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Jux-Kandidat will in den Regierungsrat

Wer ist Jan Linhart?

Jux-Kandidat will in den Regierungsrat

Ein unbekannter Ustermer mischt seit kurzem bei den Zürcher Regierungsratswahlen mit. Die Stadt Uster kennt Jan Linhart nicht. Seine Kandidatur ist aber anerkannt.

Tina
Schöni
Donnerstag, 14. März 2019, 21:47 Uhr Wer ist Jan Linhart?
Der Regierungsratskandidat Jan Linhart ist in Uster unbekannt.
Facebook

Am Sonntag, 24. März,  stehen die Zürcher Regierungsratswahlen an. 14 Kandidatinnen und Kandidaten wollen in die Kantonsexekutive. Neben den bekannten Kandidierenden, die man als bisherige oder engagierte Wahlkämpfer kennt, sticht ein unbekanntes Gesicht heraus: Jan Linhart, parteilos, Jahrgang 1991, Filmemacher aus Uster.

Auf dem Foto ist Linhart mit Schnauz und lachsfarbener Krawatte mit Leopardenmuster abgebildet. Auf seiner Webseite stellt er sich mit folgenden Worten vor: «Noch nie von mir gehört? Kein Ding. Ich bin freier Abgeordneter, wohne in Uster und habe Schuhgrösse 42». Linhart bezeichnet sich weiter als «ein Mann, der die Sehnsüchte seines Volkes versteht» und stellt auch auf seiner Facebook-Seite klar, dass er als «einziger Regierungsrat die wahren Probleme des Kantons am Kragen» packen will.

Auf der Webseite präsentiert Linhart eine kaum ernstzunehmende Liste: Unter anderem wolle er «alle Plastik-Hundesäckchenspender mit biologisch abbaubaren Säckchen ersetzen» und Damenartikel aus ökologischen Materialien importieren. Zudem fordert er, dass Zürcher Mac-Donalds-Filialen in Gemeinschaftsateliers für Kulturschaffende umfunktioniert werden und die Stadt Zürich jährlich zehn 1. Klasse Generalabonnements unter den Einwohnern verlost.

Unbekannt in Uster

Bei der Stadt Uster wirft Linhart Fragezeichen auf. Jörg Schweiter, stellvertretender Stadtschreiber von Uster, ist der Name nicht bekannt. «Von diesem Kandidaten höre ich jetzt zum ersten Mal.» Grundsätzlich sei es jedem Stimmberechtigten im Kanton Zürich gestattet, sich für die Kantonswahlen aufzustellen. «Ob man eine reelle Chance hat, gewählt zu werden, ist aber eine andere Frage», so Schweiter.

Mögen die Motive Linharts auch satirischer Art sein, wird seine Kandidatur doch berücksichtigt. Stephan Ziegler, Leiter Wahlen und Abstimmungen des Statistischen Amts Zürich, bestätigt das. «Jan Linhart hat sich Anfang März bei uns gemeldet und gesagt, dass er zur Wahl für den Regierungsrat antritt.»

«Die rechtliche Grundlage unterscheidet nicht zwischen scherzhafter und seriöser Kandidatur.»

Stephan Ziegler, Statistisches Amt Zürich

Ob es sich dabei um einen Witz handelt, oder die Aktion ernst gemeint ist spiele keine Rolle. Ziegler sagt: «Die rechtliche Grundlage unterscheidet nicht zwischen scherzhafter und seriöser Kandidatur.» Jede Kandidatur werde gleich behandelt. Linhart sei deshalb – wie die anderen Kandidierenden, die sich öffentlich zur Wahl stellten – auf der Webseite des Kantons aufgeschaltet worden. Diese diene den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern zur Übersicht.

Das kantonale Wahlbüro hat festgelegt, dass die Stimmen für Jan Linhart am Wahlsonntag separat ausgezählt werden. Stimmen für alle anderen wählbaren Kandidatinnen und Kandidaten, die sich nicht öffentlich zur Wahl gestellt haben, werden unter der Rubrik «Vereinzelte» ausgezählt.  

Satirische Auftritte verschiedener Medien
Das Vorbild für den offensichtlich satirischen Auftritt dürfte aus Deutschland kommen. Das Satiremagazin Titanic sorgte vor ein paar Jahren mit einer vergleichbaren Aktion für Aufsehen. 2004 gründeten Titanic-Redakteure unter Chefredakteur Martin Sonneborn «die Partei». Im Folgejahr nahmen sie an der Bundestagswahl teil. Im Mai 2013 zog ein Kandidat in die Legislative, die Lübecker Bürgerschaft, ein, zudem errang «die Partei» zahlreiche Mandate auf kommunaler Ebene und ergatterte bei der Europawahl 2014 gar einen Sitz im Europäischen Parlament.
Auch ein Jugendmagazin eines grossen Schweizer Medienhauses bedient sich gern satirischer Mittel. Mit seinen Scherzen und Streichen sorgte es in der Vergangenheit auch im Raum Uster für Aufsehen. Die Kantons- und Regierungsratswahlen hat das Portal in seinen Videos vor kurzem ebenfalls aufgegriffen. So nahm das Magazin etwa einen SVP-Kantonsratskandidaten mit einem getarnten Telefonstreich auf die Schippe. Ob es sich bei der Kandidatur von Linhart um einen weiteren Scherz dieses Onlineportals handelt, konnte die Redaktion auf telefonisches Nachfragen nicht sagen. Auch der junge Regierungsratskandidat war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. (tis)

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