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Ein unterschätzter Weggefährte

Winterthurerin über den Begleiter des Samichlaus

Ein unterschätzter Weggefährte

Er ist der eigentliche Star am Samichlaustag. Der Esel wird oft als störrisch oder dumm bezeichnet – zu Unrecht, wie Eseltherapeutin Désirée Stähli findet. Auch wenn sich die Tiere ab und zu Flausen in den Kopf setzen, sind sie uns dennoch seit Jahrhunderten tüchtige Helfer.

Tanja
Altenburger
Donnerstag, 06. Dezember 2018, 07:20 Uhr Winterthurerin über den Begleiter des Samichlaus

Er ist seit jeher der treue Begleiter des Menschen. Wohl nicht so populär wie der Hund, aber aus unserer Geschichte dennoch nicht mehr wegzudenken. Als Lasttier hat er in der Weihnachtsgeschichte Maria nach Bethlehem getragen und ist damit fester Bestandteil des Krippenspiels. Auch der Samichlaus könnte so manche Säcke voller Mandarinen und Erdnüssen ohne die tatkräftige Unterstützung seines langohrigen Weggefährten – des Esels – nicht transportieren. Doch fühlt sich das Tier überhaupt wohl mit so viel kindlicher Aufmerksamkeit, die ihm am 6. Dezember jeweils zuteilwird?

Mit Vorurteilen abgestempelt

«Jeder bekommt leuchtende Augen, wenn er einen Esel sieht», so Désirée Stähli. Die Kindergärtnerin und Sozialpädagogin bietet in Winterthur Eseltherapien und einen Naturkindergarten mit den Langohren an. Ihre beiden Tiere, der elfjährige Tarzan und die 18-jährige Sunita, waren schon oft mit dem Nikolaus und dem Schmutzli unterwegs und fühlten sich dabei pudelwohl. «Esel sind perfekt für diese Aufgabe», ist sich Désirée Stähli sicher.

Désirée Stähli redet gerne mit ihren beiden Eseln. (Foto: Tanja Altenburger)

Die Tiere würden häufig unterschätzt und zu Unrecht mit Vorurteilen abgestempelt. «Sie sind nicht nur gesellig, sondern haben auch eine sehr beruhigende Wirkung auf Menschen.» Zudem sind sie gemäss der Eseltherapeutin kommunikativ, unternehmungslustig, sehr geduldig und – gegen alle Klischees – äusserst intelligent. «Ich bin nach einem Chlaus-Einsatz mit Sunita drei Stunden durch den Wald geirrt, weil ich das Samichlaus-Häuschen nicht mehr finden konnte in der Dunkelheit.» Irgendwann habe die Esel-Dame dann die Führung übernommen und die Kindergärtnerin über versteckte Waldwege zur Hütte geführt.

Reaktionen falsch interpretiert

«Wenn ein Esel die Nase voll hat, dann ist fertig», erklärt Désirée Stähli. «Sie sind aber alles andere als stur.» Wenn sich die Tiere nicht wohl fühlen oder Angst bekommen, bleiben sie stehen. Sie sind keine Fluchttiere wie Pferde, sondern erstarren bei Unbehagen. Das werde oft falsch interpretiert. Wichtig sei dann, die Ursache für das Verhalten zu finden. «Es ist manchmal wie in der Medizin. Man kann nicht nur die Symptome bekämpfen, wenn man eine Krankheit heilen will.»

«Esel sind alles andere als stur.»

Désirée Stähli, Eseltherapeutin

Désirée Stähli redet gerne mit ihren Tieren. «Natürlich verstehen sie nicht, was ich sage.» Umso wichtiger sei aber die Tonlage. Wenn die Pädagogin etwas von den Eseln möchte, dann singt sie ihnen das meist mit einer beruhigenden Melodie vor. «Sie haben ein sehr gutes Gehör, sie können sogar ihr eigenes Herzchen schlagen hören.»

Flausen im Kopf

Das Eselsherz «böpperlet» vor allem für eines: das Futter. «Die zwei Schlingel sind auch schon ausgebüxt und haben sich im Maisfeld vom Nachbarn sattgegessen», erzählt die Kindergärtnerin schmunzelnd. Die Polizei habe bereits mehr als einmal vorbei schauen müssen, weil die Esel zu einem Alleingang aufgebrochen waren. «Sie blieben dann aber vorbildlich am Zebrastreifen stehen, bis die Autos angehalten haben. Sie sind in der Hinsicht gut erzogen.»

Esel sind gemäss Désirée Stähli gesellige Tiere. (Foto: PD)

Tarzan komme auch auf schelmische Gedanken, wenn er vermeintlich sicher an einen Baum gebunden ist: «Vor ein paar Jahren waren wir am Samichlaustag mit einer Klasse im Wald. Wir haben dort ein Feuer gemacht und Tarzan einen Augenblick mit dem Chlaussack alleine gelassen. Er hat natürlich eine lose Stelle gefunden und den Kindern ihre Mandarinen und Erdnüsse weggefuttert.»

«Die Tiere sind nicht nur gesellig, sondern haben auch eine sehr beruhigende Wirkung auf Menschen.»

Désirée Stähli, Eseltherapeutin

Dieses Jahr wird ihm dafür kaum Gelegenheit geboten. Während Tarzan nur wenig zum Einsatz kommt, pausiert seine Gefährtin gänzlich als Samichlaus-Begleiterin, das aus einem bestimmten Grund. «Sunita ist in freudiger Erwartung», sagt Désirée Stähli strahlend. Der Nachwuchs soll im Sommer zur Welt kommen. «Wer weiss, vielleicht hat der Samichlaus nächstes Jahr dann ein Fohlen an seiner Seite.»

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