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Stoppersche Harmonieanfälle

«Äxgüsi» aus dem Ustermer Parlament

Stoppersche Harmonieanfälle

Heiland Paul Stopper, ein bockiges Mikrofon und ein künstlerischer Versprecher: Auch die letzte Ustermer Ratssitzung förderte wieder allerlei Skurriles zutage.

Benjamin
Rothschild
Dienstag, 12. Februar 2019, 18:15 Uhr «Äxgüsi» aus dem Ustermer Parlament
Harmonisch wie beim Prosit mit Intimus Werner Kessler zeigte sich Paul Stopper (rechts) jüngst auch im Ustermer Parlament.
Seraina Boner

Stopper sei Dank!

Er ist für viele die Reizfigur der Ustermer Politik schlechthin: BPU-Gemeinderat Paul Stopper, dem Kritiker nachsagen, ein starrköpfiger Verhinderer zu sein. Umso bemerkenswerter war es, als Gesundheitsvorsteherin Karin Fehr (Grüne) eben diesem Paul Stopper ein warmes Dankeschön aussprach. Grund: Der umtriebige Parlamentarier hatte den Stadtrat im Rahmen der epischen Debatte um die Abfallverordnung darauf aufmerksam gemacht, dass sich die Gebühren auch nach «Betriebseinheiten» richten sollen – und damit die rechtliche Grundlage dafür geschaffen, dass die Stadt die Entsorgungsgrundgebühr auch von Unternehmen (und nicht nur von Privatpersonen) einfordern kann. Eine Detailänderung, ohne die die Stadt Uster viel Geld verloren hätte. «Das zeigt doch, dass ich nicht immer der Querulant bin», sagte der sonst so ernsthafte Stopper in einem eher seltenen Anflug von Selbstironie. Als er dann später noch dem Parlamentsdienst für dessen «super gute Arbeit» im Zusammenhang mit den gefühlt tausend Änderungsanträgen zur Verordnung dankte, trauten wohl einige Anwesende ob so viel Stopperschen Harmonieanfällen ihren Ohren nicht.

«Der Kanton war's!»

À propos Ohren: Auffällig schlecht war am Montagabend die Akustik im Gemeinderatssaal, das Mikrofon von Ratspräsident Matthias Bickel (FDP) verzeichnete mehrere Aussetzer. Ob es aufgrund der Abfall-Debatte und der Antragsschlacht schlicht überfordert war? Paul Stopper (schon wieder er) hatte eine andere Erklärung. Als es bei der Debatte um das Postulat «sichere Veloverbindungen in Uster» um die Frage ging, was denn der Stadtrat überhaupt regeln kann und wo ihm aufgrund kantonaler Kompetenzen die Hände gebunden sind, hatte das Mikrofon einen weiteren Rauschanfall. Also nannte Stopper sec den Schuldigen: «Der Kanton war’s!»

Hatte Ärger mit dem Mikrofon: Ratspräsident Matthias Bickel (FDP).

Masse und Kunst

Man sollte vorsichtig sein, mit dem Finger auf Ratsmitglieder zu zeigen, wenn diese sich einmal aus Versehen den falschen Worten bedienen, schliesslich ist auch die schreibende Zunft vor ähnlichen Fällen nicht gefeit. Ein Versprecher liess aber doch aufhorchen und sorgte für Schmunzeln: Als es um die Subventionen für die Kulturgemeinschaft Uster ging, begann Gemeinderätin Salome Schaerer (SP) ihr Votum themengerecht in einer Art Theatersprache vorzutragen und zitierte die blumigen Worte einer Tänzerin – leider aber nicht ganz richtig: «Eine Künstlerin ist die, die versucht nach den Sternen zu greifen und dabei die Mehrheit berührt» - dass es ausgerechnet in der Kunst um Mehrheiten gehen soll, war dann auch der Politikerin Schaerer nicht ganz geheuer. Sie distanzierte sich in der Folge von diesem allzu sehr am Massengeschmack ausgerichteten Kunstverständnis und stellte klar, dass statt «Mehrheiten» «Menschen» gemeint seien.

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