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Abschied nach 30 Jahren

«Das ist die grösste Herausforderung für einen Chor»

Am Sonntag verabschiedet sich der Dirigent Beat Spörri mit seinem letzten Konzert vom Wetziker Madrigalchor. Im Interview spricht er über die Zukunft des Chors und blickt zurück auf seine Höhepunkte aus drei Jahrzehnten Madrigalchor.

Rico
Steinemann
Freitag, 29. März 2019, 18:29 Uhr Abschied nach 30 Jahren

Mit welchen Gefühlen schauen Sie auf Ihr Abschiedskonzert?
Beat Spörri: Da ist einerseits etwas Wehmut, andererseits bin ich froh, wieder etwas abgeben zu können. Eigentlich wollte ich schon nach dem Verdi-Requiem vor einem halben Jahr aufhören. Ich dachte, ich würde als Tenor im Chor mitsingen und mich quasi als Mitsänger verabschieden.

Und dann?
Einige im Chor sagten, sie wollten ein Abschiedskonzert mit mir als Dirigent. Wir haben uns dann vorgenommen, ein reines A-Cappella-Konzert zu machen. Das ist die grösste Herausforderung für einen Chor.

Sie haben im Zusammenhang mit Ihrem Abschiedskonzert auch schon von einer Zäsur gesprochen, die es nun geben werde. Wie geht es weiter mit dem Madrigalchor?
Ich habe immer so kommuniziert, dass der Impuls für die Suche meines Nachfolgers vom Chor selber kommen muss. Der kam dann auch. Eine Gruppe hat sich zusammengetan und das übernommen. Momentan sind wir etwa 50 Mitglieder und gut 30 machen weiter. Derzeit läuft der Suchprozess für meinen Nachfolger. Neu ist auch, dass sich der Chor als Verein organisier und der nächste Dirigent in einem Anstellungsverhältnis stehen wird.

«Etwas vom Eindrücklichsten war für mich die Bruckner F-Moll-Messe»

Sie waren 30 Jahre lang Dirigent des Madrigalchors. Gibt es Momente, die für Sie besonders herausstechen, wenn Sie zurückblicken?
Die gibt es zuhauf natürlich. Das sind vor allem die grossen Konzerte, die wir mit Orchestern gemacht haben. Etwas vom Eindrücklichsten war für mich die Bruckner F-Moll-Messe. Ebenfalls das Brahms-Requiem, die Schöpfung mit dem Leipziger Ballett oder «I have a dream», ein Spiritual-Konzert. Die Chor-Reisen in die Toskana, nach Tirol oder Serbien stechen für mich auch heraus. Im Grunde genommen, war jedes Programm speziell. Es fällt mir schwer, einige besonders herauszuheben.

beat spörri

Gab es Momente, die ihnen schwerfielen und Sie ans Aufhören dachten?
Nein, ich wollte immer so lange weitermachen, wie es geht. Dass ich jetzt aufhöre, hat mit meiner Parkinson-Erkrankung zu tun. Sonst hätte ich weitergemacht. Bis 75 war mein Ziel. Nun bin ich bald 72, ich habe es also fast geschafft (lacht). Wir hatten stets eine gute Stimmung im Chor, einen freundschaftlichen Umgang miteinander. Vor allem aber sangen wir nicht nur, um nachher in die Beiz zu gehen.

«Wir hatten eine grosse Kontinuität und das war für die Qualität des Chores auch entscheidend.»

Sie hatten Ambitionen.
Genau. Die Leute sind wegen des Musikmachens gekommen. Und den tollen Programmen, die wir gesungen haben. Es waren 60 Konzerte mit Werken von über 100 Komponisten in dieser langen Zeit. Wir hatten eine grosse Kontinuität und das war für die Qualität des Chores auch entscheidend.

Wie ich sehe, darf Ihr Liebling Schubert im Programm des Abschiedskonzertes nicht fehlen.
Nein, er muss schon dabei sein. Die beiden Schubert-Lieder habe ich damals als Tenor-Solist oft selber gesungen. Ich habe sie mir quasi selber geschenkt. (lacht) Insgesamt ist es ein abwechslungsreiches und buntes Programm. Teilweise mit Stücken aus unserem Repertoire, das Meiste aber ist neu.

Werden Sie ein paar Abschiedstränen verdrücken?
Kann schon sein. Ich lasse es auf mich zukommen.

Abschiedskonzert von Beat Spörri
Der Sänger, Dirigent und Musiklehrer Beat Spörri leitete während 30 Jahren den von ihm gegründeten Madrigalchor in Wetzikon. Der Musiker mit Jahrgang 1947 war Absolvent des Internationalen Opernstudios der Zürcher Oper und sang als Solo-Tenor im In- und Ausland. Später übernahm er verschiedene Lehrtätigkeiten, unter anderem am Konservatorium in Zürich. Aufgrund seiner Parkinson-Erkrankung legt er seine Tätigkeit als Dirigent des Madrigalchors nieder. Das Konzert mit dem Motto «O, wie schön ist deine Welt» ist Beat Spörris Abschiedskonzert. Es findet am Sonntag, 31. März, um 17 Uhr in der Reformierten Kirche Wetzikon statt.

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