen Parteien bezüglich Wählergunst ja nur Recht sein. Im Herbst wird sich weisen, wie das bei den Wählerinnen und Wählern ankommt.