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«Es liegt an uns, zu zeigen, dass wir keine Alibi-Übung sind»

Jugendparlament Wetzikon gegründet

«Es liegt an uns, zu zeigen, dass wir keine Alibi-Übung sind»

Nun hat auch Wetzikon ein Jugendparlament. An die offizielle Gründungsfeier kamen am Freitag elf Interessierte in den Kronensaal. Dass es sich bei ihrem Engagement um vergebene Arbeitsmühe handelt, bestreiten die Mitglieder.

Tanja
Bircher
Dienstag, 02. April 2019, 09:28 Uhr Jugendparlament Wetzikon gegründet

Aus 17 Personen besteht das frisch gegründete Jugendparlament Wetzikon derzeit. Die Gründungsfeier am Freitagabend hat elf interessierte Jugendliche in den Kronensaal gelockt. Ebenfalls vor Ort waren Gemeinderatspräsident Martin Wunderli (Grüne), Stadtpräsident Ruedi Rüfenacht (EVP) sowie die Gemeinderäte Stefan Lenz (FDP) und Stefan Burch (EVP). Der sechsköpfige Vorstand konnte noch am selben Abend ein neues Mitglied dazu gewinnen.

Das Jugendparlament Wetzikon existiert seit Freitag offiziell. Was bedeutet das jetzt für die Lokalpolitik?
Benjamin Walder: Das wird sich zeigen. Grundsätzlich haben wir als Jugendparlament noch keine speziellen Rechte – dies möchten wir aber erreichen. Eine Idee wäre, dass wir unsere Anliegen bei politischen Themen rund um die Jugend bei der zuständigen Kommission des Gemeinderates vortragen. Dieser Vorschlag fand bereits bei mehreren Politikern aus verschiedenen Parteien Anklang. Eine andere Möglickeit bestünde in einem Anfragerecht im Gemeinderat.

Einfluss auf das politische Geschehen haben Jugendparlamente meist kaum. Ist die Gründung dieses Gremiums nicht vergeudete Arbeitsmühe?
Benjamin Walder: Das hoffen wir natürlich nicht. Mit unserem Ziel, vom derzeitigen privatrechtlichen Verein zu einer öffentlich-rechtliche Institution zu werden, möchten wir gewisse politische Rechte erlangen. Dies benötigt aber eine Änderung der Gemeindeordnung und somit eine Volksabstimmung. Es liegt also nun erst einmal an uns zu zeigen, dass wir keine Alibi-Übung sind und uns mit konkreten Ideen für die Wetziker Jugend einsetzen.

Céline Falco: Vergeudete Arbeitsmühe ist es sicher nicht. Wir mögen zwar alleine nicht wirklich eine Stimme haben, aber in der Gruppe schon.

Alessandro Tell: Zusammen bekommt man ein grösseres Gewicht und kann mit einer gemeinsamen Stimme für etwas einstehen, was man ändern will. Zudem können erste Erfahrungen in der Politik gesammelt und viel gelernt werden; auch wenn ein Projekt oder ein Vorstoss nicht erfolgreich ist. Durch die Erfahrung wird man immer besser.

Vesna Müller: Sich für die eigene Zukunft einzusetzen ist nie vergeudete Arbeitsmühe. Die heutige Politik wird die kommende prägen und somit auch diejenige, die unsere Generation einmal dominiert. Ausserdem ist es nie zu früh, sich für Politik zu interessieren, auch wenn die Auswirkungen gering sind. Politischen Einfluss zu erlangen ist definitiv eines unser kommenden Projekte.

Fühlen Sie sich als Jungpolitiker in Wetzikon ernst genommen oder wird Ihr Engagement auch belächelt?
Walder: An der Gründungsveranstaltung waren mehrere Gemeinde- und Stadträte anwesend. Dies zeigt, dass die Wetziker Jugend und ihre Bedürfnisse durchaus ernst genommen werden.

Falco: Das wird sich noch herausstellen. Bis jetzt haben mir aber alle zugehört und mich ernst genommen.

Wie beurteilen Sie das Interesse an der Gründungsfeier?
Falco: Ich würde es als mittelmässig bezeichnen. Es kamen elf Interessierte. Natürlich wünscht man sich mehr Leute, aber elf Leute für die Gründungsversammlung ist doch schon eine schöne Anzahl.

Walder: Dazu kommt: Fast alle anwesenden Jugendlichen haben sich bereits an der Gründungsfeier für das Jugendparlament angemeldet. 

Welche Themen wird das Jugendparlament als zuerst anpacken?
Walder: An der ersten Vorstandssitzung in einigen Tagen werden wir die Gründungsfeier auswerten und das weitere Vorgehen beschliessen. Geplant ist eine Umfrage bei allen Mitgliedern, um abschätzen zu können, wie wichtig die verschiedenen Fragestellungen für die Jugendlichen sind und welche wir als Vorstand zuerst angehen sollen. An der Gründungsveranstaltung haben wir uns aber bereits über einige konkrete Themen ausgetauscht. Dazu gehörten die Badi Auslikon, das «Okto», der Jugendkredit, Tempo 30, die Oberlandautobahn oder die tiefe Stimmbeteiligung.

Falco: Beim Verkehr und der Gemeinschaftsbildung von Wetzikon besteht ebenfalls Handlungsbedarf. Die Stadt soll mehr zusammenwachsen und wieder ein richtiges Zentrum haben. 

Der Vorstand des Jugendparlament setzt sich wie folgt zusammen: 

•    Präsident Linus Fivian (Junge EVP)
•    Fanny Wissler (Junge Grüne)
•    Alessandro Tell (Junge CVP)
•    Joel Hoff (Jungfreisinnige)
•    Vesna Müller (parteilos)
•    Benjamin Walder (Junge Grüne)
•    Céline Falco (parteilos) 

 

Wer die Gründung des Jugendparlaments nachschauen möchte, kann dies hier tun: 

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