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Mobbing- und Plagiatsvorwürfe gegen Empa-Professoren

Forschungsinstitut in Dübendorf

Mobbing- und Plagiatsvorwürfe gegen Empa-Professoren

An der Empa in Dübendorf stehen eine Professorin und ein Professor in der Kritik. Das Paar soll seine Mitarbeiter schikaniert und sich mit fremden Federn geschmückt haben.

Redaktion
Züriost
Freitag, 22. Februar 2019, 06:20 Uhr Forschungsinstitut in Dübendorf
Schlechte Publicity für die Dübenorfer Empa: Zwei Professoren sollen ihre Mitarbeiter gemobbt haben.
Archivfoto: Züriost

Die Vorwürfe sind happig: Ein Professor und eine wissenschaftliche Mitarbeiterin sollen an der Empa in Dübendorf jahrelang gemeinsam gemobbt haben. Auch Plagiate soll das Paar produziert haben. Ein Empa-Forscher erzählt dem «Tages-Anzeiger», wie der Professor ihn geschnitten habe. Seine Mails seien ignoriert und eine Zusammenarbeit dadurch verunmöglicht worden.

Ein ehemaliger Doktorand erzählt von regelmässigen nicht nachvollziehbaren Kündigungen. Auch habe das Paar seine Forscher unter unmenschlichen Druck gesetzt und alle zwei Wochen Resultate sehen wollen.

Zwei Plagiats-Fälle bekannt

Der schwerste Vorwurf betrifft wissenschaftliche Fehlleistungen. Dem «Tages-Anzeiger» liegen zwei der betroffenen Doktorarbeiten vor. Die Professoren sollen aus einer Doktorarbeit ein ganzes Kapitel für die Publikation eines Papers entnommen haben – ohne den eigentlichen Urheber zu zitieren. Für ein weiteres Paper wurden Grafiken einer Doktorarbeit ohne Quellenangabe entnommen.

Seit 2008 ist der Professor an der ETH angestellt, die Empa ist die zweitgrösste Forschungsanstalt des ETH-Bereichs. Er erhielt damals mit einer Professur an der ETH sowie der Leitung einer Empa-Abteilung ein Doppelmandat. Auf seinen Wunsch hin durfte seine Lebenspartnerin im selben Departement arbeiten. Vor zwei Jahren gab er seine Abteilungsleitung in der Empa an seine Partnerin ab.

Mobbingvorwürfe werden nicht untersucht

Im «Tages-Anzeiger» lassen die Forscher auch kein gutes Haar an der Empa-Direktion, welche aus ihrer Sicht eine Mitschuld an der Situation trifft. Mehrere Doktoranden unternahmen mehrere Anläufe, um auf den Missstand aufmerksam zu machen. Erst letzten Oktober kündigten die ETH und die Empa an, die wissenschaftliche Korrektheit in der Arbeit des Paares zu prüfen. Nicht untersucht werden der Mobbing-Vorwurf und die arbeitsrechtlichen Fragen. Die aktuellen Anschuldigungen würden dafür nicht ausreichen, so die ETH.

Der Professor darf seine Professur an der ETH vorläufig behalten. Seine Freundin ist momentan krankgeschrieben, soll im März aber an die Empa zurückkehren. Der Anwalt des Paars schreibt in einer Mitteilung, dass die beiden über einen hervorragenden wissenschaftlichen Ruf verfügten. Sie sähen sich als «Opfer einiger weniger rachsüchtiger Studierenden». Sie weisen alle Vorwürfe zurück.

Die aktuellen Vorfälle an der Forschungsanstalt Empa stehen in einer Reihe von Vorwürfen wegen Mobbing und sexueller Belästigung, mit denen ETH-Professorinnen und -Professoren in den vergangenen Monaten konfrontiert worden sind. Für den Umgang mit diesen Fällen stand die ETH in der Kritik: Betroffene beklagten sich, dass ihre Anliegen zu wenig ernst genommen und sie ungenügend informiert worden seien. (mig/lac)

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