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Katzenplage in Gossauer Schrebergarten

Tiere vermehren sich rasant

Katzenplage in Gossauer Schrebergarten

In einem Schrebergarten in Gossau leben rund ein Dutzend wilde Katzen. Und es werden immer mehr. Nun schlagen die Pächter Alarm.

Annette
Saloma
Donnerstag, 06. Dezember 2018, 11:44 Uhr Tiere vermehren sich rasant
Jasmin Matzinger und Alfred Keller im Schrebergarten Tannsberg in Gossau.
Bild: David Kündig

«Mit Wuschel fing alles an», erzählt Jasmin Matzinger, Aktuarin des Quartiervereins Unterdorf, der das Land  mit den Schrebergärten von der Gemeinde  gepachtet hat. «Diese Katze tauchte irgendwann bei uns im Garten auf und blieb.» Eines Tages sei ein Kater aufgetaucht. «Danach bekam Wuschel vier Junge», erzählt Matzinger. «Und bis wir die einfangen und kastrieren lassen konnten, waren schon wieder zwei davon trächtig.»

So sei es weitergegangen, bis irgendwann rund ein Dutzend Katzen im Schrebergarten umherstreunten. «Die Katzen sind zu einer Plage geworden», sagt Alfred Keller, Präsident des Vereins. «Sie machen überall hin, buddeln Löcher und zerstören die Beete.»

Die Katzen vermehrten sich rasant. «Wenn das so weitergeht, haben wir bald über Hundert dieser Tiere hier.» Gerade diesen Herbst gab es wieder einen Wurf mit drei Katzenbabys. «Wir steuern da auf etwas hin, das wir nicht mehr kontrollieren können», sagt Matzinger. «Das macht uns grosse Sorgen.»

«Wenn das so weitergeht, haben wir bald über Hundert dieser Tiere hier.»

Alfred Keller, Präsident Quartierverein Unterdorf Gossau

Die neugeborenen Katzen würden sie jeweils zum Tierarzt bringen und kastrieren lassen. «Aber es ist nicht einfach, alle zu erwischen», sagt Matzinger. «Und schliesslich stellt sich auch die Frage, wer das alles bezahlt.»

Bis jetzt hätten die Pächter die Tierarztrechnungen jeweils mit Geld aus der eigenen Tasche beglichen. Ein paar Katzen habe die Tierärztin an neue Besitzer vermitteln können. «Aber alleine werden wir der Situation nicht Herr.»

Viele Schrebergärtnern füttern die Tiere aus Mitleid. (Bild: David Kündig)

Deshalb hat sich der Quartierverein mit einem offenen Brief an die Bevölkerung gewandt. «Wir bitten alle Anwohner, welche ihre Katzen rauslassen, diese doch bitte kastrieren zu lassen», steht darin.  

Fütterungsverbot für Gärtner

Der Quartierverein appelliert aber nicht nur an die Bevölkerung, sondern auch an die eigenen Schrebergärtner. «An der Generalversammlung haben wir gesagt, dass sie die Katzen nicht füttern sollen», sagt Quartiervereinspräsident Alfred Keller. «Zudem haben wir einen Infobrief verschickt. Aber wir können nicht 75 Pächtern auf die Finger schauen.»

Ausserdem sei das Fütterungsverbot für viele schwer umsetzbar, sagt Jasmin Matzinger. «Gartenfreunde sind Tierfreunde. Manche haben einzelne Tiere bei sich im Schrebergärtli aufgenommen. Und die lassen sie nicht einfach verhungern.»

Buddeln Löcher, machen überall hin, zerstören die Beete: Die Katzen im Schrebergarten Tannsberg in Gossau. (Bild: David Kündig)

Die Katzen sorgen auch für Unstimmigkeiten unter den Schrebergärtner. «Manche Pächter fühlen sich von den Katzen sehr gestört und können nicht verstehen, warum man sie füttert.» Der Quartierverein habe grundsätzlich nichts gegen die Tiere. «Ich habe selber eine Katze zu Hause», sagt Präsident Alfred Keller. «Aber ich habe kürzlich etwas gelesen, das mich wirklich schockierte. Aus zwei Katzen können innert zehn Jahren 83 Millionen werden, wenn man nichts unternimmt.»

Mit der Gemeinde hatte der Quartierverein noch keinen Kontakt. «Aber wenn das so weitergeht, wird das kein Problem von uns bleiben», sagt Alfred Keller. «Wenn wir die Katzen los sind, wo gehen sie dann hin?»

Der Schreibergarten Tannsberg auf der Wiese an der Strasse nach Oetwil am See. (Bild: David Kündig)

Jasmin Matzinger hofft, dass der Aufruf die Leute sensibilisiert und manche zum Handeln bewegt. «Wir haben auch schon daran gedacht, den streunenden Katern einen Zettel ins Halsband zu stecken, mit der Bitte, das Tier endlich kastrieren zu lassen», sagt sie. «Aber zuerst muss man so ein Tier auch noch erwischen.»   

Beim Quartierverein setzt man auch auf die Politik. Eine Petition mit über 100’000 Unterschriften für eine Kastrationspflicht für Freigänger-Büsi wurde im Juni in Bern eingereicht. Parteien von rechts bis links, sowie verschiedene Tierschutzorganisationen stehen hinter dem Vorstoss. «Es wäre toll, wenn sich diesbezüglich etwas tut», sagt Matzinger. «Aber wir hoffen, dass die Besitzer der Kater vorher reagieren.»       

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