×

Dafür hat ein römischer Legionär ein Jahr lang gearbeitet

Bäretswiler Münzschatz

Dafür hat ein römischer Legionär ein Jahr lang gearbeitet

Vor über 100 Jahren hat ein Förster in Bäretswil einen römischen Münzschatz ausgebuddelt und verkauft. Jetzt ist er wieder zum Vorschein gekommen.

Fabio
Lüdi
Samstag, 15. Dezember 2018, 18:49 Uhr Bäretswiler Münzschatz

Nach fast 140 Jahren ist ein Bäretswiler Münzschatz endlich wieder aufgetaucht. 1880 hatte ein Förster auf dem Adetswiler Pulten 500 bis 600 Sesterzen, römische Bronzemünzen, gefunden – und auf der Stelle verschachert. Ein Teil der über Tausend Jahre alten Stücke kaufte der Fabrikant, Eisenbahnpionier und Zürcher Kantonsrat Adolf Guyer-Zeller. So viel verrät die heutige Quellenlage.

Wo diese allerdings abblieben, ganz zu schweigen vom Rest der Batzen-Trouvaille, konnte nie jemand herausfinden. Der Schatz schien für immer verloren im Dunkel der Geschichte. Bis letztes Jahr waren den Archäologen keine zehn Münzen bekannt, die die Zeit überdauert haben. Bis eine Nachfahrin Guyer-Zellers dem Winterthurer Münzkabinett Anfang 2017 einen Sack mit 256 römischen Bronzemünzen auf den Tisch knallte.

Teil einer grösseren Barschaft

In der Folge kam die Münzanstalt zum Schluss, dass diese ein Teil des Bäretswiler Schatzes sein müssen, wie sie nun in einer Mitteilung schreibt. Und die Winterthurer müssens wissen: Sie beherbergen auch einen römischen Silbermünzschatz, der 1993 an fast der gleichen Stelle gefunden wurde und wohl von der gleichen Person versteckt worden war.

Für die Forschung ist der erneute Fund ein Glücksfall. «Dass ein so grosser Teil des Schatzes wieder aufgetaucht ist, erweitert sicher die Optik», sagt der Bäretswiler Heimatkundler Armin Sierszyn. Für ihn ist es schon lange wahrscheinlich, dass die Römer in Adetswil gesiedelt haben. Bisherige punktuelle Ausgrabungen haben dazu zwar noch keine konkreten Erkenntnisse geliefert.

Die Nähe zum römischen Strassennetz, einschlägige Flurnamen und die beiden Münzfunde sprächen aber dafür, so Sierszyn. «Es ist unwahrscheinlich, dass jemand diese Menge Münzen aus Kempten, der nächsten bekannten Römersiedlung, bis zu uns geschleppt hat.»

Nur wenige sind so vollständig erhalten

Auch der Leiter des Münzkabinetts, Benedikt Zäch, freut sich über das «aussergewöhnliche» Wiederauftauchen. «Römische Schatzfunde gibt es immer wieder. Aber nur wenige sind so gut erhalten, wie es dieser nun ist.» Mit den Münzen aus dem Guyer-Zeller-Besitz sei fast die Hälfte des Schatzes, der etwa dem Jahressold eines römischen Legionärs entsprach, wieder da.

«Die Münzen sind ein wichtiges Dokument, das uns viel über den römischen Geldumlauf jener Zeit erzählt», so Zäch. Das Geld stammt aus dem 1. bis 3. Jahrhundert. Zur Zeit als es vergraben wurde, habe etwa die Geldversorgung aus zentralen Münzanstalten gestockt. «Bronzegeld, das alltägliche Kleingeld, wurde plötzlich knapp.» Durch Materialanalysen könne zudem die Zusammensetzung des Metalls eruiert werden. «Das ist wie die DNA-Analyse für organische Stoffe.»

Die Forschung braucht Material

Für eine solche vertiefte Forschung ist es nötig, genug des zu untersuchenden Materials zu besitzen. Darum ist die Vollständigkeit einer solchen Münzsammlung so wichtig. «Früher wurde die Auffassung vertreten, dass eine oder zwei Exemplare für die Forschung ausreichten», sagt Zäch.

Aufgrund dieser Auffassung konnte es soweit kommen, dass die Stücke überhaupt erst verkauft wurden. Heute gehören solche Funde von Rechts wegen dem Kanton. Das ist allerdings erst seit dem Inkrafttreten des Zivilgesetzbuches 1912 der Fall. Davor durfte der Finder mit seinem Schatz machen, was er wollte. Und der Finder von 1880, ein Förster, wollte seinen verkaufen.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

«Er hatte sich sogar in die Idee verrannt, die Münzen seien aus Gold», sagt Zäch. Dies, weil sie eine Messing-Bronze-Legierung trugen, die so schön golden glänzte. Damals versuchten die örtlichen Antiquariatsgesellschaften jeweils solche Funde aufzukaufen, um sie für die Öffentlichkeit zu erhalten. Den geforderten Preis des Försters konnten die Bäretswiler damals allerdings nicht aufbringen.

Umso glücklicher ist es nun, dass zumindest ein Teil des Schatzes wieder aufgetaucht ist. «Wir haben ein verlorenes Puzzlestück wiedergefunden», sagt Zäch dazu. Der Schatz aus Bronze- und Silbermünzen, er kann nun als Ganzes erforscht werden. Das passiert zwar in Winterthur und nicht in Bäretswil. «Aber wir lassen das gesammelte Wissen wieder in die Herkunftsregion zurückfliessen.»

Kommentar schreiben

Kommentar senden