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Kampf dem immergrünen Invasoren

In Illnau-Effretiker Forstrevier

Kampf dem immergrünen Invasoren

In den Wäldern breitet sich die immergrüne Kletterpflanze «Henrys Geissblatt» immer mehr aus. Sie verhält sich invasiv und wird von den Forstleuten bekämpft. Diesen Neophythen angenommen hat sich auch der Förster des Reviers Illnau-Effretikon – als Teil eines kantonalen Testprojekts.

Redaktion
Züriost
Sonntag, 10. Februar 2019, 20:12 Uhr In Illnau-Effretiker Forstrevier
Revierförster Herbert Werlen will den Illnau-Effretiker Wald von invasiven China-Pflanzen befreien.
PD

Die Laubbäume und Sträucher im Illnau-Effretiker Forstrevier sind nackt, Blätter liegen am Boden. Eine ideale Zeit für Förster Herbert Werlen, ungebetenen Pflanzen auf die Schliche zu kommen. Es sind Neophyten, wie zum Beispiel «Henrys Geissblatt» und der Kirschlorbeer, denen er sich annimmt.

«Henrys Geissblatt» gilt als ungeliebter, fast unscheinbarer Einwanderer aus China. In der Schweiz hingegen verhält sie sich invasiv, verdrängt also einheimische Arten. In den Gärten wurde «Lonicera henryi» – so der botanische Name – bis vor wenigen Jahren gerne zur Begrünung von Hausfassaden und Pergolas gepflanzt. Frisch angepflanzt wird sie jedoch kaum mehr in Gärten, da der Branchenverband Jardin Suisse 2017 ein Verkaufsverbot erlassen hat. Doch die älteren Geissblätter, die Früchte bilden, sind eine stetige Quelle für neue Pflanzen im Wald.

Wälder durchkämmt

Seit diesem Jahr läuft ein neues Bekämpfungsprojekt der Abteilung Wald des Kantons Zürich. Da Erfahrungen zum Bekämpfungsaufwand dieser invasiven Kletterpflanze weitgehend fehlen, wurden im Kanton sechs Testgebiete ausgewählt.

In diesen Forstrevieren in Fällanden, Seuzach, Zollikon, Küsnacht, Dübendorf und Illnau-Effretikon werden definierte Waldflächen systematisch nach «Henrys Geissblatt» durchkämmt, die Bestände erfasst und deren Alter und Fläche beschrieben. «Dank der Erfassungen der Geissblattbestände und des dokumentierten Bekämpfungsaufwandes pro Quadratmeter erhalten wir Erfahrungszahlen für deren Bekämpfung», erklärt Urs Kamm, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Wald des Kantons Zürich.

Pflanze stielt Licht

«Henrys Geissblatt» verbreitet über kriechende, rasch wurzelnde Triebe oder dank Vögel, welche die Pflanzen-Samen transportieren. «Meist gedeihen die ersten Abkömmlinge ausserhalb der Gärten an Waldrändern und von dort breiten sie sich in den Wäldern aus», erklärt der Illnau-Effretiker Revierförster Herbert Werlen. Die Pflanze braucht wenig Licht und wächst zuerst am Boden entlang, dann schlingt sie sich an den Bäumen hoch, dies bis zu sechs Meter hinauf.

Sie überwächst andere Waldpflanzen, stielt den heimischen Jungbäumen Licht und Platz und zerdrückt die Bodenvegetation. «Wird nichts gegen das Ausbreiten der Kletterpflanze unternommen, wuchert und verbreitet sie sich stetig weiter», sagt Werlen. Seit Jahren bekämpfen die Förster in Illnau-Effretikon zusammen mit dem regionalen Naturschutz diese Neophyten. Seit rund vier Jahren auch das Henrys Geissblatt. «Wir zerren, wo immer möglich, die Jungpflanzen mit der Wurzel von Hand aus, ältere Pflanzen müssen mit der Wurzeln mühsam ausgegraben werden, dies zum Teil sogar mit Hilfe von Maschinen.»

Die ausgerissenen, geschnittenen Pflanzenstücke können nicht einfach im Wald deponiert werden. Sie müssen auf die Thermokompostierung geliefert oder auf einem sicheren Asthaufen ohne Bodenkontakt abgelegt werden. Dank diesen Vorkehrungen wird ein erneutes Wurzeln und Ausbreiten verhindert. Ein einmaliger Einsatz auf einer befallenen Fläche genüge nicht, sagt Förster Werlen. Die Forstleute kontrollieren jährlich die betroffenen Flächen. Die Henrys-Geissblatt-Standorte werden im GIS - dem zentrale Instrument zur Visualisierung der Geodaten des Kantons Zürich - erfasst und der aktuelle Zustand darin festgehalten.

Testgemeinden durchkämmen den Wald

Nebst Henrys Geissblatt existieren aber noch weitere Pflanzen, die die heimische Wald-Gesellschaft verdrängen und sich zum Teil invasiv verhalten. So zum Beispiel der Kirschlorbeer, die kanadische Goldrute, das drüsige Springkraut, der japanische Stauden-Knöterich und weitere. Solch gebietsfremde Pflanzenarten bieten heimischen Insekten, Pilzen und Bakterien kaum Lebensraum. Diese Ausbreitung würde zu einer Verarmung der Biodiversität führen. Eine Entwicklung, welche die kantonale Abteilung Wald gemeinsam mit den Förstern verhindern will. (Brigitt Hunziker Kempf)

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