×

Jetzt fahren im Vollzugszentrum die Bagger auf

Baustart in Ringwil

Jetzt fahren im Vollzugszentrum die Bagger auf

Das neue Vollzugszentrum Bachtel ist umstritten, gebaut wird jetzt trotzdem. Am Donnerstagmorgen kamen zwei Regierungsräte zum Spatenstich.

David
Kilchör
Donnerstag, 14. März 2019, 11:27 Uhr Baustart in Ringwil

Besorgte Mitarbeiter, ein Postulat im Kantonsrat und etliche Anfragen: Das Neubauprojekt des Vollzugszentrums Bachtel (VZB) stand in den vergangenen Monaten hart in der Kritik. Grund dafür war der befürchtete Abbau in der Landwirtschaft. Die heutige Mutterkuhhaltung wird es in Zukunft nicht mehr geben. Verhindern konnten die Kritiker den Neubau nicht, die fünf neuen Gebäude werden wie geplant gebaut. Und an diesem Donnerstagmorgen ist Baubeginn mit Spatenstich und einiger Politprominenz.

Theo Eugster, Direktor Vollzugseinrichtungen des Kantons Zürich, findet in seiner Ansprache, es liege eine Spannung in der Luft, hier in Ringwil. Und das schon seit Jahren. «Die Mitarbeiter fragten sich lange Zeit, wann und was wohl gebaut wird. Und: 'Vergessen die in Zürich, wie es uns hier geht?'» Eugster spricht dabei nicht zuletzt einen offenen Brief an die Justizdirektion der Mitarbeiter an, in dem sie ihrem Unmut über das geplante Bauprojekt Luft machten.

«Jetzt weicht die Spannung langsam.

Theo Eugster, Direktor Vollzugseinrichtungen

Dazu kommt die langjährige Ungewissheit: Projektstart war vor mittlerweile 13 Jahren. Laut Eugster haben allein drei Zentrumsleiter die Planung miterlebt, dazu kommen mehrere Regierungsräte und Direktionsmitarbeiter. «Jetzt aber weicht die Spannung langsam. Der heutige Tag ist ein wichtiger Meilenstein.»

Regierungsräte sprechen von Politikum

Mit Justizdirektorin Jaqueline Fehr (SP) und Baudirektor Markus Kägi (SVP) sind auch gleich zwei Regierungsräte in Ringwil zugegen. Beide bezeichnen das Projekt als diffiziles Politikum. Fehr sagt zu den diversen Anfragen und Vorstössen: «Die Diskussionen dienten dem Projekt. Sie waren gut. Sie waren auch mühsam. Ja, das waren sie manchmal wirklich. Aber sie waren gut.» Denn die Hartnäckigkeit der Gegner habe dem Projekt letztlich die Konstenz und Klarheit gegeben, die es benötigt habe. «Heute ist es verankert und steht auf einem politisch tragfähigen Boden.»

Auch Kägi spricht von langwierigen Diskussionen, unterstreicht jedoch die Notwendigkeit des Neubaus. «Die Vollzugsanstalt war bislang ein Weiler, eine Ansammlung von Gebäuden, die teils in schlechtem Zustand sind. Die unterschiedlichen Nutzungen macht die Anlage unübersichtlich und verunmöglicht eine nachhaltige Entwicklung.»

«Für die Insassenbereiche werden keine Provisorien benötigt.»

Markus Kägi (SVP), Baudirektor

Er erörtert das Projekt mit vier neuen Gebäuden, das 30 zusätzliche Plätze schafft und mit einem «modularen Raumkonzept» sehr flexibel nutzbar sei. 94 Insassen, dazu 50 Mitarbeiter wird die künftige Kapazität sein. Logistisch herausfordernd ist laut Kägi indes die Bauphase. Das Vollzugszentrum bleibe permanent in Betrieb, wofür umfangreiche Provisorien notwendig seien. «Für die Insassenbereiche werden aber keine Provisorien benötigt.»

Provisorien stehen bereits

Laut Eugster steht bereits ein Teil dieser Provisorien. Zum einen sind dies beheizte Container, teils auf mehreren Stöcken angeordnet, die auf dem bebauten Gelände stehen. Zum anderen sind dies zeltartige Hallenbauten auf dem Landwirtschaftsgelände, die als Lager und Werkstatträume genutzt würden. Dabei handle es sich nicht um mobile Ställe, über deren künftige Nutzung unter den Mitarbeitern zeitweilig Gerüchte umgingen. Eugster: «Ein mobiler Hühnerstall ist tatsächlich in Betrieb.» Das mache insofern Sinn, als dass damit nicht permanent derselbe Bereich des Landes genutzt werde.

Eugster sagt aber auch, dass der Neubau ein Bruch mit der Geschichte des Vollzugszentrum sei. «Bislang handelte es sich um einen Landwirtschaftsbetrieb mit Vollzugsauftrag. Künftig soll die Anlage ein Vollzugszentrum mit landwirtschaftlicher Ausrichtung sein.» Er bestätigt damit, dass die Landwirtschaft als Betriebszweig in Ringwil an Bedeutung verlieren wird.

«Das Ganze soll ein Weiler bleiben.»

Markus Kägi

Kägi indes ist der Meinung, dass trotz Neubau der Charakter der Anlage nicht verloren geht. Immerhin trage das Bauprojekt den Namen «das Gehöft». Im Gegensatz zu anderen Vollzugsanstalten, die sich dezidiert von der Umgebung abgrenzen wollten, gliedere sich dieses Bauprojekt ein, zumal die Umgebung landschaftlich sensibel und teils geschützt sei. «Das Ganze soll ein Weiler bleiben», sagt er und fügt schalkhaft an: «Ein Weiler zum unfreiwilligen Verweilen.»

Kägis letzter Spatenstich

Das Projekt soll bis im Frühling 2021 fertig gebaut sein. Ab dann wird auch das Gefängnis Meilen in Ringwil integriert. Kägi selber wird das nicht mehr an vorderster Front begleiten. Er sagt: «Es gibt ja diese Diskussion, ob es korrekt ist, von einem Spatenstich zu reden oder ob es nicht erster Spatenstich heissen müsste.» Er habe eine weitere Variante: «letzter Spatenstich». Für Kägi ist dieser Anlass der letzte solche in seiner zwölfjährigen Amtszeit.

An der Einweihung werde er nicht mehr dabei sein, so Kägi und grinst. «Hoffentlich auch nicht unfreiwillig.» Er werde den Verlauf des Baus in den Medien weiterverfolgen. «Für mich war das ein langes und grosses Projekt mit positivem Ausgang. Das interessiert mich auch noch, wenn ich nicht mehr im Amt bin.»

Kommentar schreiben

Kommentar senden