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Rentner fährt jetzt Elektromobil

Nach Haltestellenwegfall in Hegi

Rentner fährt jetzt Elektromobil

Otto Knöpfli aus Hegi ist enttäuscht. Seit dem Fahrplanwechsel wird die Haltestelle vor seiner Wohnung nicht mehr bedient. Die Strecke zur nächsten Busstation ist für den 80-Jährigen nur schwer zurückzulegen. Ein anderes Gefährt soll nun Abhilfe schaffen.

Tanja
Altenburger
Mittwoch, 12. Dezember 2018, 10:11 Uhr Nach Haltestellenwegfall in Hegi

«Ich bin enttäuscht von der Stadt Winterthur», sagt Otto Knöpfli. Grund dafür ist der neue Fahrplan. Die Haltestelle Mühle Hegi wird seit dem 9. Dezember nicht mehr bedient – sehr zum Ärger vieler Anwohner wie Otto Knöpfli. Kurz vor Mitternacht haben sie am Samstag das letzte Postauto dennoch gebührend verabschiedet. Nun müssen sie auf umliegende Linien ausweichen.

Guter Anschluss gestrichen

Vor rund drei Jahren ist Otto Knöpfli mit seiner Frau von Stein am Rhein nach Hegi gezogen, um näher bei seinem Enkel zu sein. «Uns war es wichtig, gut an den ÖV angeschlossen zu sein.» Er habe sich damals sehr darüber gefreut, eine Haltestelle gleich bei seiner Wohnung zu haben. «Ich bin nicht mehr so mobil», so der 80-Jährige. Für ihn ist es unverständlich, dass man den Postauto-Stopp in Hegi nun gestrichen hat. «Hier draussen wird viel gebaut und gleichzeitig werden die Anschlüsse weniger.» Otto Knöpfli empfindet das als Widerspruch. Ziel sei es doch gewesen, die Stadt besser zu vernetzen.

«Ich bin enttäuscht von der Stadt Winterthur.»

Otto Knöpfli, Anwohner nahe der Haltestelle Mühle Hegi

Der Rentner ist Mitglied im Ortsverein Hegi-Hegifeld, der gegen den neuen Fahrplan eine Beschwerde eingereicht hatte – vergebens. «Die Verantwortlichen haben mir gesagt, ich werde wohl noch zur nächsten Bushaltestelle gehen können.» Ein paar hundert Meter sind für den Rentner aber kein Katzensprung. «Wenn ich mit Gepäck unterwegs bin, ist diese Strecke für mich kaum machbar.»

Neues Gefährt als Lösung                                               

Otto Knöpfli fährt kein Auto mehr und ist somit auf den öffentlichen Verkehr angewiesen. Nun hat er sich etwas einfallen lassen. Der Hegemer flitzt jetzt mit einem Elektromobil durch die Gegend. Mit seinem «Kärreli» fährt er entweder zur nächsten Haltestelle der Linie 7 und nimmt von dort aus den Bus nach Winterthur, oder düst mit dem roten Gefährt direkt in die Stadt. «Es fährt bis zu 15 Kilometer pro Stunde. Mit einer vollen Batterie könnte ich etwa 70 Kilometer zurücklegen.» Das Elektromobil habe sogar einen kleinen Kofferraum, in dem er seine Einkäufe verstauen könne. Auch für frischen Fahrtwind ist gesorgt: «Im Sommer kann ich die Türen abmontieren und das gute Wetter geniessen.»

Otto Knöpfli hat Gefallen an seinem neuen Transportmittel gefunden. (Foto: Tanja Altenburger)

Der 80-Jährige hat sich mittlerweile mit der Situation arrangiert. «Ich habe mit meinem kleinen Gefährt eine gute Lösung gefunden.» Wegziehen sei für Otto Knöpfli nie eine Option gewesen – auch ohne nahegelegenen ÖV-Anschluss. «Uns gefällt es hier, ich verstehe mich gut mit den Nachbarn.» Diese winken ihm heute gerne zu, wenn er mit seinem «Kärreli» die Strassen unsicher macht.

Gegen 100 Hegemerinnen und Hegemer haben sich letzten Samstag bei der Haltestelle Mühle Hegi versammelt. Kurz vor Mitternacht hat die ansässige Bevölkerung das letzte Postauto verabschiedet, ehe die Station aufgrund des Fahrplanwechsels geschlossen wurde. Der Ortsverein Hegi-Hegifeld hat die Aktion organisiert. Dieser überreichte dem Chauffeur eine Flasche Hegemer Wein und einen Chlaussack. Zurück bleibt nun die mit Trauerflor geschmückte Abfahrtstafel.

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