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Nicht ohne uns

Russiker Vereine wollen bei der Turnhalle mitreden

Die Pläne für eine neue Turnhalle in Russikon lassen in der Gemeinde niemanden kalt. Zwei Russiker wollen die Vereine mit an Bord des «Generationenprojekts» ziehen. In den nächsten Tagen zeigt sich, wie stark ihr Rückhalt in der Gemeinde ist.

Beni
Frenkel
Montag, 26. November 2018, 22:25 Uhr Nicht ohne uns

Grosse Pause. Auf dem Platz rennen die Kinder wild herum. Sie johlen, kneifen, rennen. Von der Seite kommen zwei Männer: Thomas Wylenmann und Ronald Schmid. Grosses Hallo. Die Kinder kennen die beiden und grüssen sie mit Handschlag. Wylenmann kennen sie vom Turnverein, Schmid vom FC Russikon.

Auch die Lehrpersonen grüssen sie mit dem Vornamen. Ob man kurz in die Turnhalle gehen dürfe, fragen Wylenmann und Schmid. «Klar», ist die Antwort, «kein Problem.»

Die alte Turnhalle von Rocky Docky

Die beiden Männer stellen sich vor der Sprossenwand auf. An der sind sie schon als kleine Knirpse herumgeklettert. Überhaupt, wer in Russikon aufgewachsen ist, kennt diese alte Turnhalle: der kleine Geräteraum, der typische Geruch und die Deckenlampe, die nur matt leuchtet.

In Russikon wird wieder über eine neue Turnhalle geredet. Nur schon das ist ein Fortschritt. 2015 sistierte der Gemeinderat Pläne für einen Neubau. Am 7. November dieses Jahres tagte die erste Sitzung der Planungskommission «Neubau Turnhalle». In der Kommission sitzen Vertreter der Politik, Gemeinde, Schule, Planung und Vereine.

«Hier handelt es sich schliesslich um ein Generationenprojekt»
Ronald Schmid, Vize-Präsident FC Russikon

Dass Letztere mit an Bord sind, ist Vereinen aus Russikon zu verdanken. Sie haben Druck gemacht und gefordert, dass sich der Gemeinderat auch die Anliegen der Vereine anhört. Ronald Schmid, der Vize-Präsident des FC Russikon sagt: «Hier handelt es sich schliesslich um ein Generationenprojekt. So etwas muss in der Bevölkerung breit abgestützt sein.»

Bereits im Frühling 2018 haben verschiedene Vereine zum Runden Tisch eingeladen und die Idee einer IG Sporthalle erarbeitet. «Wir wollen die Bedürfnisse und Anliegen der Vereine bündeln», sagt Wylenmann.«Es ist wenig zielführend, wenn jeder Verein oder jede Partei einzeln auf den Gemeinderat zugeht», findet er. Wylenmann und Schmid sind Vertreter der beiden grössten Russiker Vereine. Die Turnvereine und der Fussballclub vertreten knapp 500 Mitglieder. Trotzdem - die beiden Männer wollen die Meinungen der gesamten Bevölkerung einholen.

«Der Spielraum geht über Blumen und Konfekt.»
Ronald Schmid, Vize-Präsident FC Russikon

Doch die Zeit drängt. Anfangs November wurden alle Russiker Dorfvereine und Parteien zu einem Workshop eingeladen. Dieser findet am Donnerstag, 13. Dezember, am Abend ab 19.30 Uhr  im Restaurant Krone statt. Im Rahmen dieses Workshops soll dann auch der Verein IG Sporthalle gegründet werden. Die Mitgliedschaft steht jedem Russiker Bewohner offen.

Erste Rückmeldungen seien schon eingetroffen, sagt Wylenmann. «Das Gebäudevolumen einer neuen Turnhalle ist zwar gegeben», ergänzt Schmid. Trotzdem sei es möglich, die Ansprüche der Vereine zu berücksichtigen. «Der Spielraum geht über Blumen und Konfekt», so Schmid. Eine konkrete Absage haben sie erst von der SP-Partei erhalten. Das Projekt passe nicht in das «politisches Leitkonzept der SP», erhielten sie als Antwort.

Vorbild: Hinwiler Turnhalle

Wie dringend eine neue Sporthalle sei, illustriert der 32-jährige Schmid anhand der Junioren des FC Russikon. Momentan findet im Winter ein eingeschränktes  Training statt. Mit der geplanten Doppelturnhalle könnten alle Teams in der Halle trainieren.

Man spürt bei Thomas Wylenmann eine gewisse Anspannung. Wenn die Bedürfnisse der Vereine wieder nicht berücksichtigt werden, dann würde das wohl niemand verstehen, so Wylenmann. Der 42-Jährige spricht dabei auf die fast schon legendäre Gemeindeversammlung vor zwei Jahren an. Damals haben die Vereine an der Gemeindeversammlung einen Planungskredit ins Budget aufnehmen lassen, der später durch den Gemeinderat mit der Begründung fehlender finanzieller Mittel sistiert wurde. Ein Jahr später wies die Gemeinde plötzlich einen Millionenüberschuss aus.

Der Gemeindeschreiber Marc Syfrig kontert mit dem Verweis auf die nicht geplanten Mehreinnahmen, welche die Gemeinde damals im Nachhinein erzielte. Syfrig: «Die Erträge aus den Grundsteuern übertrafen die Prognosen mit mehr als 320‘000 Franken. 900‘000 Franken zusätzlicher Überschuss wurden aus den ordentlichen Steuern generiert. Und aus dem ausserordentlichen ZKB-Gewinn erhielten wir nochmals über 130‘000 Franken.»

Die beiden grössten Russiker Vereine spannen zusammen

Wylenmann und Schmid blicken nun nach vorne. Die erste Sitzung der Planungskommission sei positiv verlaufen, berichten sie. Sie erhielten einen Einblick in das Raumkonzept und können nun die Realisierung der Wünsche und Vorschläge der angefragten Vereine besser einschätzen und nach Möglichkeiten einbringen.

Ihr Vorbild ist dabei die 3-Fach-Turnhalle mit Sportanlage in Hinwil. Wylenmann schwärmt: «Das war ein ausgereiftes Projekt!» In Hinwil seien die Bedürfnisse der Bevölkerung in das 30-Millionen-Projekt einbezogen worden, so Wylenmann. 

«Schön wäre es, wenn wir in den grossen Saal zügeln müssten»
Thomas Wylenmann, Delegierter vom TV Russikon

Das gleiche erhofft er sich nun auch für Russikon. Auch wenn die Dimensionen kleiner sind als in Hinwil. Nun müssen die beiden aber auf die Antworten der anderen Vereine warten. «Schön wäre es, wenn wir am 13. Dezember vom kleinen in den grossen Saal zügeln müssten», hofft Wylenmann.

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