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Begeistert vom geheimnisumwobenen Reich der Pilze

Volketswiler Kontrolleur hört nach 30 Jahren auf

Begeistert vom geheimnisumwobenen Reich der Pilze

Während 30 Jahren setzte sich Ernst Jordi als Pilzkontrolleur in Volketswil für das Wohl vieler Sammler ein. Nun legt er das Amt per Ende Jahr altershalber nieder.

Redaktion
Züriost
Dienstag, 04. Dezember 2018, 09:44 Uhr Volketswiler Kontrolleur hört nach 30 Jahren auf
Ernst Jordi, der scheidende Volketswiler Pilzkontrolleur, vor dem Kontrolllokal im Chappeli.
Foto: Hans Peter Neukom

Im September und Oktober schossen die Pilze in vielen Regionen der Schweiz in Hülle und Fülle aus dem Boden. «Vor allem Röhrlinge kamen dieses Jahr auch im Zürcher Oberland gehäuft vor – es war ein tolles Steinpilz-Jahr», sagt Ernst Jordi, Pilzkontrolleur in Volketswil. Dies bestätigt auch Käthi Weber, Pilzkontrolleurin aus Uster. Die Kontrolleure warnen aber auch vor den Gefahren: «Unter den essbaren Röhrlingen gibt es gefährlich giftige Doppelgänger, die vor allem von Anfängern immer wieder verwechselt werden.» So werde der
giftige Satans-Röhrling oft für den Flockenstieligen Hexen-Röhrling gehalten, und der giftige Wurzelnde Bitter-Röhrling für den Steinpilz, so Jordi.

In der vergangenen Pilzsaison kontrollierten die Volketswiler Pilzkontrolleure Ernst Jordi und Heinz Eisele in 137 Kontrollen 193 Kilo Pilze. Aus dem Sammelgut wurden 16 Kilo ungeniessbare und 4 Kilo giftige Pilze aussortiert. «Das ist ein eindrücklicher Beweis für die Wichtigkeit der Pilzkontrolle», sagt Ernst Jordi und empfiehlt allen Sammlern: «Damit das Pilzgericht nicht zum Leidmahl wird, sollen auch gestandene Pilzler beim geringsten Zweifel das ganze Sammelgut einer Pilzkontrollstelle vorlegen.» Denn gerade hier gehe Kontrollieren über Probieren.

Jäger und Pilzkontrolleur

Ernst Jordi ist im Jahr 1948 geboren und in Pratteln aufgewachsen. Er hat eine Elektromechanikerlehre und das Abend Technikum in Zürich als Elektroingenieur HTL abgeschlossen. Als Abteilungsleiter Entwicklung und Konstruktion arbeitete er fortan bei der Firma Contraves AG in Oerlikon, heute Rheinmetall AG. 1971 heiratete er seine Frau Madeleine und zog mit ihr vier Pflegekinder auf. Seit 38 Jahren leben sie in Volketswil.

Neben seiner Leidenschaft für Pilze ist Ernst Jordi ein begeisterter Jäger und ist heute Jagdpächter des Reviers der Gemeinde Fällanden. Bereits in jungen Jahren faszinierte ihn die Natur, vor allem aber das grosse, geheimnisumwobene Reich der Pilze. Dies erstaunt wenig, da auch schon sein Vater Mitglied eines örtlichen Pilzvereins war. In Pilzkursen und im Selbststudium erwarb sich Ernst Jordi dann über die Jahre seine mykologischen Kenntnisse.

«1986 wurde ich auf ein Inserat in der Volketswiler Woche aufmerksam, mit dem die Gemeinde Volketswil eine ausgewiesene Fachkraft für ihre neue Pilzkontrollstelle suchte», sagt Jordi. Darauf beschloss er, die anspruchsvolle Prüfung zum diplomierten Pilzkontrolleur der Schweizerischen Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane zu absolvieren, die er 1987 in Degersheim bestand. Bereits ein Jahr später wurde Jordi vom Gemeinderat Volketswil zum örtlichen Pilzkontrolleur gewählt. Als Kontrolllokal dient bis heute die Küche im «Chappeli» in Hegnau. Seit 1998 leitet Jordi die Pilzkontrollstelle Volketswil und der angeschlossenen Gemeinden Dübendorf und Schwerzenbach abwechslungsweise mit seinem Kollegen Heinz Eisele.

Pilze aus dem Tibet

Darüber, wie viele Pilzler er vor Magenkrämpfen, Brechdurchfall und Schlimmerem bewahrt hat, mag der zurücktretende Volketswiler Pilzkontrolleur nicht spekulieren. Dabei begnügte er sich nicht nur damit, die ungeniessbaren und giftigen Schwämme aus den Körben der Pilzler zu entfernen. Er nahm sich wann immer möglich Zeit, ihnen die Pilze auf verständliche Weise zu erklären. Einmal prüfte er sogar Pilze aus dem Tibet: «Eine Reiseleiterin brachte mir eines Tages von ihrer Tibet Tour getrocknete Morcheln zur Prüfung. Dies waren die am weitest gereisten Schwämme, die ich während meiner langen Tätigkeit kontrollieren durfte», sagt Jordi.

Altershalber hat sich Jordi nun entschlossen sein Amt per Ende 2018 niederzulegen. Ab dem nächsten Jahr wird sein Kollege Heinz Eisele die Pilzkontrolle bis auf Weiteres alleine führen. (Hans Peter Neukom)

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