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Räucherkurse in Hittnau

«Die richtige Dosis ist wichtig, sonst gibt es nur Kopfweh»

Zurzeit starten die neuen Kurse in Kursprogramm der Fortbildungsschule Hittnau. Einer davon dreht sich um das Thema Räuchern. Aromaexpertin Marlies Rupf erzählt im Interview von den verschiedenen Wirkungen und der Faszination von Kräutern und Heilpflanzen.

Lea
Chiapolini
Donnerstag, 24. Januar 2019, 10:48 Uhr Räucherkurse in Hittnau
Marlies Rupf in ihrem «Hexenkeller» mit einer Räucherschale.
Lea Chiapolini

Frau Rupf, Sie sind Phytopraktikerin und Aromaexpertin – gehört bei Ihnen das Räuchern zum Alltag?
Marlies Rupf: Räuchern ist primär ein Winterthema. Die Menschen haben schon vor Hunderten oder gar Tausenden von Jahren geräuchert – oft um im dunkeln Winter mit den brennenden Kerzen für das Licht gleichzeitig böse Mächte abzuwehren. Besonders während den Rauhnächten vom 25. Dezember bis zum 6. Januar werden heute noch Hausräucherungen zum Reinigen und Schützen durchgeführt. Ich benutze das Räuchern gezielt um etwa ein Zimmer nach einem schweren Essen zu reinigen, nach einem Konflikt, der sich dort ereignet hat oder einfach wenn ich merke, dass es mir selber gut tun würde. Der Rauch löst negative Schwingungen auf. 

Zu welchen Kräutern greifen Sie dann?
Um Räume zu reinigen, eignen sich Salbei oder Lavendel. Um einen klaren Kopf zu bekommen, benutze ich Wacholder, Basilikum oder Pfefferminze. Rosmarin eignet sich gut zum Loslassen. Diese räuchere ich oft direkt am Tisch in einem kleinen Sieb über einer Rechaudkerze. So kann Räuchern auch eine schnelle Sache sein. Wenn ich mehr Zeit habe, lege ich die Kräuter auf eine brennende Kohle in einem feuerfesten Gefäss. Mit einer Feder kann der Rauch dann im Raum verteilt werden. Dies eignet sich besser für die Reinigung von mehreren Räumen. Das Reinigen ist denn auch der ursprüngliche Grund, warum in den Kirchen früher Weihrauch geschwenkt wurde: Er desinfiziert den Raum und die zahlreichen Personen, die sich in ihm befinden – vor einigen Hundert Jahren war dies ein Mittel zur Bekämpfung von Krankheiten. Durch die Übernahme von eigentlich heidnischen Bräuchen wie dem Räuchern konnte die Kirche auch Menschen christianisieren. 

Zur Person

Marlies Rupf lebt mit ihrem Mann in Hombrechtikon, wo sie in ihrem «Hexenkeller» regelmässig Salben und Öle herstellt, sowie Kräuter trocknet und mischt. An der Fortbildungsschule in Hittnau hat sie bereits Kurse zur Herstellung von Salben und Balsam sowie Kräuterspaziergänge organisiert. Ihr Pflanzenwissen begleitet sie auch im Alltag, wo sie täglich mit Kräutern kocht. So findet man bei ihr im selbst gepressten Organgensaft ebenfalls den Saft aus Brennesseln. Mehr Informationen auf der Website www.mer-natur.ch.


Und was ist heute für Sie das Faszinierende an dieser Methode?
Mich interessiert die wissenschaftliche Komponente. Ich bin ursprünglich Medizinlaborantin, es hat mich schon immer fasziniert, welche Inhaltsstoffe wie wirken. Gleichzeitig ist die Arbeit mit Kräutern und Pflanzen sehr intuitiv und heilend. Sie können auch wirken, ohne dass man genau weiss warum – so stimmt uns etwa die Farbe einer kräftigen Blume fröhlich. Zudem wächst alles, was man zum Räuchern oder allgemein zur Verwendung von Heilpflanzen braucht, direkt um uns herum. Man kann vor die Haustüre gehen und sich bedienen. Gleichzeitig ist somit garantiert, dass das Endprodukt keine unerwarteten Nebenwirkungen hat, da es keine versteckten Zutaten enthält. 

Wie kamen Sie dazu, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen und sich zur Phytologin auszubilden?
Das Mischen von verschiedenen Substanzen hat mir schon immer gefallen, auch früher in meinem Beruf. Ein eigentliches Kräuterwissen wurde mir – abgesehen von Kamillenwickeln – bei meiner Erziehung nicht mitgegeben. Als ich mit meinem Mann und meinen Kindern dann von einer Wohnung in ein Haus mit Garten zogen und ich Zugang zu Kräutern hatte, stand auch die gesunde Ernährung immer mehr im Zentrum. Vor rund 20 Jahren habe ich einen ersten Salbenkurs besucht.  Diese meditative Arbeit hat mir sehr gefallen und die Neugier nach mehr Wissen über Pflanzen geweckt.

Was werden die Teilnehmer ihres Kurses in Hittnau erleben?
Einerseits der geschichtliche Hintergrund und andererseits auch die praktische Anwendung von verschiedenen Räuchertechniken. Zudem werden wir die einheimischen Heilpflanzen etwas genauer unter die Lupe nehmen, deren Blätter, Wurzeln oder Harze zum Räuchern geeignet sind, und Räuchermischungen herstellen. Viel braucht es gar nicht. Es ist eher so, dass wir wieder lernen müssen, zu riechen und zu schmecken. Ein gebräuchlicher Teebeutel würde für eine ganze Kanne reichen, wenn wir uns nur wieder an den Geschmack gewöhnen würden. So ist es auch beim Räuchern. Es kann schnell zu viel werden. Die richtige Dosis ist wichtig, sonst gibt es nur Kopfweh.

Kursprogramm 2019 der Fortbildungsschule Hittnau

Neben dem Räucherkurs von Marlies Rupf sind im Kursprogramm der Fortbildungsschule aus Angebote wie Professionelles Kinderschminken, VaKi-Basteln zum Muttertag, diverse Kochkurse oder ein Vortrag zum Thema Testament zu finden. Anmelden kann man sich jeweils bis spätestens drei Wochen vor Kursbeginn. 
Weitere Informationen gibt es via E-Mail an fortbildung@schulehittnau.ch oder per Telefon 044 951 19 14. Das komplette Jahresprogramm ist auf der Website www.schulehittnau.ch unter Zusatzangebot zu finden.

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