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«Wir haben Angst um unsere Zukunft»

Wetziker Streikschüler (17) zur Klimademo

«Wir haben Angst um unsere Zukunft»

Schüler in der ganzen Schweiz streikten am Freitag für das Klima. Der 17-jährige Wetziker Jonas Kampus, Schüler an der KZO und Mitglied des Aktionskomitees von Klimastreik Schweiz, über die Hintergründe der Aktion.

Joel
Probst
Samstag, 19. Januar 2019, 11:57 Uhr Wetziker Streikschüler (17) zur Klimademo
Der Kantonsschüler Jonas Kampus engagiert sich im Aktionskomitee von Klimastreik Schweiz.
Foto: Joel Probst

Jonas Kampus, Sie sind einer der Schüler, die hinter dem heutigen Klimastreik in Zürich stehen. Wieso braucht es einen Streik fürs Klima?
Weil in der lokalen, nationalen und globalen Politik nicht genug für unsere Umwelt gemacht wird. Wir haben Angst um unsere Zukunft. Davor, wie sich das Klima entwickelt, wenn wir unser Verhalten nicht ändern. Wir wollen nicht akzeptieren, dass unsere Existenz auf dem Spiel steht. Deshalb setzen wir uns mittels Streiks und Demonstrationen für den Klimaschutz ein.

Wie kann ein Schulstreik dies bewirken?
Einerseits wirken wir als Jugendliche unschuldig und können so an das Gewissen der Gesellschaft appellieren. Andererseits erregen wir Aufmerksamkeit für den Zustand unserer Umwelt, indem wir nicht in die Schule gehen.

Welche Gruppierung steht hinter dem Klimastreik in der Schweiz und welche Ziele verfolgt sie?
Die Gruppierung besteht aus allen Menschen, die heute auf der Strasse waren. Wir sind basisdemokratisch und offen organisiert. Klimastreik Schweiz ist eine Jugendbewegung, keine Organisation. Wir arbeiten konsensorientiert und wollen auch Minderheiten respektieren. Zwar haben wir Strukturen zur Planung der Streiks, aber keine Hierarchie.

Erschwert das nicht die Organisation der Proteste?
Nein, im Gegenteil. Dadurch entstehen ganz kreative Ideen. Zahlreiche Leute machen Mobilisierungsvideos, schreiben Lieder und so weiter. Von sich aus, ohne dass jemand sie damit beauftragt hätte. Schliesslich betrifft der Klimawandel uns alle genau gleich stark. Da braucht es keine Führungsperson. Alle Wünsche und Ideen sollen respektiert werden.

Es verfolgen wohl kaum alle Schüler, die an den Streiks teilnehmen, dieselben Ziele.
Der Konsens ist, dass unsere Zukunft bedroht ist. Über die konkreten Ziele und Massnahmen, die für eine Eindämmung des Klimawandels nötig sind, mögen Differenzen bestehen. Die meisten jungen Leute sind sich allerdings einig, dass bis 2030 die Treibhausemissionen der Schweiz im Inland gleich null sein sollten und der Klimanotstand ausgerufen werden sollte.

Was bedeutet das?
Dass man akut und schnell reagieren könnte. Wie zum Beispiel bei der Anbauschlacht während des zweiten Weltkriegs: Es gibt eine Bedrohung, also müssen wir handeln. Bisher sind alle Bemühungen am Unwillen der Politiker gescheitert. Nun wollen wir Druck auf die Politik ausüben. Auch, indem wir anerkennen, dass wir andere Leute im Parlament brauchen.

Rund 2000 Schüler streikten am Freitag in Zürich mit ihnen. Wieso muss man, um für den Klimaschutz zu kämpfen, die Schule schwänzen?
Man muss sich fragen: Macht es Sinn, in die Schule zu gehen und für die Zukunft zu lernen, während uns ebendiese Zukunft geraubt wird? Wir anerkennen allerdings auch, dass uns erst die Schule das nötige Wissen vermittelte, um die Hintergründe des Klimawandels zu verstehen, damit wir nun dagegen ankämpfen können. In Zukunft werden wir auch prüfen, ob es weiterhin Sinn macht, am Freitag zu demonstrieren.

