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Zweites Leben für geplatzte Veloschläuche

Jungunternehmen am Dübendorfer Chlausmärt

Zweites Leben für geplatzte Veloschläuche

Nach einem Platten den Veloschlauch zu reparieren lohnt sich heute aus Kostengründen kaum noch. Eine Schülergruppe von der Kantonsschule Zürich Nord hat einen Weg gefunden, die Schläuche trotzdem vor der Verbrennungsanlage zu retten.

Dario
Aeberli
Freitag, 30. November 2018, 12:00 Uhr Jungunternehmen am Dübendorfer Chlausmärt
Das Team von RundumRund von der Kantonsschule Zürich Nord.
PD

Vier Franken kostet heutzutage ein normaler Veloschlauch bei Coop, für zwölf Franken bekommt man einen absoluten Top-Schlauch. Das sagt jedenfalls Bruno Bugnoli, Besitzer eines Zweirad Fachgeschäfts in Dübendorf. Bei diesen Preisen lohne es sich schlicht nicht mehr, die kaputten Schläuche zu reparieren. Dazu sei der Kunststoffanteil von Veloschläuchen mittlerweile so hoch, dass die Flicken nicht mehr richtig hielten.

«Wenn ich günstige Schläuche versuche zu reparieren und der Kunde zwei Tage später wieder bei mir steht, weil der Flick nicht hält, rechnet sich das für mich natürlich überhaupt nicht», sagt Bugnoli.

«Dafür musste ich auch schon durch den Abfall der Velogeschäfte kriechen.»

Aline Leutwiler, Mitgründerin von RundumRund

Aline Leutwiler, Schülerin an der Kantonsschule Zürich Nord stellte fest: «Die meisten Schläuche werden auf den Müll geworfen und anschliessend verbrannt.» Das ist deshalb problematisch, weil der Kunststoff für die Herstellung von Schläuchen unteranderem aus Erdöl besteht. Leutwiler und fünf Mitschüler, alle im Alter zwischen 16 und 17 Jahren, gründeten deswegen das Unternehmen RundumRund, das aus kaputten Veloschläuchen Schlüsselanhänger herstellt. Am kommenden Chlausmärt in Dübendorf präsentieren sie sich der Öffentlichkeit an einem eigenen Verkaufsstand.

Wühlen im Abfall

Die sechs Firmengründer sind im fünften Jahr im Gymnasium, mit Vertiefung in Wirtschaft und gründeten dieses Jahr ein eigenes Unternehmen, was zum Pflichtprogramm an der Schule gehört.  Mit RundumRund möchten sie einen sozialen und ökologischen Nutzen stiften. «Wir arbeiten deshalb mit dem Arbeitsheim Wangen zusammen, welches Personen mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung ermöglicht ein gewisses Arbeitspensum zu erfüllen», sagt Leutwiler.

Pro hergestellten Schlüsselanhänger erhielten die Bewohner des Arbeitsheims einen angemessenen Lohn. Die fertigen Produkte kosten sieben bis acht Franken und können bisher erst im Jäggi Motos Shop in Brüttisellen gekauft werden. Bald soll gemäss Leutwiler noch ein Online-Shop dazukommen.

So sehen die recycelten Veloschläuche am Schluss aus.

Aus einem einzelnen Veloschlauch können sie vier bis sechs Anhänger produzieren je nachdem, wie lang diese werden sollen. Das Material dafür sammeln Leutwiler und ihre Kollegen von Velowerkstätten in der Umgebung Brüttisellen, diese überlassen ihnen die Schläuche gratis - für die Geschäfte haben sie keinen Wert mehr. «Dafür musste ich auch schon durch den Abfall der Velogeschäfte kriechen, um geeignete Schläuche zu finden», sagt Leutwiler.

Vier bis sechs solche Anhänger können aus einem Veloschlauch gemacht werden.

Dass die kaputten Veloschläuche einfach verbrannt würden, stimme seiner Ansicht nach aber nicht. Er schicke die ramponierten Schläuche  zurück an seinen Lieferant, der diese dann recycle und daraus neue Pneus herstellt. Grundsätzlich gefällt dem Fahrradspezialisten aber die Idee mit den Schlüsselanhängern.

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