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«So nützt der Bus niemandem etwas»

Ärger mit Ausliker Bus 859

«So nützt der Bus niemandem etwas»

Die Buslinie 859 sollte Auslikon an den öffentlichen Verkehr anbinden. Aus «wirtschaftlichen Gründen» wurde der Betrieb allerdings eingeschränkt. Doch in der heutigen Form nützt der Bus den Wenigsten etwas.

Dario
Aeberli
Donnerstag, 10. Januar 2019, 05:45 Uhr Ärger mit Ausliker Bus 859
Ein Leservideo zeigt die Hektik vor Ort am Bahnhof Pfäffikon seit dem Fahrplanwechsel.

«Steig ein. Komm weiter.» heisst der offizielle Slogan des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV). Doch die Auslikerin Katharina Wüst kommt momentan nicht weiter. «Die momentane Situation ist eine Katastrophe», sagt sie. Grund für ihren Ärger sind zwei kurze Sätze auf der Website des ZVV: «Aufgrund der geänderten Fahrzeiten der S3 in Fehraltorf und Pfäffikon ZH verliert die Buslinie 859 in Pfäffikon ZH ihren Anschluss an die S3. Reisende auf dieser Buslinie benützen ab Pfäffikon ZH die S19 oder steigen in Wetzikon um.» Das sei alles andere als optimal. Entweder müssten Wüst und ihre Leidensgenossen rund eine Viertelstunde länger für ihren Arbeitsweg über den Bahnhof Pfäffikon einrechnen oder sie reisen wie von der ZVV vorgeschlagen über Wetzikon.
 

Mit der vom ZVV empfohlenen Route (rote Linie) müssen Ausliker zwei Zonen mehr lösen, als mit der alten Route (grüne Linie).

«Aber mit diesem Umweg müssten wir noch zwei zusätzliche Zonen lösen, wenn wir nach Zürich wollen», sagt Wüst. Bei Reisen via Pfäffikon über Illnau und Effretikon nach Zürich benötigten die Ausliker bis anhin lediglich fünf Zonen. Bei der vom ZVV vorgeschlagenen Route via Wetzikon über Uster wären es sieben.

«Die Einschränkungen sind auch für uns unbefriedigend.»

René Iten, Leiter des Bauamts Pfäffikon

Was sie an den zwei Sätzen zum Fahrplanwechsel allerdings noch viel mehr stört, ist, was nicht drin steht. «Wir haben mit Schrecken festgestellt, dass mit dem neuen Fahrplan zusätzlich auch noch die letzte Fahrt am Abend gestrichen wurde», sagt Wüst. Die Linie 859 könne nun nur noch von Personen genutzt werden, die von 8 Uhr bis 17 Uhr arbeiteten. Leute aus dem Verkauf, Teilzeitarbeitskräfte oder Leute, die im Schichtbetrieb arbeiteten blieben aussen vor. «Der Bus fährt bloss am Morgen bis kurz nach 8 Uhr und dann erst wieder um 15.36 Uhr bis 18.36 Uhr», sagt Wüst. Vor dem Fahrplanwechsel fuhr der letzte Bus immerhin erst eine Stunde später um 19.36 Uhr. «So nützt der Bus niemandem etwas.»

Keine schnelle Lösung
Weil Wüst diese Verschlechterung nicht auf sich sitzen lassen wollte, meldete sie sich bei René Iten, dem Leiter des Bauamts der Gemeinde Pfäffikon. «Er zeigte viel Verständnis für das Anliegen von mir und meinen Leidensgenossen. Damit diese Sache aber nicht einfach versandet, habe ich ihm danach noch einen Brief geschrieben», sagt Wüst. Darin bat sie Iten darum, die letzte Fahrt am Abend wieder einzuführen. «Aber das liegt leider nicht in unseren alleinigen Macht», sagt Iten.

Vor dem Fahrplanwechsel waren Ausliker neun Minuten früher am Zürich HB. Vor dem Fahrplanwechsel waren Ausliker neun Minuten früher am Zürich HB. Jetzt müssen Ausliker einen Umweg über Wetzikon machen und zwei Zonen mehr lösen. Jetzt müssen Ausliker einen Umweg über Wetzikon machen und zwei Zonen mehr lösen.

Welche Konsequenzen der Fahrplanwechsel für die Ausliker haben, wusste man bei der Gemeinde bereits seit April – damals stellte der ZVV bei der Regionalen Verkehrskonferenz Pfäffikon die Fahrplanänderungen öffentlich vor. Dort hätten die Gemeinden die Möglichkeit gehabt ihre Anliegen zu platzieren. «Aber das Problem bei der Buslinie 859 ist, dass sich der Betrieb wirtschaftlich nur zu den absoluten Spitzenzeiten lohnt», sagt Iten.

