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Grabschmuck-Klau auf Wetziker Friedhof

Angehörige geschockt

Grabschmuck-Klau auf Wetziker Friedhof

Anfang März kam auf dem Friedhof Wetzikon Schmuck von einem Grab weg. Die Angehörigen sind entsetzt. Der mutmassliche Diebstahl ist kein Einzelfall.

Annette
Saloma
Donnerstag, 14. März 2019, 05:15 Uhr Angehörige geschockt
Bettina Lätsch beim Grab ihrer Grossmutter. Schon mehrmals kam Grabschmuck weg.
Bild: Christian Merz

Ein weisser Engel sitzt auf der Erde zwischen verschiedenen Pflanzen. Eine Laterne, eingerahmt von zwei Töpfchen mit Hyazinthen, steht auf einem Sockel davor.

Das Grab von Lucia Brack-Vitalini, die 2015 im Alter von 90 Jahren starb, ist liebevoll gepflegt. Von den beiden Töchtern und der Enkelin der Verstorbenen, die regelmässig auf den Friedhof Wetzikon kommen.

«Nicht einmal vor den Toten machen solche Leute Halt.»

Bettina Lätsch, Angehörige

Doch als Enkelin Bettina Lätsch anfangs März wieder kam, erlebte sie eine böse Überraschung. «Fünf silberne Dekokugeln, die wir auf dem Grab arrangiert hatten, waren weg», erzählt sie. Für sie ist klar: Die Kugeln wurden gestohlen. «Ich sehe immer mal wieder komische Gestalten hier herumschleichen und auch in den Abfalleimern wühlen.» 

Kein Einzelfall

Bettina Lätsch ist fassungslos. «Ich finde das eine absolute Frechheit und gleichzeitig himmeltraurig», sagt die Wetzikerin. «Nicht einmal vor den Toten machen solche Leute Halt. Das ist armselig und respektlos.» Das Ganze verletze sie und mache sie gleichzeitig stinksauer.

«Wie kann man derart frech sein?»

Bettina Lätsch, Angehörige

Es ist nicht das erste Mal, dass etwas vom Grab ihrer Grossmutter verschwindet. Vor zwei Jahren war es eine Laterne. «Das macht mich total wütend», sagt sie. «Wie kann man derart frech sein?»

Ihre Grossmutter habe viel Temperament gehabt, sagt Bettina Lätsch. «Die hätte so jemandem schön die Meinung gesagt.» Die neue Laterne, die sie nach dem ersten Vorfall kaufte, ist fest auf ihrem Sockel befestigt und deshalb schwierig einfach mitzunehmen.

Die neue Laterne ist fest am Sockel befestigt und kann nicht so einfach mitgenommen werden. (Bild: Christian Merz)

Offenbar ist Bettina Lätsch nicht die einzige Betroffene: Unter ihrem Beitrag, den sie auf Facebook in einer Wetziker Gruppe veröffentlichte, berichten auch andere Angehörige von Grabschmuck-Diebstählen.

«Leider fängs normal uf eusem Friedhof», meint eine Frau und eine andere schreibt: «Das kommt leider immer wieder vor ... Habe aufs Grab von meinem Lebenspartner einen kleinen Engel hingestellt. War auch weg ...» Sie habe mehrmals einen Neuen hingestellt - jedes Mal sei er wieder verschwunden.

Auch andere Angehörige berichten davon, dass Grabschmuck gestohlen wurde. (Bild: Christian Merz)

Beim Bestattungsamt Wetzikon hat man Kenntnis davon, dass es in Wetzikon, wie auch auf anderen Friedhöfen, zu vereinzelten Grabschmuck-Diebstählen oder sogar kleineren Vandalenakten komme. «Wobei sich bei den Vandalenakten auch schon herausgestellt hat, dass Füchse Grabkerzen, Teddys und weitere Dinge von den Gräbern schnappen, mit diesen spielen und die beschädigten Gegenstände einige Meter entfernt vom ursprünglichen Grab liegen lassen», sagt Priska Bietenhader, Leiterin des Bestattungsamts Wetzikon.

«Ich glaube daran, dass man erntet, was man sät.» 

Bettina Lätsch, Angehörige

Präventiv etwas gegen Diebstähle zu tun, sei schwierig. «Der Friedhof ist ein öffentlicher Ort der Begegnung und Trauer, weshalb dieser auch für die berufstätigen Angehörigen und Besucher jederzeit zugänglich sein muss und nicht um 17 Uhr abgeschlossen werden kann», sagt Bietenhader weiter. «Um solchen unerfreulichen Vorfällen aber ein wenig entgegenzuwirken, patroulliert die Stadtpolizei auch um und manchmal im Friedhof.»

Bettina Lätsch hat den Diebstahl nicht gemeldet, weder bei der Friedhofsleitung noch bei der Polizei. Und sie will auch weiterhin das Grab schmücken und sich nicht vom Vorfall beirren lassen. «Die Person, die es geklaut hat, wird ihre Strafe bekommen», sagt sie. «Ich glaube daran, dass man erntet, was man sät.» 

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