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«Für das WEF bin ich zu wenig VIP»

Ein lokales «WEF» in Volketswil

«Für das WEF bin ich zu wenig VIP»

Zum ersten Mal findet in Volketswil ein Wirtschaftsforum statt. Mit dem sogenannten VEF wollen sich Mitglieder des Gemeinderats und des Gewerbe- sowie Industrievereins aber vom Anlass in Davos abheben. Gemeindepräsident Jean-Philippe Pinto (CVP) zufolge soll weniger um den heissen Brei, dafür mehr über konkrete Lösungen geredet werden.

Tina
Schöni
Freitag, 11. Januar 2019, 12:18 Uhr Ein lokales «WEF» in Volketswil

Herr Pinto, haben Sie schon einmal ein WEF besucht?

Jean-Philippe Pinto: Nein, leider nicht. Ich habe noch keine Einladung erhalten. Dazu bin ich wohl zu wenig VIP. Wenn es eine Möglichkeit gäbe, würde ich aber daran teilnehmen.

Am 17. Januar wird in Volketswil das erste Volketswil Economic Forum veranstaltet. Was hat das VEF mit dem Weltwirtschaftsforum in Davos zu tun?

Nichts. An beiden Events geht es um wichtige wirtschaftliche Fragen – in Davos mit globalem und in Volketswil mit lokalem Fokus.   

Nichts? Der Name der Veranstaltung und der Veranstaltungszeitpunkt deuten eher auf das Gegenteil hin.

Dass unser Anlass auch im Januar stattfindet, ist ein Zufall. Aber zugegeben, den Namen VEF haben wir bewusst so ähnlich gewählt.

Kritiker sagen, am WEF wird viel diskutiert, aber kaum eine Lösung gefunden. Wird das am VEF ähnlich sein?

Unser Anlass ist übersichtlich, daher werden wir viel lösungsorientierter arbeiten können. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse, denn es sind unbedingt auch kreative Ideen gefragt.

Weshalb braucht es überhaupt einen solchen Anlass in der Gemeinde?

Bisher gibt es in Volketswil keine vergleichbare Veranstaltung, bei der sich der Industrieverein Volketswil (IVV), der Gewerbeverein und die politische Gemeinde beteiligen. Der Event bringt Industrie- und Gewerbebetriebe, Handels- und Dienstleistungsunternehmen zusammen, um die ökonomischen Herausforderungen in und um Volketswil zu besprechen und anzupacken.

Um welche Herausforderungen geht es konkret?

Volketswil ist mit stagnierenden Steuereinnahmen und steigenden Ausgaben konfrontiert. Zudem bereiten uns die Büroleerstände und das fehlende gastronomische Angebot Sorgen. Auch die Zukunft als «Einkaufsparadies» gehört dazu, da sich das Einkaufsverhalten der Kunden verändert hat.

Inwiefern?

Als vor bald 50 Jahren in Volketswil die Supermarktkette Waro eröffnet wurde, galten Detailhandel und Einkaufszentren als grosse Wachstumsfaktoren. Heute haben die Shoppingzentren grosse Mühe neue Mieter zu finden. Ausserdem brauchen sie flächenmässig viel Platz. Der Online-Handel wird immer stärker. Zusätzlich fällt auch der Einkaufstourismus ins Gewicht. Daher müssen neue Lösungsansätze diskutiert werden.

Am Neujahrsapéro sprachen Sie das Geschäftesterben und das monotone Gastro-Angebot in der Gemeinde an.  Werden das auch Themen am VEF sein?

Wir haben in Volketswil kein Firmensterben, sondern eine Verlagerung. Der Dienstleistungssektor ist in einem grossen Umbruch. Daneben gilt es auch vom Innovationspark in Dübendorf vermehrt zu profitieren und Synergien aufzuzeigen. Es braucht neue Ideen. In den Augen der Firmen ist auch das Gastro-Angebot wichtig. Diese wollen heutzutage eine vielfältige und gesunde Auswahl. Da besteht grosser Handlungsbedarf.

Weshalb wird dieses Thema denn erst am VEF ausführlich behandelt?

Wir haben nicht auf das VEF gewartet, um die Problematik in der Gastronomie anzusprechen. Aber der Anlass bietet eine Möglichkeit, es ebenfalls aufzugreifen.

Wie will Volketswil diese Probleme konkret beheben?

Wichtig ist es, die Herausforderungen frühzeitig anzugehen. Es ist besser zu agieren, als zu reagieren. Genau deswegen findet das erste VEF statt. An diesem Abend sollen Meinungen zu verschiedenen Themen ausgetauscht, diskutiert und Ideen und Anregungen für die zukünftige, wirtschaftliche Entwicklung von Volketswil gesammelt werden.

Fokus auf Diskussionen
In Volketswil treffen sich Politiker und Wirtschaftsvertreter am Donnerstag, 17. Januar, ab 17.30 Uhr zum ersten Volketswil Economic Forum (VEF) im Kultur- und Sportzentrum Gries zum gemeinsamen Austausch. Initiiert wurde der Anlass von der Gemeinde Volketswil, dem Gewerbe- und dem Industrieverein. Nebst zwei Impulsreferaten und einem Podium wird auch den Diskussionen in kleineren Gruppen Zeit eingeräumt. Behandelt werden laut Jean-Philippe Pinto Themen wie die Digitalisierung, das Wirtschaftswachstum oder die Standortattraktivität Volketswils. Die Bevölkerung soll im Rahmen der anstehenden Bau- und Zonenordnungs-Revision in die künftige Entwicklung der Gemeinde eingebunden werden.

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