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Streit um Empa-Bericht

Todesbrücke in Genua

Streit um Empa-Bericht

Bevor die Gerichtsverhandlung im Fall der Todesbrücke von Genua angelaufen ist, streiten sich Staatsanwaltschaft und Brücken-Eigentümerin um Verantwortlichkeiten für den Unfall. Im Zentrum steht die richtige Übersetzung des Empa-Untersuchungsberichts.

Lukas
Elser
Montag, 11. Februar 2019, 18:26 Uhr Todesbrücke in Genua
Die Morandi-Brücke in Genua soll bis 2020 wieder aufgebaut werden.
AP

Im Sommer 2018 stürzte die Morandi-Autobahnbrücke in Genua ein. Dabei kamen 43 Menschen ums Leben. Schon damals vermuteten Experten, dass bauliche Mängel zum Einsturz geführt haben. Im November wurden Teile der Brücke zur Eidgenössischen Materialprüfuns- und Forschungsanstalt (Empa) geschafft, damit Experten der Empa das Material untersuchen konnten. Man versprach sich mögliche Einsturzursachen im Material zu finden.

Nun hat das italienische Portal «Il Secolo XIX» Details zum Fall bekannt gegeben, wie nzz.ch schreibt. Demnach hat die Dübendorfer Forschungsanstalt Fremdkörper im untersuchten Brückenteil gefunden. So seien dem für den Bau verwendeten Beton Jute und Sand beigemischt worden. Diese Fremdkörper habe die Empa im Material gefunden, das rund um die Spannseile angebracht gewesen sei. Auch seien die Spannseile der Brücke stark korrodiert gewesen.

170-Seiten-Bericht

Die Empa will sich zum Inhalt des Berichts, den sie im Auftrag der italienischen Untersuchungsrichterin verfasst hat, nicht äussern, weil man gegenüber dem Auftraggeber, dem italienischen Staat, zu Vertraulichkeit verpflichtet sei. Die Forschungsanstalt bestätigt aber, dass ihr 170-Seiten starker Untersuchungsbericht am 11. Dezember fertiggestellt und an die italienischen Behörden geschickt wurde.

Dass trotz Schweigeabkommen Details aus dem Bericht an die Öffentlichkeit gelangt sind, zeigt, wie brisant der Fall ist. Der Streit um die Verantwortlichkeit für das Unglück ist ausgebrochen, bevor die eigentliche Gerichtsverhandlung überhaupt begonnen hat. Gemäss Rainer Klose, Medienverantwortlicher der Empa, finden aktuell die anwältlichen Vorabklärungen zum Fall zwischen Staatsanwaltschaft und der angeklagten Brücken-Eigentümerin statt. Und im Zentrum des Streits steht offenbar der Empa-Bericht.

Kampf um Übersetzung

Das Problem: Der Empa-Bericht wurde auf Deutsch geschrieben und muss, bevor er vom Gericht als Gutachten beigezogen werden kann, ins Italienische übersetzt werden. Einer der Anwälte der Eigentümerin der Brücke, Autostrade per L’Italia, bestreitet gemäss Il Secolo XIX die vom Gericht bestellte Übersetzung, mit der Begründung, dass er beim Übersetzungsprozess nicht mit seinem eigenen Berater habe teilnehmen dürfen. Das hatte nicht nur eine Verschiebung des Prozesses zur Folge, wie das Portal schreibt. Im Zug der Auseinandersetzung sind Klose zufolge auch Details zum Bericht an die Öffentlichkeit gelangt.

Welche Bedeutung dem Empa-Bericht schliesslich zukommen wird, weiss Klose nicht. «Es ist einer von vielen Untersuchungsberichten zum Fall», sagt er. Die Empa kann sich frühestens dann zum Bericht äussern, wenn das gerichtliche Verfahren angelaufen ist.

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