×

«Umweltfreundlichkeit soll von Politikern vorgeschrieben werden»

Fehraltorferin über die Klimademonstrationen

«Umweltfreundlichkeit soll von Politikern vorgeschrieben werden»

Janine Wetter aus Fehraltorf studiert Umweltwissenschaften an der ETH und war letzten Sommer in der Arktis, um die Auswirkungen des Klimawandels zu erforschen. Jetzt ist sie Teil der Klimabewegung und kämpft an vorderster Front mit.

Talina
Steinmetz
Sonntag, 24. Februar 2019, 15:16 Uhr Fehraltorferin über die Klimademonstrationen

Janine Wetter aus Fehraltorf verbrachte den letzten Sommer in der Arktis, um den Klimawandel zu erforschen. Schon damals beurteilte die 22-Jährige die Entwicklungen als erschreckend. «Es sind längerfristige Einschränkungen nötig, damit sich etwas ändert», war damals ihr Fazit. Das fordern auch tausende Schüler, die regelmässig auf die Strasse gehen und gegen Klimawandel demonstrieren. Für Janine Wetter eine Bewegung, die aufzeigt, wie ernst die Situation ist. 

Tausende Jugendliche gingen in den letzten Wochen auf die Strassen, um für das Klima zu demonstrieren. Wie beurteilen Sie diese Bewegungen?
Janine Wetter: Ich bin total begeistert, dass so etwas entstehen konnte und die Leute beginnen, sich zu engagieren. Das zeigt, dass der Klimawandel etwas in ihnen auslöst. Immerhin geht es um die Zukunft unserer Kinder und deren Kinder und so weiter. Ich engagiere mich, seit ich vor fünf Jahren zum ersten Mal in der Antarktis war. Vor Ort wurde mir sichtlich bewusst, welche negativen Auswirkungen der Klimawandel auf unseren Planeten hat und das unbedingt etwas getan werden muss.

Kaum ist ein Klimastreik beendet, folgt der nächste. Läuft man damit nicht Gefahr, dass die Thematik nicht mehr ernst genommen wird?
Diese Frage könnte man sich bei allen Demonstrationen stellen. So wie ich es beurteile, hat das Thema nach wie vor Gewicht. Die Stimmung ist sehr positiv, die Leute hören uns zu. Dass in kurzen Zeitabständen demonstriert wird zeigt, dass das Interesse der Leute da ist und sie nicht aufgeben, bis sich etwas ändert. Wir können nicht weiterhin auf die Kosten unseres Planeten leben. Wir haben es jedoch selber in der Hand, was getan wird und was nicht. Demonstrationen sind dabei ein erster wichtiger Schritt.

Haben Sie das Gefühl, dass die Demonstrationen bereits zu einem Umdenken in der Bevölkerung führen?
Ja, ich denke schon. Vergleicht man die Zahlen der Demonstranten mit Deutschland, sticht die Schweiz heraus. In unserem Nachbarland demonstrierten im Januar  landesweit 25‘000 Personen, in der Schweiz waren es 60‘000. Die Aufklärungsrate und Sensibilisierung ist also sehr hoch, das Thema bewegt die Schweizer. Ein springender Punkt ist, dass sich vor allem die Jugend dafür engagiert. Hier läuft sehr viel im Hintergrund. Jugendliche organisieren beispielsweise Podiumsdiskussionen mit Politikern, um über das Thema zu sprechen. Solche Aktionen braucht es, damit sich etwas ändert.

Welche konkrete Forderung haben Sie an die Schweizer Klimapolitik?
Es muss dafür gesorgt werden, dass unsere Gesellschaft umweltfreundlicher wird. Schon heute wird vermehrt der Müll getrennt, versucht, auf Plastik zu verzichten und weniger Fleisch gegessen. Umweltfreundlichkeit sollte aber bis zu einem gewissen Grad auch von der Politik vorgeschrieben werden und nicht mehr nur freiwillig praktiziert werden. So könnte man zum Beispiel eine Flugsteuer erheben oder die Co2-Abgaben erhöhen. Es kann doch nicht sein, dass eine Zugfahrt, die viel umweltfreundlicher ist, doppelt so teuer ist wie ein Flug für dieselbe Strecke.  

Wie zeigt sich der Klimawandel in der Schweiz?

Durch die steigende Erderwärmung schmilzt der Permafrost. Schichten unterhalb der Erdoberfläche tauen auf. Das kann vermehrt zu Bergstürzen und Erdrutschen führen. Auch der Hitzesommer letztes Jahr zeugt vom Klimawandel – gemäss Forschern wird diese Hitze je länger je mehr zur Normalität. An Orten wie in der Arktis ist der Klimawandel stärker sichtbar, da man fast schon zuschauen kann, wie die Gletscher wegschmelzen. Die unsichtbaren Folgen sind aber genauso schlimm – nur weil man den Klimawandel hier nicht so stark spürt, bleibt die Schweiz nicht von ihm verschont.

Kommentar schreiben

Kommentar senden

Artikel über Janine Wetter:
Im Text weist Frau Wetter darauf hin, dass der Klimawandel negative Folgen habe. In der Bildunterschrift steht, sie setze sich FÜR DEN KLIMAWANDEL ein. Ja, was jetzt? Ein bisschen mehr Sorgfalt im schriftlichen Ausdruck wäre mehr als angebracht.