Die Gemeinden Pfäffikon, Hittnau und Wetzikon habe den Busbetrieb der Linie 859 zuvor fünf Jahre lang getestet und selbst finanziert. «Dabei haben wir festgestellt, dass die Fahrgastbelegung am Mittag extrem tief war», sagt Iten. Teilweise sei der Bus zwischen Wetzikon und Pfäffikon ohne Passagiere unterwegs gewesen.

«Leider kann man nicht alles haben. Die Einschränkungen sind auch für uns unbefriedigend, aber wir werden uns dafür einsetzen, dass wir die Verbindungen mittelfristig aufwerten können.» Dazu müsse die Bevölkerung den Bus aber auch vermehrt nutzen, dann könne man auch besser verhandeln mit dem ZVV.

Gründe für die Umstellung
Dem ZVV ist bewusst, dass der Fahrplanwechsel nicht überall Vorteile mit sich bringt. Der öffentliche Verkehr bleibe nun mal ein Massentransportsystem zur Bewältigung grosser Fahrgastströme «Wir mussten Prioritäten setzen, wovon eine grosse Mehrheit der Passagiere profitiert», sagt Stefan Kaufmann von der Medienstelle des ZVV.

«Mit dem Velo ist man vermutlich noch schneller.»

Katharina Wüst, Auslikerin


Bei Fahrplanwechseln gäbe die S-Bahn den Takt vor. Ihr Fahrplan bilde die Grundlage, an der sich alle anderen öffentlichen Verkehrsmittel im Kanton Zürich orientierten. Im Dezember erhielt die S3 einen neuen Linienverlauf – in den Hauptverkehrszeiten fährt sie neu weiter nach Bülach, um die S9 auf dieser Strecke zu entlasten. Diese Umstellung führt dazu, dass die S3 ab Pfäffikon zwei Minuten früher abfahre und der Anschluss des Auslikerbusses nicht mehr gewährleistet ist. Zudem benutze die grosse Mehrheit der Fahrgäste den Bus 859 am Wetziker Linienende. «Im Schnitt steigen in Wetzikon doppelt so viele Passagiere ein oder aus wie in Pfäffikon», sagt Kaufmann. Entsprechend werde der Fahrplan des Buslinie 859 an Wetzikon ausgerichtet.

Bis auf Weiteres müssten sich die Ausliker mit der Situation arrangieren, was gemäss Katharina Wüst teilweise auch klappt: «Ein Mädchen aus Auslikon, dass gerade in die Lehre geht, hat mir erzählt, dass sie seit dem Fahrplanwechsel die S3 mit einem kurzen Spurt trotzdem jedes Mal erwischt.» Anderen aus dem Dorf bliebe jedoch nichts anderes übrig, als wieder aufs eigene Auto oder aufs Velo umzusteigen. «Mit dem Velo ist man vermutlich noch schneller», sagt Wüst.

Auf den Bus 859 haben sich viele Ausliker gefreut. In der jetzigen Form nützt er aber nicht allen etwas.

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Auslikon braucht endlich eine eigene Bahnhaltestelle
Die Bastelei mit dem Bus ist für Auslikon bemühend. Die Bahn fährt am Dorf vorbei, hat aber keine eigene Station. Eine solche ist dringend nötig und wurde von mir schon seit dreissig Jahren gefordert, aber sowohl von der SBB als auch vom ZVV stets abgelehnt. Aus fahrplantechnischen Gründen. Dafür zuckelt die S3 gemütlich durchs Kempttal und "vertrödelt" die Zeit mit Langsamfahren (das wird echter "Langsamverkehr" praktiziert!). Mit einer Beschleunigung der S3 wäre eine Halteststelle Auslikon auch beim heutigen Fahrplan problemlos machbar. Sie würde vielleicht eine Minute später in Wetzikon ankommen und müsste eine Minute früher abfahren. Wirklich kein Problem. Vielleicht sollte die Gesamt-Gemeinde-Exekutive von Pfäffikon einmal unverhofft ins Büro des ZVV treten mit der Drohung, nicht eher wieder heimzugehen, bis das Zugeständnis für eine Haltestelle Auslikon abgegeben ist.
Betrüblich ist auch, dass die ehemalige Ausliker SVP-Regierungsrätin Rita Furrer (lovely Rita) und oberste Chefin des ZVV damals keinen Finger für diese Haltestelle rührte. Sie fuhr (und fährt) halt lieber Auto.

Komische Ansichten: Nach Aussage von Herr Iten muss ich also zuerst evtl. jahrelang eine "nichtbrauchbare Verbindung" nutzen, damit evtl. dann mal eine Verbesserung eintritt. Schon fast makaber. Bei diesem Fahrplan kann man die Linie gerade so gut wieder einstellen.

Es gibt noch andere Beispiele, wie die Anschlüsse Bus/Bus welche auf Grund der geänderten Fahrzeiten der S3 nicht mehr funktionieren und via Wetzikon statt Pfäffikon gefahren werden muss. So Bus Linie 809 auf 835 in Bauma. Dieser Fahrplanwechsel ist nicht unbedingt das Gelbe vom Ei.

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