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Ju-Piloten müssen in den Auffrischungskurs

Nach Dübendorfer Ju-Absturz

Ju-Piloten müssen in den Auffrischungskurs

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt stellt die Betriebsbewilligung der Ju-Air infrage. Es verlangt ein strengeres Wartungsprogramm.

Redaktion
Züriost
Sonntag, 02. Dezember 2018, 10:30 Uhr Nach Dübendorfer Ju-Absturz

Ju-Air-Chef Kurt Waldmeier ist wild entschlossen: Seine Ju-52 sollen im kommenden Frühling wieder Passagiere mit in die Luft nehmen (wir berichteten). Doch dahinter stellt das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) ein Fragezeichen, wie nun der «Tagesanzeiger» berichtet. Wie sich der Absturz einer Ju im August und die jüngsten Erkenntnisse der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) auf die Bewertung durch das Bazl auswirken, ist offen: «Diese Frage können wir noch nicht beantworten», sagt Bazl-Sprecher Urs Holderegger.

Die Experten der Sust haben aber am Wrack der Ju-52, die am Piz Segnas zerschellte, Alterserscheinungen konstatiert, die bereits vor dem Crash vorhanden waren. Zwar hatten die Risse, der Rost und die Altersschäden an Treibstoffschläuchen nicht zum Unglück geführt, sie liessen aber Zweifel an der Wartung der Maschinen der Ju-Air aufkommen. Das Bazl erteilte deshalb den beiden übrig gebliebenen Maschinen der Ju-Air nicht nur ein sofortiges Flugverbot. Es hat auch angekündigt, die Kontrollen der Oldtimer künftig zu verdoppeln: Sie werden in Zukunft jedes Jahr auf ihre Lufttüchtigkeit überprüft und nicht mehr wie bisher alle zwei Jahre.

Auffrischungskurse für Piloten

Laut Holderegger müsse die Ju-Air aber erst einmal nachweisen, dass ihre beiden in der Schweiz zugelassenen Maschinen nicht dieselben Schäden aufweisen wie die Unglücksmaschine. Und falls doch, dass sie diese behoben hat. «Wir werden uns die Maschinen anschauen und deren Zustand mittels Inspektionen überprüfen.»

Bei der Ju-Air in Dübendorf beschäftigte man sich seit 2016 mit besonderen Bestimmungen, die das Bazl für Oldtimer-Flugzeuge entwickelt hat. Wie es beim Bazl heisst, wurde für die am Piz Segnas abgestürzte Maschine schon vor dem Unglück ein Sonderkontrollprogramm aufgegleist. «Dieses war zur Zeit des Unfalls noch in Bearbeitung bei Ju-Air», sagt Holder­egger. Das Bazl verlangt nun von den Verantwortlichen, dass sie ein entsprechendes Programm noch diesen Winter vorlegen.

Zudem schickt das Bazl die Piloten der Ju-Air in Auffrischungskurse, erst danach dürfen sie ihre «Tante Ju» wieder fliegen. Dabei stehen unter anderem Sichtflüge im 2-Mann-Cockpit sowie der Betrieb mit zwei Kapitänen im Fokus sowie die dazugehörende Kommunikation und Kooperation, die situative Aufmerksamkeit, aber auch die Entscheidungsfindung der Crew. (Pia Wertheimer)

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