×

ETH-Präsident entschuldigt sich bei Mobbing-Betroffenen

Was macht die Empa in Dübendorf?

ETH-Präsident entschuldigt sich bei Mobbing-Betroffenen

Zwei Forschende sollen an der Empa Doktorierende gemobbt und von ihnen abgeschrieben haben. Die Forschungsanstalt in Dübendorf hat im Einzelfall Konsequenzen gezogen. Die ETH Zürich kündigt derweil an, mit einem Massnahmenkatalog auf ähnliche Fälle zu reagieren. Die Hochschule habe nämlich auch als Institution Fehler gemacht.

Laura
Cassani
Donnerstag, 14. März 2019, 11:24 Uhr Was macht die Empa in Dübendorf?

Es sind happige Vorwürfe, mit denen sich ein Professor und eine Laborleiterin an der Forschungsanstalt Empa in Dübendorf öffentlich konfrontiert sehen: Sie sollen Doktorierende gemobbt und von ihnen abgeschrieben haben. Die Wissenschaftlerin wurde von ihrer Funktion als Laborleiterin freigestellt und sie wird die Empa, die zweitgrösste Forschungsanstalt des ETH-Bereichs, Ende 2020 verlassen.

Da der Professor formell von der ETH Zürich angestellt ist, hat die Empa nichts mit seinem Anstellungsverhältnis zu tun. Gegen beide wurde aber eine Untersuchung wegen mutmasslichen wissenschaftlichen Fehlverhaltens – nicht aber wegen der Mobbingvorwürfe – eingeleitet. Je ein separates an der Empa und an der ETH Zürich.

Für die Empa handelt es sich bei den Mobbing- und Plagiatsvorwürfen gegen die von ihnen angestellte Laborleiterin um einen Einzelfall, sagt Mediensprecher Hagmann.

ETH Zürich: «Keine Einzelfälle»

Keine Einzelfälle sind für den neuen ETH-Präsidenten Joël Mesot die Vorwürfe, die gegen einzelne seiner leitenden Mitarbeitenden in den vergangenen Monaten geäussert wurden. Er trat heute vor die Medien – nachdem es lange still gewesen war in der Führungsetage der technischen Hochschule.

In den letzten Monaten war es nämlich nicht nur in der Empa, sondern auch bei der ETH Zürich zu Problemfällen gekommen. Beide Institutionen gehören zum ETH-Bereich, sind aber organisatorisch voneinander unabhängig. An der ETH Zürich äusserten verschiedene Angestellte – allen voran Doktorierende – öffentlich schwere Vorwürfe gegen ihre Vorgesetzten.

«Ich möchte im Namen der ETH alle um Verzeihung bitten, die vom Fehlverhalten ihrer Vorgesetzten betroffen waren.»

ETH-Präsidentin Joël Mesot

Gegen einen ETH-Architekten steht der Vorwurf der sexuellen Belästigung im Raum – er verliess die Hochschule. Am Institut für Astronomie ging es um Mobbingvorwürfe – jetzt soll die Professorin entlassen werden. Am Departement für Biosysteme läuft eine Administrativ-Untersuchung und am Departement für Maschinenbau und Verfahrenstechnik eine Untersuchung wegen möglichen wissenschaftlichen Fehlverhaltens.

«Ich bitte um Verzeihung»

An seiner ersten Medienkonferenz als neuer ETH-Präsident entschuldigte sich Joël Mesot nun bei den betroffenen Angehörigen der Hochschule. Er sagte laut Medienmitteilung: «Ich möchte im Namen der ETH alle um Verzeihung bitten, die vom Fehlverhalten ihrer Vorgesetzten betroffen waren.» Gleichzeitig räumte Mesot laut der Nachrichtenagentur SDA ein, bisweilen hätten die Kommunikationswege bei konkreten Meldungen nicht immer funktioniert und so hätten betroffene Mitarbeitende nicht schnell genug geschützt werden können.

An der Seite von ETH-Rektorin Sarah Springman kündigte Mesot an, dass verschiedene Massnahmen ergriffen werden, um «solche Eskalationen» künftig zu vermeiden. Die ETH schreibt, man habe «aus den jüngsten Erfahrungen – auch aus den Fehlern, die die ETH als Institution begangen hat» – Lehren gezogen. Jetzt sollen Prozesse und Strukturen verbessert werden.

Weniger Druck ausüben

Besonderen Fokus wird dabei auf die Führungskompetenz der Professorinnen und Professoren gelegt. Viele Betroffene wie auch Expertinnen und Experten hatten im Zusammenhang mit den diversen Mobbing-Vorwürfen gefordert, dass die Abhängigkeit zwischen Doktorierenden und ihren Vorgesetzten – die gleichzeitig auch über die wissenschaftliche Karriere ihrer Angestellten entscheiden – verringert wird.

Die ETH kündigt nun unter anderem an, es werde ab sofort ein «umfangreiches Einführungsprogramm» für neue Führungspersonen und ein «Leadership-Programm» geben. Neu werden zudem den Doktorierenden mindestens zwei Betreuungspersonen zur Seite gestellt. Ebenfalls kündigt die ETH an, dass die Anstellungsverträge mit Nachwuchsforschenden so gestaltet werden sollen, dass «kein Druck» mehr ausgeübt werden kann.

«Er deutet damit an, dass es an der ETH Zürich einen Kulturwandel geben wird.»

Salome Adam, Doktorierende und Dachverband Actionuni

Und auch in Konfliktsituationen will die ETH künftig besser reagieren. Unter anderem werde die Ombudsstelle personell aufgestockt und das «Case Management» für Konfliktfälle ausgebaut, um schneller reagieren zu können.

Erfreute Doktorierende

Salome Adam, Ko-Präsidentin von Actionuni, der Dachorganisation des wissenschaftlichen Mittelbaus der Schweizer Hochschulen, ist erfreut darüber, dass sich der ETH-Präsident bei den Betroffenen entschuldigt hat. «Er deutet damit an, dass es an der ETH Zürich einen Kulturwandel geben wird. Offenbar sieht er ein, dass es institutionelle Rahmenbedingungen gibt, die so ein Verhalten decken oder auch fördern können.»

Die Vertreterin der Doktorierenden zeigt sich besonders erfreut darüber, dass der neue Massnahmenkatalog öffentlich ist. «An diesem wird sich die ETH in den nächsten Jahren messen lassen müssen – und können.»

Keine konkreten Massnahmen an der Empa

An der Medienkonferenz der ETH Zürich waren die Empa und die dortigen Mobbing- und Plagiatsvorwürfe kein Thema.

Die Empa plane auch keinen ähnlichen Vorstoss wie die ETH Zürich, sagt Mediensprecher Michael Hagmann. «Wir sehen zum jetzigen Zeitpunkt keinen Grund, strukturelle Veränderungen zu veranlassen.» Zum einen sei die Empa viel kleiner als die ETH Zürich, zum anderen habe man bislang keinerlei Anlass für weitreichende Änderungen gehabt.

«Wir sehen zum jetzigen Zeitpunkt keinen Grund, strukturelle Veränderungen zu veranlassen.»

Michael Hagmann, Empa-Mediensprecher

Man werde sich die Massnahmen, die der ETH-Präsident propagiert, aber anschauen. «Alles, was sinnvoll und zielführend ist, werden wir gerne in unsere Richtlinien übernehmen», so Hagmann. Im «Einzelfall» wurden die Konsequenzen mit dem geplanten Abgang der Laborleiterin bereits gezogen.

Kommentar schreiben

Kommentar senden