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Lunchtalk mit Peter Organ

Das Blut zieht sich durch seine vier Berufe

Im Lunchtalk erzählte der Ustermer Peter Organ, wie er es bis nach Hollywood geschafft hat. Inzwischen finanziert er Horrorfilme, schreibt nachts gruslige Romane und auch bei Tage wird es nicht selten blutig – bei der Arbeit als Zahnarzt.

Laurin
Eicher
Montag, 04. März 2019, 18:39 Uhr Lunchtalk mit Peter Organ
Lunchtalk mit Peter Organ (Teil 1). Teil 2 finden Sie unten im Text.

Er ist der wohl düsterste Hollywood-Export der Schweiz. Peter Organ, ein in Uster aufgewachsener gebürtiger Pole, stand bereits mehrmals in der Rolle als Gangster vor der Kamera. Unter anderem mit Jean-Claude Van Damme – dem Film-Haudegen schlechthin. Angefangen habe alles mit einem glücklichen Zufall, durch den er als Schauspieler in das Filmbusiness hineingerutscht sei, so sagt er. Seit etwas mehr als zwei Jahren investiert Organ zudem als Produzent sein Geld in Filme. In der Schweiz, fernab der Traumfabrik ist sein Leben dagegen eher unspektakulär. Organ arbeitet als Zahnarzt in einer Praxis, die er zusammen mit seiner Mutter betreibt. Daneben schreibt er Bücher mit Horror-Geschichten.

Die Lounge TOP77 im Einkaufszentrum war gestern Mittag bis auf den letzten Platz besetzt. Einige mussten gar im Innenhof des Zentrums Platz nehmen. Sie alle kamen, um den «Tausendsassa» aus Uster zu sehen, der es dorthin geschafft hat, wo viele gerne wären: Die amerikanische Filmindustrie.

Lunchtalk mit Peter Organ (Teil2). (Video: Tele Top)

«Es klingt wie ein Märchen», sagt Moderator Stefan Nägeli einleitend zu Organs Werdegang. Organ erhielt seine erste Filmrolle, als er in Polen einen Freund zu einem langen Casting begleitete (wir berichteten). «Als der Regisseur eine Pause machen wollte sagte ich, dass ich das Scheisse finde.» Der Regisseur habe dann befunden, dass sein Ausraster des Charakters des polnischen Mafia-Komplizen entspricht.

Peter Organ auf dem Set von «Kill'em All» in den USA. (Bild: zvg)

500 Leute angesprochen

Nach einer Schauspielausbildung zog es Organ dorthin, wo die ganz grossen Filme gedreht werden. In Los Angeles habe er rund 500 Leute auf der Strasse und in Läden angesprochen, um an eine Filmrolle zu gelangen. Was aus heutiger Sicht unbeholfen klingt, hat sich für Peter Organ ausbezahlt. Er erhielt eine Nebenrolle im Film «Kill’em All», an der Seite von Jean-Claude Van Damme. «Im Film sollte ich ihn als russischen Auftragsmörder umbringen. Am Ende wurde jedoch ich von ihm getötet», erzählt Organ.

Darauf folgte ein weiterer Streifen, bei dem er nicht nur mitspielte, sondern auch erstmals als ausführender Produzent bei der Finanzierung mitwirkte. Er und seine Produzenten hätten viel Geld auftreiben müssen. Etwa, um die hohe Gage von 400‘000 Dollar für die Schauspielerin Lindsay Lohan bezahlen zu können.

Auch wenn sie zu ihm nett gewesen sei, sei sie «eine schwierige Persönlichkeit, die Männer wie Spielzeuge behandelt», sagt Organ. Teile des Films, der von Werwölfen und Vampiren handelt, wurden auf Vorschlag von Organ in Zürich und in Feusisberg, Kanton Schwyz, gedreht.

Eine Szene eines Filmes mit Peter Organ.

Als Bub Werwölfe gesucht

Ob er denn nicht gerne auch einmal eine romantische Rolle verkörpern würde, wollte Nägeli wissen. «Nein ich will Actionfilme drehen», sagt Organ dezidiert. Und fügt an, dass er auch schon einen Frauenmörder gespielt habe. Organ ist so sehr von der Narration angetan, dass er sich nicht auf die audiovisuelle Erzählweise beschränken will.

Ein Buch, einen Horrorthriller, hat er bereits veröffentlicht. Das zweite ist schon fertig geschrieben, das dritte hat er zu schreiben begonnen. Inspiration für seine Geschichten seien Horrorfilme gewesen, die er als Kind von seinem Vater bekam. «Zudem war ich als Junge oft nachts im Wald bei Sulzbach mit meiner Lampe unterwegs auf der Suche nach Werwölfen», erzählt Organ.

Die Geschichten schreibt er meist nachts am Laptop bei einem polnischen Vodka der besonderen Art. «In der Flasche steckt ein Strohhalm, auf den zuvor ein Bison uriniert hat.» Dieser besondere Tropfen sei in Polen legendär. Schlaf brauche er nur wenig. «Vier bis fünf Stunden genügen.»

Peter Organ und Stefan Nägeli bei der Aufzeichnung des Lunch-Talks.
Christian Merz

Geld in den USA parkiert

In diesen Monaten, wo Organ in der Schweiz weilt, arbeitet er vorwiegend als Zahnarzt zusammen mit seiner Mutter in der gemeinsamen Praxis in Hittnau. Die Vorstellung des Hollywood-Schlägers, der in weissem Kittel Menschen mit grosser Sorgfalt und Präzision behandelt, erstaunt Moderator Nägeli. Doch: «Besonders Zähne zu ziehen ist anspruchsvoll und braucht viel Kraft», sagt Organ. Am liebsten arbeite er jedoch mit dem Skalpell am Zahnfleisch. Und damit haben die Tätigkeiten Filmproduzent, Buchautor und Zahnarzt, die Organ ausübt, eines gemeinsam: Es muss Blut fliessen.

Wieviel Organ mit seinen Filmen in den USA verdient will er nicht sagen. Doch: «Dieses Geld habe ich in den Staaten parkiert, da ich bei einem Transfer in die Schweiz zirka 35 Prozent Steuern bezahlen müsste.» Dennoch hat er sich in seiner Heimat etwas amerikanischen Lifestyle gegönnt. Er habe sich einen «Dodge Challenger Hellcat» mit 6,2 Liter Hubraum und 728 PS geleistet. «Mit diesem fahre ich bisweilen nach Deutschland, um ihn auf 300 Kilometern pro Stunde hochzujagen.»

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