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«Almut soll den Lesern Mut machen»

Fehraltorfer Autorin über ihren Roman

«Almut soll den Lesern Mut machen»

Nach fünf Jahren und drei verschiedenen Versionen war es soweit: Die Fehraltorfer Autorin Brigitta Römer veröffentlichte ihren ersten Roman. Obwohl es sich in «Damit der Tag nicht gleich mit einem Schatten beginnt» nicht um eine Autobiografie handelt, findet sich die Autorin immer mal wieder im Buch. Zum Beispiel beim Thema Fantasie.

Talina
Steinmetz
Dienstag, 08. Januar 2019, 17:42 Uhr Fehraltorfer Autorin über ihren Roman

«Das Ziel meines Romans?» Brigitta Römer aus Fehraltorf blättert nachdenklich durch das Buch mit dem farbigen Einband. «Ich hoffe, den Lesern damit Mut zu machen, trotz widriger Umstände niemals aufzugeben.»  Die 66-Jährige lächelt und fügt an: «So wie es Almut vorlebt.» 

Almut ist die Protagonistin des im Oktober erschienenen Romans «Damit der Tag nicht gleich mit einem Schatten beginnt» von Brigitta Römer. Das 7-jährige Mädchen wächst unter schwierigen Umständen auf: Ihr Vater ist Alkoholiker, ihre Mutter leidet an Depressionen.

«Meine Fantasie hat mir schon oft die Kraft gegeben, die Hoffnung in schwierigen Situationen nie zu verlieren.»

Brigitta Römer, Autorin aus Fehraltorf

Die Probleme reissen auch mit zunehmendem Alter nicht ab – Almut muss für ihr Glück kämpfen, gibt jedoch niemals auf. «Es war mir ein Anliegen, die Resilienz, also die psychische Widerstandskraft, aufzuzeigen. Deshalb habe ich für Almut ein so schweres Umfeld geschaffen», erzählt die Autorin. 

Ähnlich, aber nicht gleich
Sie selber habe am eigenen Leib erfahren, was Resilienz bedeutet. Genauer auf die Erfahrungen eingehen möchte Römer nicht. Sie meint jedoch: «Meine Fantasie hat mir schon oft die Kraft gegeben, die Hoffnung in schwierigen Situationen nie zu verlieren.»

Ähnlich, wie Almut: Das Mädchen schafft sich einen unsichtbaren Freund, den Hund Sand. Dieser hilft ihr durch schwierige Zeiten. «Ich habe das Buch geschrieben, darum stecke ich bis zu einem gewissen Grad drin», sagt die Fehraltorferin. 

Brigitta Römer mit ihrem ersten Roman. «Bis zu einem gewissen Grad stecke ich darin» sagt die Autorin.

Trotz der einen oder anderen Parallele zwischen ihr als Autorin und der Protagonistin Almut betont Römer jedoch, dass sie nicht Almut ist und es sich beim Buch um keine Autobiografie handelt. «Ich bin nur die Verfasserin. Die Figuren entsprechen weder meiner Person noch gibt das Buch meine Lebensgeschichte wieder.»

Fünf Jahre und drei Versionen
«Damit der Tag nicht gleich mit einem Schatten beginnt» ist der erste Roman von Brigitta Römer. Schreiben tut sie jedoch schon länger. «2000 bekam ich meinen ersten Computer. Seither schreibe ich auf der professionellen Ebene.» Es fasziniere sie, für verschiedene Ideen und Situationen die richtigen Worte zu finden.  

Die letzten fünf Jahre verbrachte sie mit ihrem ersten Roman. «Ich habe drei Fassungen geschrieben. Eine in der dritten Person, eine in der Gegenwart und eine in der Vergangenheit.» Mit den ersten beiden sei sie nicht zufrieden gewesen. «Ich merkte, dass ich vor allem mit dem Kopf statt dem Herzen schrieb. Zudem gefiel mir der Schreibklang nicht - wie sich ein Text anhört, spielt bei mir eine grosse Rolle.» 

«Ich kann nicht unter Druck arbeiten. Ich nehme mir die Zeit, die ich brauche, um ein Buch zu schreiben»

Brigitta Römer, Autorin von «Damit der Tag nicht gleich mit einem Schatten beginnt»

Dies sei bei der dritten Fassung anders gewesen. «Diese entsprach mehr mir selber und meinem Herzen.» Trotzdem entschied sich Römer, zusätzlichen Rat herbeizuziehen. «Ich kontaktierte meinen ehemaligen Verleger Klaus Isele. Dieser konnte mich motivieren, das Buch zu beenden. Vermutlich hätte ich das Projekt sonst abgebrochen.» 

Unerwartete Rückmeldungen
Betrachte sie ihr Werk jetzt, habe sich der Aufwand gelohnt. «Ich erhielt diverse Rückmeldungen von Lesern und Leserinnen. Auch solche, die mich überraschten.» Zum Beispiel, dass das Buch traurig sei. «Das hat mich erstaunt, weil ich das Buch eher als hoffnungsvoll bezeichnet hätte.» Andere Leser hingegen meinten, der Roman spende Trost und Hoffnung. «Alle Wahrnehmung ist unterschiedlich. Das macht die Autorenarbeit ja genau so spannend.» 

Figuren entstehen vor Geschichte
So spannend, dass die Fortsetzung von «Damit der Tag nicht gleich mit einem Schatten beginnt» bereits in  Arbeit ist. Wann diese veröffentlicht werden soll, steht aber noch in den Sternen. «Ich kann nicht unter Druck arbeiten. Ich nehme mir die Zeit, die ich brauche, um ein Buch zu schreiben», sagt Römer. Am liebsten schreibe sie in ihrem Zimmer in Fehraltorf, umgeben von völliger Ruhe. «Ist es mir doch einmal zu laut, benutze ich Ohrstöpsel. Ich muss in meiner Welt sein, sonst geht gar nichts.» 

Ideen für Geschichten kämen ihr in den unterschiedlichsten Momenten. «Während eines Waldspazierganges schreibe ich zum Beispiel ganze Romane in meinem Kopf», erzählt Römer schmunzelnd.

Wichtig sei es dann, nur bestimmte Elemente davon zu verwenden – zum Beispiel die Namen. «Bevor überhaupt eine Geschichte entsteht, werden die Figuren geschaffen.» Ihr würden oft ungewöhnliche Namen einfallen. Almut war einer davon. «Sobald ich dann im Schreibprozess bin, lenken die Figuren die Entstehung der Geschichte.» 

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