Was halten Sie von der Reaktion der KZO, die ihren Schülern bei einer Teilnahme am Streik Konsequenzen androht?
Ich finde das angemessen, schliesslich muss der reguläre Schulunterricht sichergestellt werden. Zudem werden die Streikenden nicht drastisch sanktioniert. Eine Teilnahme führt höchstens zu einer unentschuldigten Absenz.

Was wäre ein Klimastreik ohne den Reiz, die Schule zu schwänzen?
Es kann gut sein, dass heute einige Leute nur streikten, um nicht in die Schule gehen zu müssen. Die Mehrheit ist allerdings nicht so. Schliesslich bleibt man bei einer Teilnahme am Streik genauso unentschuldigt absent, wie wenn man ohne zu streiken schwänzen würde.

Kritiker sagen, Klimaschutz beruhe auf Selbstverantwortung, die Schüler sollen doch auf die neusten Smartphones und Flugreisen verzichten, anstatt zu streiken. Was tun Sie persönlich für die Umwelt?
Wenn die Smartphones und Flugreisen der jungen Generation Schuld wären, hätten wir erst seit 15 Jahren eine Klimakrise. Ich persönlich ernähre mich seit dreieinhalb Jahren vegan, benutze kaum Plastik und bewege mich nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln fort. Doch die ganze Gesellschaft muss sich ändern. Damit unsere Umwelt nicht von individuellen Kaufentscheiden abhängt, müssen wir uns einen gesetzlichen Rahmen geben.

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Sie können ja gerne diese Länder dazu bringen. Wir leben nun mal gerade in der Schweiz, wo die Pro-Kopf-Emissionen im Vergleich zu z.B. Indien sehr hoch sind. Nur weil ein Land wenig Einwohner hat, müssen sich diese nicht an Regeln halten? Schon mal was von Proportionalität gehört? Natürlich! Aber das wird hier leider ausgeblendet...

"Wir haben Angst um unsere Zukunft." Tun aber aktiv gar nichts für eine gesunde Zukunft. Jeder hat das neuste Handy, jeder fliegt mehrmals im Jahr mit dem Flugzeug in die Ferien. Mutti chauffiert sie vor die Türe der Schule. Die neusten hippsten Klamotten etc. etc. etc. - eine unglaubwürdige Jugend.

Das stimmt so einfach nicht - ist für mich immer wieder als Ausrede von uns älteren zu hören. Ich kenne viele Jugendliche die sich engagieren und besser auf unsere Umwelt achten als wir "Ueber 60".
Aber auch wir müssen uns umstellen und von unserem Profitdenken abkommen das uns aus St.Gallen immer wieder gepredigt wurde - gleich welche Ausbildung und Weiterbildung wir gemacht haben.
Danke den Jungen, dass sie streiken um etwass zu bewegen.
Und wählen wir endlich mal Junge Kräfte im Herbst.

Ich weiss nicht in welchem Umfeld Sie leben; ich kenne mehrere junge Menschen (auch über 20), welche auf übermässigen oder total auf Fleischkonsum verzichten und auch bewusst auf ein eigenes Auto verzichten. Mit Ihrem Votum, machen Sie es sich sehr leicht und fördern kein lösungsorientiertes Denken. Schade!

Vielleicht fangen diese streikenden Jungen mal zuerst mit ihren Eltern und deren Verhalten an. Wieviele von ihnen fliegen samt Familie jeweils in die Ferien und das tw. mehrmals im Jahr? Wie ist das Konsumverhalten, z.B. beim Fleisch? Welche Autos fahren Sie und wieviel km werden gefahren anstatt den Oev zu benutzen? Wie wird zuhause geheizt, mit Oel oder Gas oder mit erneuerbarer Energie? Was unternehmen die Eltern, um das Klima zu schützen? Es wäre gut, wenn die Sprösslinge dieser Wohlstandsgeneration mal zuerst vor der eigenen Haustüre kehren und darlegen, was sie selbst alles tun um die Klimaveränderung aufzuhalten.

Geht Sie zwar nichts an aber bitte:

- Wenig bis gar kein Fleischkonsum, viel frisches Gemüse vom Hof
- Familien GA
- Auto verkauft
- Wärmepumpe Heizung
- Ferien per Zug,Sind Sie schon mal mit dem Zug nach London gefahren?
- Lebhafte politische Diskussionen am Familentisch

So, jetzt sind Sie dran Herr Keller! Ihre Liste bitte.
Mit freundlichen Grüssen
Marc Kampus

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