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Gelungener Abschied des Kulturvereins Wila

Kulturverein Wila

Gelungener Abschied des Kulturvereins Wila

Die Aufführungen im Eichhaldensaal in Wila sind Geschichte. Der Urner Schauspieler und Musicalspezialist Rolf Sommer zusammen mit seinem einfühlsamen Pianist Ken Mallor sorgten mit «Sommer im Weltall» für einen würdigen Abschluss.

Redaktion
Züriost
Montag, 26. November 2018, 20:10 Uhr Kulturverein Wila
Rolf Sommer (rechts) überzeugte mit Charme, Witz und seinem urchigen Urner Dialekt.
Guy A. Lang

Hat ein Entscheid, den jemand trifft einen Einfluss auf sein Leben? Oder beeinflusst sein Leben einen Entscheid? Diese und andere essentielle Fragen packt Rolf Sommer in ein Programm von poetischen Chansons und anspruchsvollen Monologen. Der rote Faden sind Rolf Sommers Überlegungen zur menschlichen Existenz und ihr Zusammenhang mit der schieren Unendlichkeit des Universums.

Die Schöpfung - eine kosmische Katastrophe

Seine aberwitzige Entstehungstheorie beruht auf der Unvorsichtigkeit eines Praktikanten. In aufwendigen Experimenten ist es gelungen, Wasser auf minus 17° Celsius hinunter zu kühlen, ohne dass es den Aggregatzustand zu Eis ändert. Kommt aber irgendeine, noch die leiseste Störung dazu, kristallisiert es sofort.

So sei es auch mit dem Universum gewesen: Ein Praktikant hat das labile Gleichgewicht des Alls gestört und unverzüglich entstanden zehn Trilliarden – eine Zahl mit 220 Nullen hinten – Galaxien. Und dies vor auf den Tag genau 13,8 Milliarden Jahren. Für Rolf Sommer ist die Schöpfung eine kosmische Katastrophe.

Bei dieser beängstigend intellektuellen Zahlenspielerei könnte einem schwindlig werden, brächte sie Rolf Sommer nicht sofort mit Charme, Witz und wunderbarem Gesang auf eine menschliche Dimension. Leidenschaftlich interpretiert er mal mit bluesig rauer, mal mit zärtlich sanfter Stimme Lieder von «Highway to Hell» über Robert Schumanns «Ich grolle nicht» zum Liebeslied «Küss mich ein letztes Mal».

Dabei ist ihm Ken Mallor am Flügel ein sensibler, differenzierter Begleiter. Der amerikanische Pianist erfreut mit einer breiten Sicherheit in verschiedensten Musikstilen und untermalt Sommers Singen auf unaufdringliche, aber stützende Art. So gelingt ein anspruchsvoller, philosophischer, zum Nachdenken anregender Abend, der überzeugt. Nicht zuletzt auch wegen Sommers urchigem Urner Dialekts.

Mit der ebenfalls angesprochenen Thematik, wo Grenzen sind oder ob alles einmal zerplatzt wie Seifenblasen und alles zu Ende ist, war es nach vierzig Jahren unbewusst die nahezu perfekte Programmierung für das Ende er Kulturkommission von Wila.

Ende nach 40 Jahren und rund 170 Vorstellungen

Am 3. November 1978 gegründet, und nach etwa 170 Vorstellungen mit allen grossen und kleinen Ensembles, Kabarettisten, Tanzgruppen etc. der Schweiz war es eine würdige Dernière.  Da tauchen Namen auf wie Ines Torelli, Franz Hohler, Dodo Hug, Acapickels Lorenz Kaiser, Pippo Pollina, Theater des Kanton Zürich, Michael von der Heide – alle Nichterwähnten mögen die subjektive Auswahl verzeihen.

Odett Wissmann, Präsidentin des Nochvereins nimmt das Ende pragmatisch. Es sei an der Zeit, dass Neues entstehe, dass Jüngere das Zepter übernehmen, neue Ideen und aktueller Formen einbringen. Sie ist zufrieden, sie hat alle gewünschten Künstlerinnen und Künstler bekommen, nur ganz wenige Engagements sind aus finanziellen Gründen gescheitert.

Ihr persönlicher Höhepunkt sei Andreas Thiel, ein charmanter, sensibler und scharf denkender Künstler, der mit seinem Programm provoziert. Und ihr absoluter Tiefpunkt? Wenn bei einem hervorragenden Programm kaum Leute gekommen sind. Da das Interesse so gesunken sei, sei es gut dass Schluss ist. Sic transit gloria mundi. (Guy A. Lang)

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